Leid und Herrlichkeit Kritik

Leid und Herrlichkeit Filmkritik

Der alternde Filmemacher Salvador Mallo blickt zurück auf sein bewegtes und ereignisreiches Leben: Aufgewachsen in der Nähe der pulsierenden spanischen Metropole Valencia in den 60er-Jahren, entdeckt der junge Salvador schön früh seine Liebe zum Kino und zum Medium Film. Seine Mutter (Pénelope Cruz) kümmert sich aufopferungsvoll um Salvador, der es später einmal besser haben soll. Salvador erinnert sich an die großen Lieben seines Lebens, an Verluste und tragische Ereignisse aber auch an seine großen Filmerfolge, die ihn zu einem der innovativsten und gefeiertsten Regisseure seiner Heimat machten. Und auch ein Schauspieler streift immer wieder seine Erinnerungen. Ein Mann, mit dem Salvador eine jahrzehntelange künstlerische Zusammenarbeit verbindet.

Für Regisseur Pedro Almodóvar ist „Leid und Herrlichkeit“ der erste Film seit dem Melodrama „Julieta“ (2016) mit Emma Suárez. „Leid und Herrlichkeit“ entstand in und um Valencia und feierte in diesem Jahr in Cannes seine Weltpremiere. Almodóvar arbeitete schon häufiger mit den Hauptdarstellern Banderas und Cruz zusammen. So war Banderas unter anderem bereits in Almodóvars 87er-Erfolgsfilm „Das Gesetz der Begierde“ zu sehen, während Cruz unter anderem in „Volver“ (2006) und „Zerrissene Umarmungen“ (2009) mitspielte.


Mit fast 70 Jahren legt der spanische Regie-Exzentriker und -Provokateur Almodovar mit “Leid und Herrlichkeit” sein persönlichstes Werk vor: einen selbstreferenziellen, mit autobiografischen Zutaten aber auch fiktionalen Elementen und Handlungsebenen angereicherten Film, der Almodovars filmisches Schaffen Revue passieren lässt und vor allem als Rückblick sowie Bestandsaufnahme funktioniert. Besondere Bedeutung kommt deshalb auch den Flashbacks in Salvadors Kindheit zugute, die Almodóvar teils rauschhaft, teils anrührend und zutiefst emotional inszeniert.

Wie etwa eine besonders schön geratene Szene mit ein paar Wäscherinnen, die an einem Fluss in Salvadors beschaulicher Heimatstadt angesiedelt ist. Dort wächst der intelligente Zehnjährige wohl behütet auf, seine Mutter wird für ihn zum bedeutendsten Menschen überhaupt: gleichsam Vertrauensperson, wichtigster Gesprächspartner und Förderer der in dem Jungen steckenden, immensen (künstlerischen) Talente. Ausgelöst werden diese Rückblenden und ganz persönlichen, intimen Erinnerungen stets von – scheinbar unbedeutenden – Ereignissen und Alltagsgeschehnissen in der filmischen Gegenwart. Auf diese Weise gelingt Almodovar eine in sich stimmige, sich klug bedingende Vermengung von Vergangenheit und Gegenwart.

Salvador erinnert sich allerdings nicht nur an seine Mutter und die eigene Kindheit. Auch das Aufkeimen seiner homosexuellen Präferenzen, die Erinnerung an einen Nachbarn, verflossene Liebschaften, frühere (private wie berufliche) Bekanntschaften und wichtige Begegnungen thematisiert Almodovar. Der hat das Glück, mit Banderas über einen herausragend aufspielenden Hauptdarsteller zu verfügen. Der charismatische Spanier changiert in seiner Rolle gekonnt zwischen kraftraubender Trauerarbeit, aufkeimendem Optimismus und nostalgischer Vergangenheitsbewältigung. Oder kurzum: zwischen Leid und Herrlichkeit.

Fazit: Mit seinem schonungslos ehrlichen, autofiktionalem Spätwerk „Leid und Herrlichkeit“ gelingt Pedro Almodóvar eine zutiefst melancholische, feinfühlige und mit psychologischer Tiefe inszenierte Charakterstudie.

Bewertung: 9/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Björn said

    August 21 2019 @ 13:09

    Ein kleiner Nachtrag und passend zur Kritik: ein interessantes Interview des NDR mit Almodovar mit klug gestellten Fragen:

    https://www.ndr.de/kultur/Pedro-Almodovar-ueber-Leid-und-Herrlichkeit,interviewalmodovar100.html

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