Immigration Game Kritik

Immigration Game Filmkritik

Deutschland 2016: Flüchtlinge erhalten nur dann ein dauerhaftes Bleiberecht bzw. die begehrte Aufenthaltsgenehmigung, wenn sie das „Immigration Game“ überleben. Das Spiel sieht wie folgt aus: die (unfreiwilligen) Teilnehmer werden 30 km außerhalb von Berlin ausgesetzt. Schaffen sie es lebend bis zum Fernsehturm, erhalten sie Asyl. Das Problem: ihnen auf den Fersen sind die sog. „Hunter“: brutale Killertruppen, die außer Schusswaffen alles einsetzen dürfen, um die „Runner“ genannten Flüchtlinge aufzuhalten. Ein rücksichtsloses, menschenunwürdiges Katz-und-Maus-Spiel, das per Online-Stream und über Videoleinwände in der Stadt, Millionen Menschen erreicht – und die sich aus sicherer Entfernung an dem Spiel erfreuen. Eines Tages findet sich der deutsche Staatsbürger Joe (Mathis Landwehr) inmitten des „Immigration Game“ wider. Durch Pech und einen dummen Zufall, geriet er in das Spiel. Schafft er es, als „Runner“ das todbringende Spiel zu überleben?

The Purge“, „1984“, „Running Man“, „The Hunger Games“ – nur die offensichtlichsten Filme, die der deutschen Genre-Produktion “The Immigration Game“ Pate standen. Der Stuttgarter Regisseur Krystof Zlatnik zeichnet in seiner Action-Dystopie ein düsteres Bild eines Deutschlands der Gegenwart, das sich einer medienwirksamen, höchst voyeuristischen und perversen Methode bedient, um seine Asylsuchenden loszuwerden. Zlatnik studierte bis 2009 „Spielfilm-Regie“ an der Filmakademie Baden-Württemberg und wurde für seine Sci-Fi-Kurzfilme bereits häufiger ausgezeichnet. „Immigration Game“ wurde in der offiziellen Auswahl des renommierten Sci-Fi-Festival London, gezeigt.


Asylverfahren und Flüchtlingsaufnahme einmal anders: zwar sind die inhaltlichen Mechanismen und Prämissen von „Immigration Game“ aus den oben erwähnten Filmen bereits allseits bekannt. Was dem Film aber einen schmerzlich bedrückenden Beigeschmack einverleibt ist die Tatsache, dass Europa nach wie vor fest in der Hand der Flüchtlingskrise ist. Über das Mittelmeer kommen Monat für Monat nach wie vor Tausende von Flüchtlingen, die in Europa, u.a. in Deutschland, einen Neuanfang wagen wollen. Dies sorgt für einen hohen Aktualitätsgrad. Und wer weiß, vielleicht hat sich manch ein ausländerfeindlicher Nationalist auch schon einmal ein solches „Immigration Game“ für die Realität gewünscht.

Dieses im Film dargestellte Spiel um Leben und Tod ist an Perversion und Perfidie kaum zu überbieten, zumal an den Brutalitäten Millionen von Schaulustigen Anteil nehmen: an den heimischen Bildschirmen und über die öffentlichen Videoleinwände. Aus sicherer Distanz wird hier also das Bedürfnis nach Schaulust und unbeteiligter Gewalt gegen die verhassten Asylanten, gestillt. Die Gewalt in „Immigration Game“ wirkt dringlich, intensiv und unmittelbar, was natürlich auch am Einsatz der Handkamera liegt. Die verwackelten, aber fiebrigen Bilder ziehen den Zuschauer mitten ins Geschehen und haben so gar nichts von den gelackten, edlen Hochglanz-Aufnahmen á la „The Purge“.

Überdurchschnittlich brutal sind die Fight- und Gewaltszenen nicht, auch wenn man beim Einprügeln auf die „Runner“, ab und an die Schläge am eigenen Leib zu spüren scheint – dem Einsatz von Metallstangen, Eisenketten, Messern und Knüppeln sei Dank. Bevor es auf der Leinwand aber zu blutig und unmenschlich gewalttätig zugeht, folgt ein Schnitt oder die Kamera bewegt sich weg. Regisseur Zlatnik überlasst es dann der Fantasie des Zuschauers, wie es weitergeht. Allzu viele Möglichkeiten gibt es nicht. Besonders bedrohlich und angsteinflößend wird „Immigration Game“ übrigens, wenn die Nacht über Berlin hereinbricht. Dann gesellt sich zu den pulsierenden Verfolgungsjagden und rasant gefilmten (Nah-)Kampfszenen auch noch eine gehörige Portion (unheilvoller) Atmosphäre.

Ausstattungs-technisch und in Sachen Kulissen, darf von der Indie-Produktion „Immigration Game“ auf keinen Fall zu viel erwartet werden. Der Genre-Film wurde mit einem Mini-Budget realisiert und nicht selten vermittelt er tatsächlich etwas Unperfektes und Halbfertiges, doch generiert er gerade daraus auch eine gehörige Portion Charme. In „Immigration Game“ steckt viel Liebe zum Detail. Akribie und Leidenschaft sind dem Werk zu jeder Zeit anzumerken, was bereits in den ersten Minuten deutlich wird.

Am Ende des Films ist klar, dass in diesem perversen Spiel nicht deutsche Killertrupps gegen Flüchtlinge kämpfen sondern schlicht gewaltbereite Psychopathen gegen die „Guten“. Die Flüchtlingsfrage stellt sich dann nicht mehr, denn sie ist nicht das eigentliche Problem. Eine Erkenntnis, die sich so vermutlich auch auf die Realität übertragen lässt.

Fazit: Handgemachte, mit viel Akribie und Action umgesetzte deutsche Genre-Kost in dystopischem Gewand, das die aktuelle Flüchtlingsproblematik mit einem ebenso bizarren wie brutalen Gedankenexperiment verknüpft.

Bewertung: 8/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Richmen said

    August 2 2017 @ 13:18

    Wat eine Scheiße! Nicht mal die Fightszenen sind gut dann würde das Machwerk zumindest als Trash durchgehen. Warum wird der Film so gehypt?

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