Hostel 2 Kritik

Mit „Cabin Fever“ spaltete Eli Roth noch die Horrorfangemeinde. Doch spätestens seit „Hostel“ zählt der US-Amerikaner zu den Fixsternen am Splatterhimmel und ist aus dem Genre gar nicht mehr wegzudenken. Vor allem der „Hostel“-Reihe verdankt einen nicht ausschließlich guten Ruf: Die bislang zwei Teile der Serie werden von Jugend- und Moralwächtern allzu gerne als gewaltverherrlichend eingestuft und mit dem wenig schmeichelhaften Ausdruck „Torture porn“ belegt.

Allein: Eli Roth schert sich keinen Deut um seinen Ruf und schlug unter anderem eine Reiseeinladung aus der Slowakei aus, das Land von der weniger folterlastigen Seite kennenzulernen. Dafür legte er in der Fortsetzung des Kinohits noch ein Schäuflein Splatter, Blut und Folter nach. Und wie schon für das Original gilt auch für „Hostel 2“: Hier sollte man besser nicht einchecken, wenn einem die eigenen Körperteile lieb sind …

Slowakei sehen und sterben
Die amerikanischen Kunststudentinnen Beth (Lauren German), Lorna (Heather Matarazzo) und Whitney (Bijou Philips) machen in Prag die Bekanntschaft mit der hübschen Axelle (Model Vera Jordanova), die ihnen von einem wunderbar entspannenden Spa in der Nähe von Bratislava vorschwärmt. Zunächst zieren sich die drei jungen Frauen noch. Doch als sie Axelle – scheinbar zufällig – in einem Zug wiedertreffen, erweist sich diese als Retterin in der Not und erringt dadurch deren Vertrauen.

In Bratislava checken die Studentinnen in einem Hostel ein und nehmen an einem Volksfest teil. Dieses entpuppt sich für die schüchterne Lorna als Todesfalle: Ein attraktiver Slowake überredet sie zu einer einsamen Bootsfahrt, schlägt sie bewusstlos und bringt sie in eine alte Fabrik. Dort wird Lorna kopfüber aufgehängt und von einer zahlungskräftigen Kundin als Blutdusche missbraucht.

Noch ahnen Beth und Whitney nichts davon, dass Axelle lediglich ein Lockvogel für das skrupellose Unternehmen „Elite Hunting“ ist, das Menschen entführt und an reiche Geschäftsleute verkauft, die sich endlich mal so richtig gehen lassen wollen. Im Spa verschwindet zunächst Whitney spurlos. Beth kann kurzfristig entkommen, tappt jedoch in die von Axelle ausgelegte Falle und findet sich plötzlich in einem finsteren Folterkeller wieder …


Gelungene Charakterisierungen
Wie schon in Teil 1 nimmt Roth den gesellschaftskritischen Faden auf und knüpft daraus eine äußerst dichte Handlung. Weitaus dichter, als im sehr gemächlich anlaufenden „Hostel“. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf Verluste und entledigt sich Paxton (Jay Hernandez), dem Überlebenden aus dem Vorgänger bereits nach wenigen Minuten, statt ihn zum Helden aufzubauen.

Nicht zu Unrecht warfen Kritiker Roth vor, lediglich Teil 1 zu wiederholen und anstelle der Männerrollen Frauen als Protagonisten zu besetzen. Allerdings stellt sich dies als Glücksgriff heraus. Denn während die vergnügungssüchtigen Jungs aus „Hostel“ eindimensionale Figuren ohne eigenes Profil waren, arbeitet „Hostel 2“ die Protagonistinnen wunderbar heraus. Auf den ersten Blick sind die Rollen klar verteilt: Beth ist die tugendhafte Spaßbremse, Lorna das Flittchen und Whitney die skurrile Witzfigur. Diese eindeutige Konstellation löst sich im Laufe des Films jedoch etwas auf und schafft Platz für interessante Charakterisierungen. Vor allem Whitney entwickelt sich von der schüchternen Stubenhockerin zur „normalen“ Touristin, die auch etwas Spaß sucht – und dies mit einem fürchterlichen Schicksal bezahlen muss.

Eine ganz außergewöhnliche Protagonistin ist Beth. Die von Lauren German verkörperte, nur scheinbar selbstbewusste junge Frau baut ausgerechnet zu „Lockvögelchen“ Axelle eine latent homoerotische Beziehung auf. Roth verzichtet auf eindeutige Szenen oder Dialoge. Doch Beths strahlendes Lächeln in Axelles Nähe oder ein zarter Kuss der hübschen Slowakin auf Beths Schulter sprechen eine eindeutige Sprache. Von Gewissensbissen wird Axelle dennoch nicht geplagt: Ungerührt liefert sie die Amerikanerin an die Häscher der Folterknechte aus – und quittiert Beths entsetzten Blick mit einem lapidaren Schulterzucken …

Treusorgende Familienväter als perverse Folterknechte
Selbst den Kunden der makabren Agentur widmet sich Roth eingehender. Der seiner Frau unterwürfige Stuart etwa ist ein freundlicher Familienvater und ringt mit sich selbst, ob er die Einladung seines wesentlich selbstbewussteren Freundes in die Slowakei annehmen soll. Noch vor Ort plagen ihn heftige Zweifel und als er die ihm als Opfer zugewiesene Beth auf dem Volksfest genauer in Augenschein nimmt, ist er drauf und dran, die ganze Sache abzublasen.

Gerade aus dieser Ambivalenz speisen sich die psychologisch spannendsten Aspekte, ohne dass es an Blut und blankem Fleisch mangeln würde. Im Gegenteil: In „Hostel 2“ legt Eli Roth erst so richtig los und zelebriert die Kunst des unverhohlenen Grauens. Dabei greift er oftmals auf grimmigen Humor zurück, um die oft ans Unerträgliche grenzende Visualisierung augenzwinkernd abzuschwächen und dem Publikum zu versichern, dass dies alle ohnehin nur harmloser Spaß sei.

Tabus kennt der Regisseur ohnehin keine. Selbst Kinder sind in der ungeschnittenen Fassung nicht vor seiner überbordenden Phantasie sicher, was zu einer besonders beklemmenden Szene führt.

Ende gut – alles gut?
Einen ganz dicken Pluspunkt verdient sich Eli Roth mit der Schlusssequenz, die einen wunderbar fiesen Plottwist bietet. Nun wäre es übertrieben, diesen Plottwist in die Nähe desselben aus „The Sixth Sense“ zu rücken. Trotzdem erstaunt nicht nur die Konsequenz, sondern auch die nachvollziehbare Logik, was sich gerade im Horrorgenre leider nicht von selbst versteht.

Ende gut? Ja! Alles gut? Ja!
„Hostel 2“ ist weitaus besser als sein verheerender Ruf. Freilich: Um einen solchen Film entsprechend rezensieren zu können, muss man ihn nicht nur gesehen haben, sondern auch dem Genre gewogen sein. Denn es wäre zu einfach, den ganzen Film nur als Aufhänger der Folterszenen zu betrachten und darob das clevere Drehbuch komplett zu „übersehen“. Das hätte sich dieser spannende, schwarzhumorige Splatterstreifen nicht verdient.

Deshalb gilt: „Hostel 2“ richtet sich ausschließlich an Horrorfans. Aber bitte unbedingt darauf achten, die ungeschnittene Version in den DVD-Player einzulegen. Hier zählt tatsächlich jede Sekunde Laufzeit …


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