Knight and Day

Zwei der am höchsten entlohnten Filmstars, ein renommierter Jung-Regisseur sowie ein üppiges Budget – die Vorzeichen für „Knight and Day“ standen wahrlich gut. Dennoch blieb die Actionkomödie weit hinter den Erwartungen zurück. Fast unisono watschten Kritiker die zweite Zusammenarbeit zwischen Cruise und Cameron ab, und zu allem Überfluss enttäuschten die Einspielergebnisse an den US-Kinokassen. Zieht der Name von Tom Cruise einfach nicht mehr? Ist der Film tatsächlich dermaßen verheerend, wie ihn nicht wenige Rezensenten einschätzten? Oder haben wir es mit dem Fall eines zu Unrecht verrissenen, zumindest passablen Actionkrachers zu tun?

Der Tag und Nacht für euch in den unterirdischen Zelluloidminen schuftende Filmkritiker beantwortet euch diese drängende Frage!

Agent auf Ab- und Umwegen
Diesen Inlandsflug hatte sich die hübsche Blondine June Havens (Cameron Diaz) erheblich weniger aufregend vorgestellt. Erst begegnet sie dem attraktiven Roy (Tom Cruise), der hemmungslos mit ihr flirtet, und kurz darauf wird auch noch ihr Flug gestrichen! Glück im Unglück: Sie findet trotzdem einen adäquaten Flug. Und besser noch: Auch Roy ist zufälligerweise an Bord! Wobei es sich keineswegs um einen Zufall handelt, schmuggelte dieser doch einen wertvollen Prototypen für eine revolutionäre Energiequelle in ihr Gepäck. Denn was June nicht weiß: Roy ist Geheimagent und wird wegen Verrats unerbittlich vom FBI und CIA gejagt.

© 2010 Twentieth Century Fox

Erst als plötzlich sämtliche anderen Passagiere an Bord der Maschine tot von den Sitzen kippen und selbst die Piloten leblos in ihren Stühlen hängen, begreift June, in welches Schlamassel sie geraten ist. Zwar versucht Roy, sie vor allen Gefahren zu beschützen. Doch die attraktive Blondine weiß diese Hilfe in Form heftiger Schießereien nicht so recht zu würdigen. Trotz aller Widrigkeiten kommt sich das ungleiche Paar auf der abenteuerlichen Flucht, die unter anderem nach Salzburg führt, näher …

Mission: Possible!
Bereits in den späten 1990er-Jahren etablierte sich ausgerechnet der als grinsender Schönling abgestempelte Tom Cruise als Anwärter auf den vakanten Thron des Actionsuperstars, nachdem die Sterne der einstigen Giganten Arnold Schwarzenegger und Sly Stallone im Sinken begriffen waren. Tatsächlich gelang dem mit „Top Gun“ in die Superstarliga aufgestiegenen Cruise jahrelang ein Blockbuster nach dem anderen. Angefangen von Actionkrachern wie den bislang drei „Mission: Impossible“-Filmen bis hin zu Steven Spielbergs zwiespältigem „Krieg der Welten“.

Doch seit dem unerhört erfolgreichen Science-Fiction-Streifen will dem einstigen Box-Office-Schwergewicht kein überragender Erfolg mehr gelingen. 2007 floppte das Drama „Von Löwen und Lämmern“, ein Jahr später erzielten die Brachialkomödie „Tropic Thunder“ sowie das umstrittene Weltkriegsdrama „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“ bescheidene Einspielergebnisse. Mit „Knight and Day“ misslang der nächste Versuch eines ganz großen Blockbusters.

© 2010 Twentieth Century Fox

Ein Teil des Problems ist gewiss der polarisierenden Wirkung des unumstrittenen Star des Films zuzuschreiben. Wie die „LA Times“ in einer der raren positiven Kritiken zum jüngsten Tom-Cruise-Vehikel in Anspielung auf dessen bizarres Interview 2005 bei Oprah Winfrey so treffend schrieb: „Can’t we just forget about what happened on Oprah’s couch?”
Anscheinend nicht. Man mixe noch einen Schuss Neid auf das immer noch unverschämt gute Aussehen des mittlerweile auf die Fünfzig zugehenden Stars sowie den Pseudo-Skandal rund um dessen Zugehörigkeit zu Scientology hinzu. Fertig ist die perfekte Anpatz-Mischung!

