Get out Kritik

Get Out Filmkritik

Chris (Daniel Kaluuya) ist seit vier Monaten mit Freundin Rose Armitage (Allison Williams) zusammen und immer noch verliebt wie am ersten Tag. Rose hat überhaupt kein Problem mit der Tatsache, dass Chris Afroamerikaner ist. Das merkt man auch daran, dass sie ihren Eltern nichts von seiner Hautfarbe erzählt hat. Es ist ihr schlicht egal. Dennoch ist sich Chris unsicher, was den baldigen Besuch bei Roses Eltern (Bradley Whitford, Catherine Keener) betrifft. Werden Sie geschockt sein, wenn ihre attraktive, gebildete Tochter mit einem farbigen Freund vor der Tür steht? Diese Angst scheint unbegründet, denn Dean und Missy bereiten den Beiden einen herzlichen Empfang. Doch schon bald beschleicht Chris tatsächlich ein ungutes Gefühl, als er die zwei afroamerikanischen Hausangestellten bemerkt, die für die Armitages arbeiten. Als Chris‘ bester Freund dann auch noch herausfindet, dass in der Gegend häufiger Farbige verschwinden, wird Chris unruhig. Und für den nächsten Tag haben sich auch noch Freunde der Eltern angekündigt, um ein besonderes „Fest“ zu feiern.

„Get out“ wurde vom Afroamerikaner Jordan Peele inszeniert, der bisher vor allem als Comedian für Aufmerksamkeit sorgte und mit „Get out“ sein Regiedebüt vorlegt. Umso beachtlicher ist das, was ihm mit seinem Erstling gelang. Peele ist der erste afroamerikanische Regisseur, der schon mit seinem ersten Film mehr als 100 Millionen Dollar an den US-Kinokassen einspielen konnte. Insgesamt spielte der Film weltweit bisher fast 180 Millionen Dollar ein. Bei einem Produktionsbudget von gerade einmal viereinhalb Millionen Dollar. Zudem schrieb Peele am Drehbuch mit. Die Dreharbeiten für „Get out“ fanden ab Februar 2016 an verschiedenen Orten im US-Bundesstaat Alabama statt. Laut eigener Aussage, versteht Peele seinen Film auch als Hommage an den Horror-Klassiker „Die Frauen von Stepford“.


„Get out“ baut seine unheilvolle Bedrohung und Spannung langsam und gemächlich auf. Sehr gemächlich. Zwar wundert sich Chris bereits vor dem Betreten des Hauses der Armitages über den afroamerikanischen Gärtner, aber dennoch wird es ab diesem Zeitpunkt noch fast 80 Minuten dauern, bis das erste Blut fließt. Vor allem das ist es, was „Get out“ von vielen anderen Horrorfilmen unterscheidet. Es ist ein psychologischer, ein unterschwelliger und subtiler Horror, der die Szenerie beherrscht und sich allmählich Bahn bricht. Für eine beständige Stimmung der Bedrohung sorgen unzählige Anspielungen, Verweise und dutzende ambivalente Momente, die nicht zu dem passen wollen, was Roses Eltern in den ersten Stunden nach der Ankunft des Paares, äußerten.

Genau dieser Aspekt der Ambivalenz ebenso wie jene dauerhafte, bedrohliche Grundstimmung (ohne das bereits irgendetwas schlimmes passiert wäre), sind wohl die größten Pluspunkte dieses satirischen Horrorfilms. Denn auch das ist „Get out“: eine bitterböse, mit deftigem Wortwitz gespickte und (im wahrsten Sinne) „rabenschwarze“ Satire auf den US-Kleinstadt-Rassismus und rassistisch motivierte Vorurteile gegenüber Afroamerikanern. Es darf bei „Get out“ daher immer wieder auch herzlich gelacht werden, allerdings bleibt einem dieses Lachen meist kurz darauf im Halse stecken. Das ist in erster Linie bei der großen Party am Tag nach der Ankunft von Rose und Chris, der Fall.

Denn nahezu allen anwesenden Gästen (gut betuchte, meist übergewichtige, weiße Amerikaner der Oberschicht) steht der Hass auf Farbige mehr als offensichtlich ins Gesicht geschrieben. Wenn nicht, dann äußern sie diesen in Form versteckter Botschaften gegenüber Chris oder aber er manifestiert sich spätestens in einer der beklemmendsten Szenen des Films: während sich Chris mit einem der Gäste an einem abgeschiedenen Ort des weitläufigen Geländes unterhält, schwören sich die Gäste sektenähnlich auf ihr nächstes Opfer ein: auf Chris, von dem sich die Rassisten ein großes Porträtfoto besorgt haben. Um den verhassten Feind während der Zeremonie bzw. Opfergabe, stets groß vor Augen zu haben.

Blutig wird es im Film wie erwähnt erst nach rund 90 Minuten. Dann dafür aber umso heftiger. Das Finale verschafft dem Zuschauer dabei aber nicht nur Genugtuung sondern auch reichlich Spannung. Denn in einer der letzten Sequenzen von „Get out“, spielt Regisseur Peele zum Schluss auch nochmals mit den Erwartungen des Publikums. Peele sagte in einem Interview, dass er den Film zunächst anders zu einem Ende kommen lassen wollte. Zum Glück tat er es nicht und zum Glück besetzte er den weitgehend unbekannten, 28-jährigen Daniel Kaluuya in der Hauptrolle. Wie Kaluuya mit seiner zurückgenommenen Darbietung und trotz seiner immensen (körperlichen) Präsenz, einzig durch sein nachdrückliches, facettenreiches Gestik- und Mimikspiel zu fesseln vermag, ist beachtlich. Besonders deutlich wird dies in der „Hypnose“-Szene, die letztlich der Ursprung allen Übels ist.

Fazit: Bitterböse, satirische Abrechnung mit dem alltäglichen Rassismus in US-Vororten und -Kleinstädten, die hier in Form eines ebenso ungewöhnlichen wie spannenden Horrorfilms daherkommt und durch ihren subtilen Grusel vollends überzeugt.
Bewertung 5/5

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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