Il futuro Kritik

Il-futuroDie Geschwister Bianca (Manuela Martelli) und Tomás (Luigi Ciardo) sind mit ihren Eltern von der chilenischen Heimat nach Italien gezogen, um ein besseres, sorgenfreieres Leben beginnen zu können. Doch das Schicksal meint es zunächst nicht gut mit den Beiden: Ein tragischer Unfall reißt deren Eltern aus dem Leben und so stehen Bianca und Tomás plötzlich als Waisen da. Fortan halten Sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser – Bianca arbeitet als Friseurin, Tomás als Trainer in einem Fitnessstudio. Als zwei von Tomás’ Bodybuilder-Freunden bei den Beiden einziehen, wachsen den Teenagern die finanziellen Sorgen bald über den Kopf. Und so schmieden die Vier einen perfiden Plan: Die verführerische Bianca soll das Vertrauen des ehemaligen B-Movie-Stars und einst erfolgreichen Bodybuilders Maciste (Rutger Hauer) gewinnen, um sich so Zugang zu dessen pompösen Anwesen zu verschaffen. Darin vermuten die Freunde nämlich einen prall gefüllten Safe, der all ihre Probleme lösen könnte. Doch es kommt anders als geplant, als sich Maciste und Bianca langsam näher kommen.

Die internationale Co-Produktion „Il futuro“ wurde von der mehrfach ausgezeichneten, chilenischen Star-Regisseurin Alicia Scherson („Play“) inszeniert und beruht auf Roberto Bolanos Roman „Eine Lumpengeschichte“. Scherson lieferte auch selbst das Script für ihren Film, der sich nur schwer einem Genre eindeutig zuordnen lässt. „Il futuro“ kommt mal als schwüler Erotik-Reißer daher, mal als sensibles Coming-of-Age-Drama und erscheint doch zu jeder Zeit als Hommage an die europäische Filmgeschichte, wenn Scherson in ihrem Film z.B. an die legendären italienischen Cinecitta Studios oder an Sandalen-Klassiker wie Ben Hur erinnert. Ein glänzender Cast und die bestechende Bildsprache machen „Il futuro“ schließlich zu einem kleinen filmischen Kunst- und Meiserwerk.
Schon nach wenigen Sekunden macht „Il futuro“ deutlich, dass Alicia Scherson ihren Film vor allem als Reminiszenz an die europäische Filmgeschichte und die cineastische Flair früherer, längst vergangener Zeiten verstanden wissen will. Da erscheint zu Beginn in großen, goldenen Lettern der Titel des Films, untermalt von pathetischer Filmmusik, und der Film-Kenner und –Fan denkt hier freilich sofort an den legendären Vorspann des Sandalen-Klassikers „Ben Hur“. Oder wenn Scherson ihre Hauptdarstellerin Martelli im Film des öfteren an den altehrwürdigen römischen Cinecitta Studios vorbeilaufen lässt, in denen von den 40er bis 60er-Jahren einige der größten Monumentalfilme und Western der Geschichte gedreht wurden. Als weitere Hommage versteht die Regisseurin ihre männliche Hauptfigur: den in die Jahre gekommenen, blinden Ex-Actionstar Maciste, der seine größte Zeit zur Hochphase der Monumentalfilme in den späten 50er- und den 60er-Jahren hatte.

Beeindruckend an „Il futuro“ ist zudem die einnehmende Leinwandpräsenz der beiden Hauptdarsteller Manuala Martelli und Rutger Hauer, der hier vermutlich die beste schauspielerische Leistung seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten abliefert. Unterschiedlicher könnten die beiden tragischen Figuren des Films kaum sein. Auf der einen Seite steht der bullige, massive Ex-Filmstar und Ex-Mr-Universum Maciste, der in einem riesigen, surreal anmutenden Kunsttempel lebt und immer noch vom Reichtum der vergangenen Zeiten lebt. Auf der anderen Seite die wunderschöne, zerbrechlich wirkende und bitterarme Bianca, die zu Beginn nur den Kontakt zu Maciste sucht, um den in der Villa des alten, blinden Mannes befindlichen Safe zu lokalisieren – zunächst.

Denn alles kommt ganz anders und der Film entwickelt sich vom ironischen Gaunerstück in einen sinnlichen, von schwüler Erotik durchzogenen Film Noir, nachdem die beiden unterschiedlichen Protagonisten die erste Liebesnacht miteinander verbracht haben. Dann nimmt eine tragische Unglücksliebe und mitreißende Liebesgeschichte ihren Lauf, der man sich kaum entziehen kann. Die hypnotischen, stilistischen Bilder von Kameramann Ricardo DeAngelis („Ein Ort auf dieser Welt“) passen sich der melancholischen Stimmung der zweiten Hälfte des Films dabei perfekt an. Absolut sehenswert.

Fazit: Ohne sich eindeutig einem bestimmten Gerne zuordnen zu lassen, erweist sich „Il futuro“ in erster Linie als brillante Hommage an die europäische Filmgeschichte und Liebeserklärung an das Monumentalkino der 50er- und 60er-Jahre. Brillante Darsteller und die hypnotische Bildsprache machen den Film überdies unbedingt sehenswert.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider


Regie:

  • Alicia Scherson

 

Darsteller:

  • Luigi Ciardo
  • Rutger Hauer
  • Nicolas Vaporidis
  • Manuela Martelli
  • Pino Calabrese
  • Alessandro Giallocosta

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