Friedhof der Kuscheltiere Kritik

Louis Creed (Jason Clarke) und seine Frau Rachel (Amy Seimetz) ziehen mit den Kindern Ellie (Jeté Laurence) und Gage (Hugo und Lucas Lavoie) von Boston in das verschlafene, friedliche Nest Ludlow. Direkt vor dem Haus verläuft jedoch eine vielbefahrene Schnellstraße und hinter dem Anwesen liegt ein alter Friedhof für tote Haustiere. Nicht dort sondern auf einem etwas abgelegenen Indianerfriedhof beerdigt Louis eines Tages die Hauskatze Church, nachdem sie von einem LKW totgefahren wurde. Ohne das Wissen von Ellie, die verrückt nach Church war, dafür aber unter Mithilfe des kauzigen Nachbarn Jud Crandall (John Lithgow). Dieser kennt alle Legenden und Mythen, die sich um den geheimnisvollen Ort ranken. Ein Ort, der alles Tote lebendig und wesensverändert zurückkehren lässt.

Genau 30 Jahre nach der ersten Verfilmung der berühmten Romanvorlage von Stephen King, bringen die Filmemacher Kevin Kölsch und Dennis Widmyer ihr lange angekündigtes Remake in die Kinos. Für ein Budget von rund 20 Millionen Dollar drehten die Beiden den Film im Sommer 2018 in den Regionen um Quebec und Montreal. Das Original von 1989, in dem Stephen King einen Gastauftritt hatte, gilt mit einem Einspielergebnis von knapp 60 Millionen US-Dollar bis heute als eine der erfolgreichsten King-Adaptionen.


Kölsch und Widmyer begehen zum Glück nicht den Fehler, das Original einfach nur ideenlos und ohne neue Elemente zu kopieren. Dies sorgte nämlich schon vor fünf Jahren bei der Neuverfilmung von Brian DePalmas „Carrie“ (der bis heute besten King-Verfilmung) berechtigterweise für enttäuschte Erwartungen. Kölsch und Widmyer hingegen passen den Film gänzlich den Sehgewohnheiten (jüngerer) Horror-Fans an und scheuen auch nicht vor radikalen inhaltlichen Abweichungen zurück, die der entstaubten Neuinterpretation sichtlich gut bekommen.

Das beginnt bereits bei den unheilvollen, großartigen Rückblenden in Rachels Jugend, setzt sich im Mittelteil beim Kernereignis des Films fort und findet seinen Höhepunkt im abgeänderten, überraschenden Finale. Auch optisch kann der Horrorfilm überzeugen, da Kölsch und Widmyer ungemein stimmungsvolle Drehorte und Schauplätze für ihr Werk ausfindig machen konnten. Das Haus der Creeds etwa ist eingebettet in einen tiefen, bedrohlich wirkenden Wald, der viel zur düsteren Grundstimmung beiträgt. Dasselbe gilt für die Friedhöfe. All dies fand das Filmteam im beschaulichen Saint-Lazare, einem 20 000-Einwohner-Ort im kanadischen Quebec.

„Friedhof der Kuscheltiere“ beinhaltet darüber hinaus eine ganze Reihe an unerwarteten Schreck- und Schockmomenten, wobei die Macher etwas übertrieben stark auf ihr teils markerschütterndes Sounddesign setzen. Gerade in den Szenen, in denen die Autos und LKWs am Haus der Creeds vorbeibrettern, versetzt einen die Lautstärke der Motoren und des Straßenlärms mitunter in Schockstarre – unter anderem bereits kurz nach der Ankunft im neuen Zuhause. Nur nutzen Kölsch und Widmeyer dieses Stilmittel etwas zu inflationär. Dasselbe gilt für die Visionen, die Rachel und Louis immer wieder heimsuchen und als dunkle Vorboten des drohenden Unheils zu verstehen sind.

Fazit: Der übertriebene Einsatz der durchdringenden Sounds, verdichteten Toneffekte und Visionen schmälert nicht den letztlich positiven Gesamteindruck: Denn die atmosphärischen Handlungsorte, die gelungenen „Jump-Scares“ sowie einige mutige Entscheidungen der Regisseure, machen „Friedhof der Kuscheltiere“ zur stärksten King-Verfilmung seit „Der Nebel“ (2007).

Bewertung: 7 von 10 Sternen

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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