Action en masse
Ärgerlich, denn „Knight and Day“ ist bei nüchterner Betrachtung ein durchaus genießbares Stück typischer Hollywood-Unterhaltung. Ein bisschen Romantik, ein paar witzige Sprüche, interessante Schauplätze und natürlich: „Aktschn, Aktschn, Aktschn!“, um einen bekannten österreichischen Schauspieler zu rezitieren.

Die Mission, den Zuschauer zwei Stunden lang bestens zu unterhalten, erfüllt der Film auf ansprechende Weise. Gerade hierin liegt eine der Schwächen des Streifens: Keine Sekunde lang kommt Langeweile auf, weil entweder irgendetwas explodiert, Tom Cruise erstaunliche Kampfkraft zeigt oder mit Cameron Diaz einen der vielen witzigen Dialoge betreibt. Nur: Erinnerungswerte bietet Mangolds Film keine, was am schwachen Plot liegt. Wie in einem Computerspiel hasten die Protagonisten von Punkt A nach Punkt B und müssen sich ihrer Haut erwehren. Eine flüssige, zusammenhängende Handlung ergibt sich daraus jedoch nicht automatisch. Wie es dazu kommt, dass Cruise und Diaz auf einem Motorrad vor Kampfstieren Reißaus nehmen müssen, erweist sich als ebenso belanglos, wie eine Flucht auf den Dächern Salzburgs oder die üblichen Autoverfolgungsjagden. Dies alles ist hübsch in Szene gesetzt und nett anzugucken, wirkt jedoch abgehackt, wie Episoden, die notdürftig miteinander verknüpft wurden.

© 2010 Twentieth Century Fox

Eine mittlere Enttäuschung stellen zudem die Spezialeffekte dar, die in manchen Szenen dem Stand der Technik weit hinterher hinken. Beispielsweise können die CGI-animierten Stiere nicht vollends überzeugen und eine der Explosionen könnte glatt aus den frühen 1990er-Jahren stammen, dermaßen anachronistisch wirkt sie.

Schade eigentlich, denn diese Schwächen trüben das Seh- und Hörvergnügen unnötigerweise. Mit mehr Sorgfalt hätte „Knight and Day“ ein ganz großer Wurf werden können. Stattdessen darf man sich zwar über eine wunderbar leichtfüßige Actionkomödie freuen, welche jedoch keinen Grund bietet, sie ein zweites oder drittes Mal anzugucken.
Dabei verblüfft die sympathische Ironie, mit der Tom Cruise seine eigenen Filme, allen voran natürlich die „Mission: Impossible“-Reihe, durch den Kakao zieht. Aber wie seinerzeit Arnold Schwarzenegger mit „Last Action Hero“ oder Sylvester Stallone mit „Demolition Man“ (sinnigerweise liefen beide Filme 1993 in einem Abstand von nur wenigen Wochen in den Kinos!) scheint das Publikum wenig Gefallen daran zu finden, ihre Leinwandhelden bei der liebevollen Demontage ihrer eigenen Denkmäler zu beobachten.

© 2010 Twentieth Century Fox

Fazit: „Knight and Day“ schöpft sein Potenzial nicht aus, erweist sich dennoch als einer der vergnüglichsten Mainstreamfilme des Kinosommers 2010 und kann somit ruhigen Gewissens empfohlen werden.


Darsteller

  • Tom Cruise … Roy Miller
  • Cameron Diaz … June Havens
  • Peter Sarsgaard … Fitzgerald
  • Jordi Mollà … Antonio
  • Viola Davis … Director George
  • Paul Dano … Simon Feck
  • Falk Hentschel … Bernhard
  • Marc Blucas … Rodney
  • Lennie Loftin … Braces
  • Maggie Grace … April Havens
  • Rich Craig … Danny
  • Dale Dye … Frank Jenkins
  • Celia Weston … Molly
  • Gal Gadot … Naomi
  • Jack O’Connell … Wilmer

Regie
James Mangold

Produktionsland, Jahr
USA, 2010

Knight and Day Trailer


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