Haywire Kritik

HaywireNicht viele Filmemacher sind in so vielen unterschiedlichen Genres zu Hause wie der US-Amerikaner Steven Soderbergh. Soderberghs Stern ging 1989 auf, als sein Independent-Meisterstück „Sex, Lügen und Video“ bei den Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme erhielt. Er war zu diesem Zeitpunkt gerade 26 Jahre alt und damit der jüngste Regisseur, der je diese Auszeichnung erhalten hat. Sein kommerzieller Durchbruch gelang 1998 mit der Komödie „Out of sight“, die er mit George Clooney und Jennifer Lopez in den Hauptrollen besetzen konnte. Seitdem realisierte er sowohl von der Kritik gefeierte, anspruchsvolle Kinokost wie das Rachedrama „The Limey“ (1999) oder den Science-Fiction-Film „Solaris“ (2004), Soderberghs Verfilmung des berühmten Romans von Stanislaw Lem. Aber auch im Bereich der massentauglichen Blockbuster-Unterhaltung bewies Soderbergh seine Fähigkeiten: sein Film „Ocean’s Eleven“ zählt zu den gelungensten Krimi-Komödien des vergangenen Jahrzehnts und war einer größten Kinohits des Jahres 2001.

Mit seinem neuesten Film „Haywire“ versucht sich der Oscar-Preisträger (für „Traffic – die Macht des Kartells“, 2000) nun im Action-Fach. Für die Hauptrolle gewann Soderbergh die Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Gina Carano. Carano ist filmisch bislang kaum in Erscheinung zu getreten, in „Haywire“ spielt sie ihre erste Hauptrolle. Soderbergh engagierte die professionelle Kämpferin um mit ihr spektakuläre Kampfszenen zu realisieren, deren Dynamik nicht wie bei den „Bourne“-Filmen oder „Mission: Impossible“ erst nachträglich am Schneidetisch entsteht. Beeindruckend ist zudem die Riege der männlichen Nebendarsteller, die in „Haywire“ auftreten: Neben den derzeit angesagten Michael Fassbender und Channing Tatum, geben sich die auch die Hollywood-Veteranen Ewan McGregor, Antonio Banderas und Michael Douglas die Ehre. Sowohl Gina Carano als auch ihre prominenten Nebenakteure machen ihre Sache in „Haywire“ durchaus gut, können den Film aufgrund seiner behäbigen Inszenierung letztlich aber nicht vor dem Mittelmaß bewahren.

Die attraktive Mallory Kane (Gina Carano) hat keinen gewöhnlichen Beruf: Als Geheimagentin leitet sie gefährliche Einsätze auf der ganzen Welt für Regierungen, die bereit sind, den dafür nötigen Preis zu zahlen. Doch was, wenn eine Mission plötzlich ungeahnt aus dem Ruder gerät? Verraten von ihren eigenen Auftraggebern, wird Mallory plötzlich selbst zur Gejagten und muss im Fadenkreuz einer international gegen sie laufenden Fahndung um ihr Leben kämpfen. Nun kennt sie nur noch ein Ziel: Rache an all jenen zu üben, die sie eiskalt verraten und hintergangen haben.


Schnell wird klar, wen und was Regisseur Soderbergh ins Zentrum seines Filmes stellt: Hauptdarstellerin Gina Carano und ihre ebenso brutalen wie virtuosen Kämpfe. Zwar ist die texanische Kampfkünstlerin mit ihren 1,73 Metern nicht gerade klein geraten, aber wenn sie sich gegen ihre doppelt so schwer und groß geratenen Gegner zu Wehr setzt, dann werden Wucht und Schmerz des Kampfes für den Zuschauer fast körperlich spürbar. Die Kampfszenen setzt Soderbergh ruhig und ohne Hektik in Szene, sie sind ohne Frage das Highlight des Films. Jedoch geht Soderbergh hier fast auch ein wenig zu behäbig ans Werk, da man im modernen Action-Kino des Jahres 2012 schnelle und hastige Schnitte gewohnt ist. Darauf verzichtet Soderbergh jedoch völlig. Was sich im Hinblick auf die großartig choreographierten Kampfsequenzen noch als Segen erweist (so gehen keine „Aktionen“ in der Eile und Hektik des Kampfes verloren), ist für den weiteren Verlauf des Films eher Fluch: „Haywire“ ist insgesamt zu zurückhaltend und kühl inszeniert, an zu vielen Stellen hätte man sich eine schnellere, mutigere und waghalsigere Inszenierung, gerne auch mit wackliger Handkamera, gewünscht.
Dazu kommt, dass Gina Carano und ihre Kämpfe einen derart großen Raum einnehmen und fast ununterbrochen im Mittelpunkt stehen, dass kein Platz für ebenbürtige Gegner bleibt. Und so verkommen bekannte Namen wie Ewan McGregor und Michael Fassbender lediglich zu Randfiguren und Statisten, die Soderbergh in „Haywire“ leider ausnahmslos verheizt. Einzig Michael Douglas bekommt die Chance, mehr als nur eine bedeutungslose Nebenrolle zu spielen. Mit seiner immer noch vorhandenen enormen Leinwand-Präsenz setzt er – als einziger der vielen Nebendarsteller – wesentliche Akzente. Ein Pluspunkt ist die mit knapp 90 Minuten recht knapp gehaltene Laufzeit, die den Film – trotz der erwähnten Schwächen –
letztlich aber auch ohne unnötige Längen daherkommen lässt.

„Haywire“ überzeugt mit einer großartig aufgelegten Hauptdarstellerin und virtuosen Kampfszenen. Die für einen Actionfilm zu behäbig und ruhig geratene Inszenierung sowie die „Verschwendung“ der hochkarätigen Nebendarsteller trüben jedoch den Gesamteindruck deutlich.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller

  • Channing Tatum
  • Ewan McGregor
  • Michael Fassbender
  • Michael Douglas
  • Antonio Banderas
  • Bill Paxton
  • Michael Angarano
  • Mathieu Kassovitz
  • Gina Carano
  • Eddie J. Fernandez
  • Tim Connolly
  • Anthony Wong

Regie:
Steven Soderbergh

Erscheinungsjahr:
2011


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