Gullivers Reisen - Da kommt was Großes auf uns zu FilmkritikEs gibt nur wenige Schauspieler, die in jeder Rolle glaubwürdig sind. Jack Black ist einer von ihnen. Ob als egomanischer Regisseur in Peter Jacksons Affentheater „King Kong“, verliebter Schussel in „Schwer verliebt“, Rocker in „School Of Rock“ oder grenz-psychopathischer Schulhof-Rowdy im dritten Aufguss der „Unendlichen Geschichte“: Black interpretiert seine Rollen auf glaubwürdige Weise, wobei ihm natürlich sein mediokres Äußeres zusätzliche Sympathiepunkte beim durchschnittlichen Filmzuschauer einbringt.

Die x-te Verfilmung des Literaturklassikers „Gullivers Reisen“ von Jonathan Swift sollte dem Kalifornier auf den massigen Leib geschnitten sein. Doch vermag „Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu“ wirklich zu überzeugen oder kam da viel eher etwas sehr Kleines auf uns zu?

Die Liebe ist ein seltsames Spiel!
Für Gulliver (Jack Black) hält das Leben nicht allzu viele Herausforderungen bereit. Wenn er nicht gerade Luftgitarre spielt und tagträumt, arbeitet er in der Poststelle eines großen Reiseverlags. Heimlich ist er in die hübsche Redakteurin Darcy (Amanda Peet, „2012“) verliebt, bringt es aber nicht über sich, ihr seine Gefühle zu gestehen. Kein Wunder, dass ihn die langweilige Arbeit zusätzlich zermürbt. Völlig unerträglich wird die Situation, als ihm ein Laufbursche zugeteilt wird, der bereits am nächsten Tag befördert wird und somit Gullivers neuer Boss ist.

Nun reicht es dem gutmütigen Wonneproppen endgültig! Aufgepuscht von den motivierenden Worten seines neuen Vorgesetzten marschiert er ins Büro von Darcy, um ihr seine Liebe zu gestehen. Aber dann verlässt ihn sein neugewonnener Mut gleich wieder und stattdessen bietet er ihr an, Reiseberichte zu erstellen, da er angeblich welterfahrener Reisender sei. Natürlich eine glatte Lüge, die er aber dadurch kaschiert, indem er Webartikel als seine eigenen ausgibt. Darcy ist von seinen vorgeblichen Schreibkünsten beeindruckt und erteilt ihm prompt einen heiklen Auftrag: Gulliver soll einen Reisebericht über das Bermudadreieck anfertigen. Der perplexe Junggeselle nimmt an und findet sich kurze später auf einem Boot wieder, obwohl er noch nie eines gesteuert hat.

Darcy Silverman (Amanda Peet) und Lemuel Gulliver (Jack Black)© 2010 Twentieth Century Fox

Es kommt, wie es kommen muss: Gulliver gerät in einen schweren Sturm, wird aber an einen Strand angespült, wo er nicht schlecht staunt: Winzige Menschen nehmen den „Riesen“ gefangen und erklären ihm, dass er sich in Liliput befinde und Gefangener des Königs (Emmanuel Quatra) sei! Dank seiner Hilfsbereitschaft avanciert er aber rasch zum Liebling der Massen – sehr zum Missfallen des eingebildeten Generals Edward (Chris O’Dowd, „The IT Crowd“). Um den verhassten Riesen loszuwerden, paktiert er schließlich mit Liliputs Feinden und ersinnt einen dunklen Racheplan …

Überlebensgroßer Jack Black
Mit Giganten inmitten normalwüchsiger Menschen kennt sich Regisseur Rob Letterman spätestens seit seinem Animationshit „Monsters vs. Aliens“ bestens aus. Tatsächlich bietet sich Komiker-Ass Jack Black quasi als Idealbesetzung für die Rolle des etwas tollpatschigen, aber liebenswerten Taugenichts an, der eines Tages die wahre Größe des Seins erkennt. Denn – dies darf verraten werden – die Botschaft des Films lautet: Es kommt nicht auf die Größe an! Folglich kalauert sich Black als unfreiwilliger Liliput-Besucher Gulliver durch eine harmlose, kindergerechte Handlung.

Lemuel Gulliver (Jack Black) © 2010 Twentieth Century Fox

„Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu“ möchte letzten Endes belanglose Unterhaltung für die ganze Familie sein, was nicht prinzipiell gegen den Film spricht. Leider versucht der Streifen auf sämtlichen Hochzeiten zu tanzen und setzt sich damit zwischen alle Stühle. Für einen reinen Kinderfilm ist er bisweilen zu ordinär, als Fantasy-Film bietet er kaum originelle Einfälle und Erwachsene dürften des Öfteren nur mühsam ein Gähnen unterdrücken. Eigentlich unverständlich, wie wenig Letterman aus der großartigen Vorlage zu machen versteht. Anstatt einen frechen Abenteuerfilm mit bissigen Kommentaren auf soziale Missstände zu produzieren, entfernt das Drehbuch alles, was auch nur im Entferntesten zum Nachdenken anregen oder einem das Lachen im Hals steckenbleiben lassen könnte.

