Gutland Kritik

Gutland Kritik

Jens Fauser (Frederck Lau) kommt in ein kleines, malerisches Dorf in Luxemburg, um dort Arbeit als Erntehelfer zu finden. Dabei ist der Start für den jungen Mann alles andere als einfach, erweisen sich die wortkargen Dorfbewohner Fremden gegenüber doch als arg misstrauisch. Das ändert sich erst, als Jens mit der Tochter des Bürgermeisters, der hübschen Lucy (Vicky Krieps), anbandelt. Langsam öffnen sich die verschlossenen Bewohner und helfen Jens bei der Integration in die verschworene Gemeinschaft. Jens erhält in der Folge eine Anstellung als Landarbeiter und sogar einen Wohnwagen, in dem er Ruhe und Privatsphäre findet. Doch mit der Zeit wird klar, dass die Bewohner nicht ganz ehrlich und offen zu dem Neuankömmling sind. Und auch Jens hütet ein Geheimnis.

„Gutland“ ist das Regiedebüt des luxemburgischen Regisseurs Govinda van Maele. Für drei Millionen Dollar inszenierte er seinen Erstling im Spätsommer und Herbst 2016 u.a. an Originalschauplätzen in Luxemburg. Das titelgebende „Gutland“ existiert tatsächlich. Es bezeichnet eine landschaftliche Region, die sich durch weite Teile des kleinen Großherzogtums Luxemburg zieht. Für Hauptdarsteller Frederick Lau ist „Gutland“ der bereits dritte Kinofilm in diesem Jahr. Zuvor war er in der Biografie „Der Hauptmann“ sowie dem Drama „Simpel“ zu sehen. Seine Weltpremiere erlebte „Gutland“ auf dem Toronto International Film Festival 2017.


Es ist ein doppelbödiges Spiel um Schein und Sein, das Debüt-Regisseur van Maele hier mit seinem Publikum treibt. Klar, die Geschichte eines geheimnisvollen Fremden, der auf eine verschwiegene und reservierte Dorfgemeinschaft trifft, ist nicht neu und besonders originell (siehe u.a. „Das finstere Tal“). Doch van Maele kreiert von Beginn an eine bedrohliche Stimmung, die durchweg in ihren Bann zieht. Besonderen Anteil daran haben u.a. die gelungenen Schauspieler-Darbietungen. Frederick Lau ist als undurchsichtiger, harter Hund, der Dreck am Stecken hat, eine Idealbesetzung. Ungepflegt, roh und martialisch wirkt er mit seiner leicht deformierten Nase, der Narbe und den ungepflegten langen Haaren.

Ihm in nichts nach stehen die Nebendarsteller, die ihre Rollen – größtenteils bäuerliche, derb-rustikale Charaktere – glaubhaft und mit großer Dringlichkeit verkörpern. Und: deren abweisende, äußerst unfreundliche Art zu Beginn, extremes Unbehagen erzeugt. Bei Jens und auch beim Zuschauer. Des Weiteren speist sich jene schauerliche Atmosphäre aus den toll fotografierten, einnehmenden Landschaften, die oftmals in der Dämmerung zu sehen sind. Und so auf der großen Leinwand gerade im Halbdunkel eine unheilvolle Wirkung entfalten. Und letztlich sorgt freilich auch die Abgeschiedenheit des Dorfes, das in einem weitläufigen Tal liegt, an sich schon für Bedrückung und Gänsehaut.

Jens und die Bewohner des Dorfes – sie beide täuschen falsche Tatsachen vor und sie beide versuchen die  bzw. den jeweils anderen für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Soviel ist spätestens nach dem ersten Drittel offensichtlich. Der Unterschied ist, dass sich Jens‘ Geheimnis wesentlich schneller offenbart bzw. van Meale mit diesem leider wenig subtil umgeht. Spätestens als sich Polizeibeamte in dem Dorf nach Fremden erkundigen, die nach einem Casinoraub möglicherweise über die Grenze geflohen sind ist klar, dass Jens zu diesen „Fremden“ gehört. Van Maele hätte die Spannung um Jens‘ wahre Identität länger aufrecht erhalten können, in dem er diese Szene z.B. etwas später in den Film eingebaut hätte.

Wesentlich sorgsamer geht er mit dem um, was sich hinter der idyllischen Dorffassade verbirgt. Lange Zeit rätselt man auch als Zuschauer, was denn nun eigentlich das große Geheimnis der Einwohner ist. Langsam, ganz langsam setzen sich die einzelnen Teile zu einem möglichen Gesamtbild zusammen. Doch  bis es soweit ist, füttert van Maele die Zuschauer mit immer neuen Hinweisen, schockierenden Enthüllungen und unerwarteten Entdeckungen durch Jens.

Da findet dieser u.a. heraus, dass vor einiger Zeit ein Bewohner namens Georges unter merkwürdigen Umständen aus dem Dorf verschwunden ist. Da entdeckt er zufällig eine Reihe von pornografischen Bildern, auf denen jedoch die Köpfe fehlen. Und dann ist da z.B. auch noch das ominöse Verhalten von Lucy, die ganz offensichtlich falsch spielt und zudem Nacht für Nacht ein abseits gelegenes Haus aufsucht. Wie passt all das zusammen und was ist des Rätsels Lösung? Dies will man als Zuschauer unbedingt wissen, weshalb man dem enigmatischen Treiben bis zum (etwas gehetzten) Finale gebannt folgt.

Fazit: Rätselhafter, fesselnder Trip in menschliche Abgründe, durchdrungen von unheilvoller Atmosphäre und eingebettet in ein unheimliches Setting. 

Bewertung 8/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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