Halloween (2018) Kritik

Halloween (2018) Kritik

40 Jahre ist es her, dass Michael Myers Mordserie den beschaulichen Ort Haddonfield erschütterte. Myers (Nick Castle) sitzt seit dieser Zeit in der Psychiatrie und hat bisher kein einziges Wort gesprochen. Für Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), die dem Psychopathen einst entwischen konnte, ist der Horror seit vier Jahrzehnten präsent. Denn vor langer Zeit schon hat sie sich mit einer Vielzahl an Waffen in ihrem Haus verbarrikadiert und lebt zurückgezogen in der Einöde – immer in der Angst, Myers könnte eines Tages zurückkommen. Dies führte zum Bruch mit Tochter Karen (Judy Greer) und ebenso Lauries Enkelin Allyson (Andi Matichak) zweifelt immer wieder am Verstand der Oma. Eines Tages jedoch wird Lauries Alptraum Wirklichkeit und alle Zweifler erkennen, dass sie recht hatte. Bei einem Transport in ein Hochsicherheitsgefängnis, gelingt dem kaltblütigen Mörder, der einst sogar seine eigene Schwester tötete, die Flucht. In Haddonfield kommt es kurz darauf zum Kampf zwischen ihm und Laurie – wie damals, an Halloween 1978.

Vor 40 Jahren schuf Regie-Legende John Carpenter („Die Klapperschlange“, „The Fog“) mit „Halloween“ einen der größten Klassiker der Horrorfilm-Geschichte – und begründete zugleich das Horror-Subgenre des Slasherfilms. Unzählige Horror-Reihen, in denen ein psychopathischer Killer (vor allem unter Teenagern) Angst und Schrecken verbreitet, entstanden in den darauffolgenden Jahrzehnten. Darunter „Freitag, der 13.“, „Nightmare on Elm Street“ oder auch „Scream“. Der Regisseur des neuen „Halloween“-Films, David Gordon Green, wurde 2008 mit der Komödie „Ananas Express“ bekannt. Ebenfalls zehn Jahre liegt der letzte größere Leinwandauftritt von Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis zurück. Abgesehen vom Drama „Spare Parts“ war Curtis seit 2008 ausschließlich in Serien wie „New Girl“ oder „Navy CIS“ zu sehen.


Regisseur Green hat sich dazu entschieden, alle Fortsetzungen des 78er-Originals konsequent zu ignorieren und selbst dem Reboot von Rob Zombie (ab 2007) keinerlei Beachtung zu schenken. Alle kruden Weiterentwicklungen der Geschichte und abstrusen Handlungsverläufe der Vergangenheit sind somit Geschichte und Green tut gut daran, sein Werk inhaltlich vier Jahrzehnte nach den ersten bestialischen Haddonfield-Morden anzusetzen. Denn ein großer Reiz ergibt sich aus der Frage, was aus den Handelnden von damals geworden ist? Auch rein optisch. Wie sehen Michael und Laurie nach 40 Jahren aus? Was haben die Ereignisse von damals mit ihnen gemacht? Ganz zu schweigen vom Aspekt möglicherweise veränderter Charakter- und Wesenszüge.

Diesbezüglich hat sich Michael Myers jedoch kein bisschen verändert, obwohl sich – wie im Film erwähnt wird – im Laufe der Jahre 50 Psychologen an ihm abgearbeitet haben. Ein Pluspunkt von „Halloween“ ist die schauerliche Atmosphäre der unmittelbaren Bedrohung für Leib und Leben, die von Myers ausgeht – auch ohne seine ikonische Maske. Dies zeigt sich bereits in den ersten Minuten, wenn Myers von zwei jungen Reportern in der Nervenheilanstalt besucht wird. Dort wollen sie für ihren neuen Podcast mehr über den wortlosen, undurchschaubaren Schwerverbrecher erfahren. Atemlose Spannung stellt sich ein, wenn die Beiden dem Massenmörder im Gefängnishof gegenüberstehen. Baut sich im Hintergrund dann allmählich das weltberühmte „Halloween“-Thema auf, ist Gänsehaut garantiert. Jene Minuten gehören zu den dringlichsten, beklemmendsten im ganzen Film. Leider kann „Halloween“ dieses Spannungs-Niveau im weiteren Verlauf nicht halten.

Denn selbst wenn Green die Morde durchaus brutal und blutig in Szene setzt, verläuft dramaturgisch und inhaltlich meist alles nach (Slasher-)Schema-F. Und dazu gehören freilich wieder jene generischen Handlungsverläufe, absehbaren Wendungen und unglaubwürdigen Zufälle, die man aus nahezu allen Filmen dieser Gattung kennt. Warum muss der Gefangenentransport ausgerechnet zu Halloween stattfinden? Wieso begeben sich Teenager in dunkle Gassen, obwohl sie wissen, dass der Mörder im Ort umherstreift? Wieso kehrt ein Bewohner nochmal ins Haus zurück, obwohl dort kurz zuvor ein anderer abgeschlachtet wurde? Im Mittelteil des Films mordet sich Myers demnach auf eine Art und Weise durch Haddonfield, wie man es bereits im Original ganz ähnlich gesehen hat: Myers dringt in Dutzende Häuser ein, „stört“ Paare beim Date, läuft monoton durch die Straßen und begibt sich irgendwann unter die verkleidete Menschenmenge (weshalb er mit seiner Maske zu Beginn auch nicht auffällt).

Zwei Dinge jedoch verhelfen „Halloween“ vor dem Versinken in der Bedeutungslosigkeit. Einige nostalgische Verweise auf Carpenters Klassiker etwa sind wunderbar.
Einmal verneigt sich Green zum Beispiel vor der bekannten „Blick vom Balkon“-Szene. Und zum anderen zeigt Jamie Lee Curtis eine Glanzleistung als kampferprobte und spleenige Gegenspielerin von Myers. Zudem hat ihre Figur eine entscheidende Wandlung erfahren: Aus der einst ängstlichen, schmächtigen Scream-Queen ist eine resolute, mutige (Anti-) Heldin geworden, die Myers ebenbürtig ist. Ganz am Ende, beim finalen Duell, entwickelt „Halloween“ dann noch ganz unerwartet eine Radikalität und Schonungslosigkeit, wie man sie sich vom ganzen Film gewünscht hätte.

Fazit: Trotz einer knallharten weiblichen Hauptfigur, einiger augenzwinkernder Referenzen und eines starken Finales, kann „Halloween“ vor allem im Mittelteil keine eigenen Akzente setzen und bleibt über weite Strecken hinter den Erwartungen zurück.

Bewertung: 5/10
Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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