Die Witzeleien stehen meist in unmittelbarem Zusammenhang mit Jack Black Körperfülle, was auf Dauer denn doch ermüdet und höchstens die kleinsten Zuschauer erheitern dürfte. Nicht fehlen dürfen die mittlerweile obligatorischen popkulturellen Anspielungen. Da wiegen sich die Liliputaner im Takt zu modernen Klängen, sind über Theateraufführungen zu Filmen wie „Titanic“ oder „Star Wars“ begeistert und lernen die Vorzüge eines iPhones kennen. Auch in diesem Punkt siegt Quantität über Qualität. Oder anders ausgedrückt: Ein, zwei Scherzchen dieser Art wären in Ordnung. Aber die Masse an „Star Wars“-Referenzen und ähnlichem ist schlichtweg zu viel des meist leider nicht Guten.

Der Plot selbst räumt einer belanglosen Liebesgeschichte zwischen Prinzessin Mary (Emily Blunt, bekannt aus „Der Teufel Trägt Prada“) und dem braven Horatio (Jason Segel „Nie wieder Sex mit der Ex“) viel zu viel Raum ein, während kurioserweise Gullivers eigene Liebesprobleme in wenigen Dialogzeilen überhastet abgehandelt werden. Fast so, als wäre Letterman erst gegen Ende der Drehzeit dieser Nebenplot wieder eingefallen.

Was Großes? Eher was Kleines und Unbedeutendes
Die Special Effects sind größtenteils gelungen, was man von einer Produktion dieser Größenordnung auch erwarten darf. Einige Effekte wurden sogar mit viel Liebe zum Detail entwickelt, was das dürftige Drehbuch natürlich nicht vergessen lässt.

Lemuel Gulliver (Jack Black) © 2010 Twentieth Century Fox

Allzu ernst dürfte Regisseur Letterman aber seine eigene Produktion nicht genommen haben. Nach leidlich interessantem Einstieg geht dem Film bereits auf halber Strecke die Luft aus. Die „originelle“ Plotidee, einen „Iron Man“-Klon Gulliver verprügeln zu lassen, bringt das ganze Dilemma von „Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu“ auf den Punkt: Mit brachialer Gewalt wird zusammengekleistert, was gerade En Vogue ist – egal, ob es zur Handlung passt oder nicht.

Fazit: Schade um den sichtlich gut gelaunten Jack Black, der „Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu“ auch nicht davor retten kann, ein bestenfalls ansatzweise unterhaltsamer Streifen für schlichte Gemüter zu sein, der rasch wieder vergessen sein wird.


Darsteller

  • Jack Black … Gulliver
  • Jason Segel … Horatio
  • Emily Blunt … Prinzessin Mary
  • Amanda Peet … Darcy Silverman
  • Billy Connolly … König Theodore
  • Chris O’Dowd … General Edward
  • T.J. Miller … Dan
  • James Corden … Jinks
  • Catherine Tate … Königin Isabelle
  • Emmanuel Quatra … König Leopold
  • Olly Alexander … Prinz August
  • Richard Laing … Reisejournalist
  • David Sterne … Foreman
  • Stewart Scudamore … Kapitän der Flotte Blefuskus
  • Jonathan Aris … Wissenschaftler

Regie
Rob Letterman

Produktionsland, Jahr
USA, 2010

Gullivers Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu Trailer


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Anthon said

    Januar 31 2011 @ 19:37

    Jack Black soll in seinen Rollen immer glaubwürdig sein? – Nicht falsch verstehen, ich mag Jack Black, besonders seine Musik, aber als Schauspieler finde ich ihn grauenhaft! Er ist und bleibt immer die Person Jack Black und schafft es leider nicht in eine neue Rolle wahrhaftig hineinzuschlüpfen. Man sieht selten neue Facetten von ihm, sondern meist nur den “Tenacious D” Einheitsbrei.
    Wo er in Filmen wie “School of Rock” noch als echter Musiker seiner Rolle “Pfiff” geben konnte, war für mich spätestens nach “Nacho Libre” oder “Year One” klar, dass ich mir freiwillig keinen weiteren Streifen anschauen werde, wo mein positives Bild von Jack Black mit Füßen getreten wird.

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