House of Fears - Deine Angst wird Dich töten FilmkritikTeenie-Horrorfilme erfreuen sich seit Jahrzehnten größter Beliebtheit. Eine Tatsache, die nicht dem Umstand ihrer außergewöhnlich hohen Qualitätsstandards geschuldet ist, sondern vielmehr dem lustvollen Spiel mit der Angst zu verdanken ist. Nur wenige Genrebeiträge, wie etwa John Carpenters „Halloween“, schafften es, Kultstatus zu erlangen und von der Kritik halbwegs ernst genommen zu werden.

Mit „House of Fears – Deine Angst wird Dich töten“ versucht Regisseur Ryan Little am verführerischen Kuchen der Teenie-Horrorfilme mitzunaschen. Ob das Resultat delikat oder eher ungenießbar ausgefallen ist, wird nachfolgende, garantiert ungefährliche Kritik offenbaren.

Teenage Angst
Die Teenager Hailey (Sandra McCoy), Devon (Michael J. Pagan), Carter (Corey Sevier), Candice (Alice Greczyn) und Zane (Eliot Benjamin) verbindet nicht viel miteinander, außer die typischen Themen ihres Alters: Party, Fun, Mädchen bzw. Jungs. Nur Samantha (Corn English), Haileys Stiefschwester, tanzt aus der Reihe und hat mit alledem nicht viel am Hut. Um ihrer ungeliebten Stiefschwester eins auszuwischen, schließt sie sich der Gruppe bei einem nächtlichen Ausflug in ein Gruselkabinett an.

Zunächst verläuft das kleine Abenteuer in gewohnten Bahnen: Die Jungs flirten mit den Mädchen und versuchen sich beim gegenseitigen Erschrecken zu überbieten. Was sie nicht wissen: Nachtwächter Hamadi (Kelvin Clayton) öffnete kurz zuvor eine Kiste, in der sich eine geheimnisvolle, afrikanische Statue befand. Eine Statue, welche die schlimmsten Ängste wahr werden lässt.

Tatsächlich sehen sich die Teenies plötzlich nicht nur mit Gummispinnen und Spiegeltricks, sondern mit unheimlichen Wesen aller Art konfrontiert, die von der Furcht der Menschen zu Leben erweckt werden. Der erste Tote aus dem Sextett lässt nicht lange auf sich warten … und soll auch nicht der letzte Ermordete bleiben …

Originelle Sets – unorigineller Plot
Regisseur Ryan Little trat bislang mit kleineren Produktionen in Erscheinung. Am Bekanntesten dürfte noch das Sportler-Drama „Forever Strong“ sein. Mit „House of Fears – Deine Angst wird Dich töten“ wagt er den Sprung ins Horrorgenre. Klar erkennbar ist Littles Routine: Trotz des relativ geringen Budgets wirkt der Streifen an keiner Stelle billig, sondern holt jeweils das Optimum aus den finanziellen Möglichkeiten heraus.

Als größter Pluspunkt erweist sich dabei ausgerechnet das an sich wenig originelle Setting: Gruselkabinette, Geisterbahnen oder Spukhäuser liegen als zentrale Plotpunkte eines Horrorfilmes quasi auf der Hand. Dennoch fasziniert der Gang durch das Kabinett der Angstmacher: Ob die Grabkammer eines Pharao, eine Irrenanstalt oder ein Friedhof – jeder einzelne Ort des Schreckens weckt die Lust, an Stelle der Protagonisten durch die Szenerie zu stapfen. Hierbei wurde sehr sorgfältig und ansprechend aufwändig gearbeitet.

Weniger inspiriert wirkt hingegen das Drehbuch, obwohl es dankenswerterweise nicht lange fackelt und die Teenager rasch in das Haus des Schreckens lockt. Auf überflüssige Pseudo-Eifersuchtsdramen, überbordende Flirtszenen oder nackte Haut verzichtet der Film. Leider fehlt es der Handlung am hierfür nötigen Esprit, um Spannung zu erzeugen. Wie in vielen anderen Genrebeiträgen ist die Erklärung für das Übernatürliche völlig an den Haaren herbeigezogen und zudem altbacken: Ein Kultgegenstand, der das Böse über die Menschen bringt? Hat man schon zigfach gesehen, stört jedoch nicht weiters.

