Hostel

Hostel KritikFolter, Sadismus, ekelhafter Splatter, unmoralisch, abartig, pervers, menschenverachtend.
Kaum ein negativ besetzter Begriff fehlte, der nicht in Zusammenhang mit Eli Roths Horrorfilm „Hostel“ gefallen wäre. Tatsächlich sorgten nur wenige Filme für mehr Aufregung und Empörung, als dieser zugegebenermaßen provokante Streifen.
Ob die Blutsuppe dermaßen heiß gegessen wird, wie sie gekocht wurde, wollen wir im Folgenden ganz zivilisiert und politisch korrekt ergründen.

Auf die Folter gespannt

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Die Amerikaner Paxton (Jay Hernandez) und Josh (Derek Richardson) besuchen den Alten Kontinent als Rucksacktouristen, wobei ihnen der Sinn weniger nach architektonischen Sehenswürdigkeiten oder dem Lokalkolorit steht. Sie sind einzig daran interessiert, möglichst ungezwungen von heimatlicher Prüderie ihren Spaß zu haben: Partys, Girls, Drogen wollen sie während ihres Urlaubs auskosten.

Nachdem sich ihnen der Isländer Oli (Eyþór Guðjónsson) angeschlossen hat, erhalten sie in Holland einen heißen Tipp, der ihnen ihre Wünsche erfüllen soll: In einer slowakischen Herberge (besagtes „Hostel“) würden die schönsten, tabulosesten Frauen nur darauf warten, ihre intimsten Wünsche zu erfüllen.

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Rasch packen die Drei ihre Rucksäcke und begeben sich zur angegebenen Adresse. Und tatsächlich: Ihnen wurde nicht zu viel versprochen! Allerdings ist nach der ersten, rauschhaften Nacht Oli spurlos verschwunden – angeblich sei er früh am Morgen abgereist.

Noch machen sich Paxton und Josh keinen Kopf darüber. Erst als auch Josh plötzlich verschwindet, wird Paxton mulmig zumute. Und sein mulmiges Gefühl soll ihn nicht täuschen, denn wenig später findet er sich in einer hermetisch abgeriegelten Folterkammer wieder …

Die Ästhetik des Hässlichen

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Was an „Hostel“ als Erstes ins Auge springt, ist die optische Verwandtschaft mit „Saw“: Beide Filmreihen kokettieren nicht nur mit Folter, sondern auch mit dem Reiz des Hässlichen. Gleich den seelischen Abgründen der Sadisten, sind die Folterkammern selbst geradezu liebevoll so verdreckt und verwahrlost wie möglich ausgestattet.
„Hostel“ geht dabei noch einen Schritt weiter und bebildert Europa fernab touristischer Klischee-Reklamen. Vor allem der Standort der Herberge wird in den düstersten Grauschattierungen geschildert und führte zu Protesten slowakischer Medien, die ihr Land im wahrsten Sinne des Wortes „in den Dreck gezogen“ wähnten.

Tatsächlich ist Eli Roth, dessen Regiedebüt „Cabin Fever“ zu Recht hämische Verrisse erntete, kein Freund der Subtilität: Die Slowakei wird als hinterwäldlerisches, noch in stalinistischen Stiefeln steckendes Land übelster Einheimischer dargestellt.

Deftige Genrekost ohne Kompromisse

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Doch die eigentliche Frage lautet natürlich: Verdient sich „Hostel“ seinen schlechten Ruf, der darin gipfelt, dass er in praktisch jeder Diskussion über Gewalt in den Medien erwähnt wird?
Eine definitive und eindeutige Antwort darauf kann nicht geliefert werden, da sich „Hostel“ einer allzu simplen Betrachtungsweise schlichtweg entzieht.

Zwar liefert Roths Machwerk Bilder drastischer Grausamkeit, und zumindest in der ungeschnittenen Version fließt hektoliterweise Blut und allerlei Körperstellen erhalten eine neue Öffnung. Doch die Art und Weise der dargestellten Gewaltorgien entzieht dem Film jede ernsthafte Beschäftigung mit der Problematik sadistischen Verhaltens. Die gezogenen Vergleiche mit den Folterbildern aus von US-Militärs geführten irakischen Gefängnissen sind absurd, da „Hostel“ lediglich die Grundthematik aufgreift, sich einem „seriösen“ Discours darüber jedoch verweigert.
Im Gegenteil: Die Karikierung der Folterknechte als gelangweilte Geschäftsleute, die den ultimativen Kick erleben wollen, bzw. die nicht stattfindende Charakterisierung der Opfer stellt den Film auf eine Ebene mit vielen anderen, weniger umstrittenen Horrorstreifen.

Glatt, glatter, „Hostel“

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Lässt man – sofern man dazu imstande ist – den „Hype“ rund um „Hostel“ außen vor und konzentriert sich auf die Story selbst, stellt man wenig überraschend fest, dass es sich dabei um einen aalglatten Vertreter des Horrorgenres handelt. Der Basisplot rund um ein paar hübsch anzusehende Jugendliche, die von Hinterwäldlern gefangen genommen und malträtiert werden, ist ein inzwischen mottenzerfressener Hut.
„Hostel“ unterscheidet sich von ähnlichen Filmen nur in zwei Punkten: Erstens dem Schauplatz, der ausnahmsweise nicht in irgendwelchen abgelegenen nordamerikanischen Wäldern liegt, und zweitens dem Ausmaß der gezeigten Gewalt.

Den Figuren selbst kann man weder Sympathie, noch Antipathie entgegenbringen. Ihnen wird schlichtweg jegliche Charakterisierung verweigert – Gesichter tauchen auf oder verschwinden wieder, ohne irgendeine Gefühlsregung beim Zuschauer zu hinterlassen. Somit lässt „Hostel“, rein auf die formale Ebene reduziert, den Rezipienten völlig kalt.

Viel Lärm um viel Gedärm

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„Hostel“ verdankt seinen wenig schmeichelhaften Ruhm somit in erster und einziger Linien schlussendlich den Splattereinlagen. Ein paar Kübel weniger Blut, und Roths bislang erfolgreichster Film wäre lediglich als Dutzendware von der Horrorstange durchgegangen.

Somit stellt „Hostel“ keineswegs jenen Skandalfilm dar, als der er dargestellt und wohl auch bewusst propagiert wurde. Die Provokation zeigte Erfolg: Der nur rund 4 Millionen Dollar teure Streifen spielte weltweit ein Vielfaches ein. Nüchtern betrachtet ist „Hostel“ jedoch allenfalls ein höchst durchschnittlicher Horrorfilm, der trotz reichlich fließender Körpersäfte blutleer bleibt und in die Kategorie „bis über beide Ohren belanglos“ fällt.

Wer sich einen intelligenten oder gar anspruchsvollen Horrorfilm erhofft, wird von „Hostel“ enttäuscht werden. Für einen launigen Filmabend ist er jedoch allemal und vortrefflich geeignet.

Darsteller

  • Jay Hernandez … Paxton
  • Derek Richardson .. Josh
  • Eyþór Guðjónsson … Oli
  • Barbara Nedeljáková … Natalya
  • Jana Kaderabková … Svetlana
  • Jan Vlasák … Niederländischer Geschäftsmann

Regie
Eli Roth

Produktionsland, Jahr
USA 2005

Hostel Trailer


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