Freies Land Kritik

Spätherbst 1992: Die Kommissare Markus Bach (Felix Kramer) und Patrick Stein (Trystan Pütter) werden mit einem Fall betraut, der es in sich hat. In einem kleinen, abseits gelegenen Ort im Niemandsland Mecklenburg-Vorpommerns sollen sie nach zwei verschollenen Teeangerinnen suchen. In dem verschlafenen Provinznest herrscht Tristesse: Seit der Wende geht es für die Region abwärts und die Menschen sind verbittert. Entsprechend wortkarg zeigen sich die Einwohner, als Bach und Stein mit ihren komplizierten Untersuchungen und Nachfragen beginnen. Wenn sie mal eine Antwort erhalten, steht für die Bewohner fest: Die beiden jungen Frauen sind wahrscheinlich in den Westen geflohen, um ein besseres Leben zu haben – wie so viele vor ihnen. Als jedoch zwei verstümmelte Leichen gefunden werden ist klar: Bach, Stein und die gesamte Gegend haben es mit einem brutalen Killer zu tun.

Nachdem er im vergangenen Jahr mit der VoD-Dramaserie „Dogs of Berlin“ für Furore sorgte, kommt der aus dem hessischen Jugenheim stammende Regisseur Christian Alvart nun auf die große Leinwand zurück. Für Alvart ist es der erste Film seit der Produktion „Abgeschnitten“ von 2018. Bekannt wurde er mit seinem Psycho-Thriller „Antikörper“ im Jahr 2005, danach folgten Auftragsarbeiten aus den USA (u.a. „Fall 39“) sowie insgesamt sieben Tatort-Krimis, die er inszenierte.

Christian Alvart legt mit „Freies Land“ ein freies Remake des düsteren spanischen Thrillers „Mörderland“ vor. Im diesem, 2014 erschienenen Film geht es um zwei junge Schwestern, die im traumatisierten Spanien der frühen 80er, nur wenige Jahre nach Ende des diktatorischen Franco-Regimes, verschwanden. Alvart orientiert sich dabei nicht nur inhaltlich (es geht im Kern um das Gefühl des Verlorenseins nach tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen)  sehr stark am Film seines Kollegen Alberto Rodriguez. Denn auch visuell und stilistisch erscheint „Freies Land“ wie der jüngere Bruder des meisterhaften Vorgängerfilms.

Alvart nimmt sich viel Zeit, um den Befindlichkeiten und unerfüllten Wünschen der Menschen vor Ort nach einer besseren Zukunft nachzuspüren. Er taucht somit tief in die Gefühlswelt der Bewohner einer von Tristesse und Verfall geprägten Region ein, in der die Wende-Euphorie längst Geschichte ist. Dies zeigt sich nicht zuletzt auf optischer Ebene. Die verwahrlosten, trostlosen Landstriche sowie langsam verfallenden Gebäude fängt Alvart in hochatmosphärischen, per Drohne gefilmten Luftaufnahmen ein. Der Frust der Anwohner über die Chancenlosigkeit und die desolaten Verhältnisse in ihrer Heimat zeigt sich in erster Linie durch abweisendes, zum Teil gleichfalls sehr aggressives Verhalten den beiden Kommissaren gegenüber.

Diese werden von Trystan Pütter und Felix Kramer mit enormer physischer Präsenz und großer Ausdruckskraft verkörpert. Sie spielen zwei völlig unterschiedliche Männer (der eine ein eher ruhiger, überlegt vorgehender Westdeutscher, der andere ein ruppiger, zu Gewalt neigender Ossi), die gemeinsam versuchen, die Mauer des Schweigens zu zerbrechen. Ihnen  bei diesem Versuch zuzusehen gestaltet sich für den Zuschauer von Beginn an als packend und äußerst spannend, da Alvart mit diebischer Freude und ganz bewusst immer wieder falsche Fährten legt.

Kritik: Mitreißendes, hinter die Fassade blickendes und schnörkellos inszeniertes Thriller-Drama über eine Serienmörder-Suche im nordostdeutschen Niemandsland der Post-Wende-Zeit.

Bewertung: 8/10


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