Ärgerlicher ist hingegen die Einfallslosigkeit, mit der den Protagonisten auf den Pelz gerückt wird: Beispielsweise offenbaren diese vor dem Eintritt ins Gruselkabinett ihre Ängste, was natürlich vorweg nimmt, welches Schicksal ihnen widerfahren wird. Die von der afrikanischen Statue zu Leben erweckten Verkörperungen des Schreckens sind indes auch nicht besonders originell oder furchteinflößend geraten, wie etwa ein an Nosferatu gemahnender Verschnitt aus Totengräber und Ghul.

Klischees allerorten
Ebenso wenig schafft es Little, den Zuschauer für die Schicksale der Figuren einzunehmen. Zum einen mangelt es an einer Charakterisierung, die abseits konventioneller Klischees funktioniert: Die verführerische Tussi, der nervige „funny sidekick“, der kein Mädchen abbekommt, das attraktive Mauerblümchen, etc. – sie alle finden sich in der Gruppe wieder. Eigentlich schade, da zu Beginn des Filmes anhand des Konflikts der Stiefschwestern Charakterisierungen angedeutet werden. Doch dieser lobenswerte Ansatz wird bereits kurz darauf wieder fallengelassen.

Zum anderen zwingt das starre Drehbuch die Figuren zu teils haarsträubend unlogischen Handlungsweisen, wie man sie aus zahlreichen anderen Horrorfilmen zur Genüge kennt: Mitglieder einer vom Bösen bedrohten Gruppe trennen sich oder stolpern über ihre eigenen Füße. Zudem verhalten sich die Teenies angesichts diverser Morde seltsam abgebrüht und sogar desinteressiert.

Nicht Fisch, noch Fleisch
„House of Fears – Deine Angst wird Dich töten“ überrascht hingegen mit den zahmen Gewaltdarstellungen. Es fließt kaum Blut und die Morde geschehen meist abseits der Kamera. Somit handelt es sich um einen äußerst harmlosen Gruselfilm, der sich als ideal für den kurzen Spaß zwischendurch erweist. Fingernägelkauer werden bei diesem Streifen nur wenig Gelegenheit zur Ausführung ihrer Beschäftigung finden.

Der Gesamteindruck erweist sich als durchwachsen: Überraschend gut aufbereitetes Setting, schwaches Drehbuch, solide Regie. Von Filmen wie „Delictum“ oder „Drag Me To Hell“ ist „House of Fears – Deine Angst wird Dich töten“ ebenso weit entfernt, wie Österreich vom Gewinn der Fußballweltmeisterschaft. Ausdrücklich empfehlen kann man Littles Werk zwar nicht, doch unersättliche Genrefans können mit diesem Film wenig falsch machen, solange sie die Erwartungen niedrig halten und sich keinen Geniestreich erhoffen.

Übrigens lohnt es sich, die DVD nicht mit dem Start des Abspanns zu stoppen. Nach den Credits folgt nämlich ein ironischer Epilog, der Bezug auf einen weitaus berühmteren Film (welcher das ist, wird natürlich nicht verraten) nimmt und die 80 vorangegangen Minuten an Originalität bei weitem übertrifft. Deshalb: DVD bis zum erneuten Einblenden der Menüs laufen lassen!


Darsteller

  • Corn English … Samantha
  • Sandra McCoy … Hailey
  • Michael J. Pagan … Devon
  • Corey Sevier … Carter
  • Alice Greczyn … Candice
  • Eliot Benjamin … Zane
  • Kelvin Clayton … Hamadi

Regie
Ryan Little

Produktionsland, Jahr
USA, 2007

House of Fears – Deine Angst wird Dich töten Trailer




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