First Position Kritik

First-PositionDer „Youth America Grand Prix“ zählt zu den renommiertesten Ballett-Talentwettbewerben der Welt. Jedes Jahr treten 5000 Bewerber gegeneinander an, um an die begehrten Stipendien zu gelangen. Wer hier zu den Gewinnern zählt, kann sich berechtigte Hoffnung darauf machen, von Trainern oder Talentsuchern für die bekanntesten und erfolgreichsten Häuser der Welt entdeckt zu werden. Für die Teilnehmer ist Ballett nicht bloß der Plan B im Leben, die Tanzkarriere ist der einzige und einzig wahre Plan. Die jungen Talente verbindet vor allem drei Dinge: Jahrelange schweißtreibende Arbeit, eisenharte Disziplin und der unbändige Wille, bis ganz nach oben zu kommen. Doch am Ende kommen nur 100 Kandidaten ins Finale nach New York, 30 Glückliche werden es am Ende schließlich schaffen. Sechs dieser insgesamt 5000 Tänzer hat die Regisseurin Bess Kargman in ihrer spannenden Dokumentation „First Position“ auf dem steinigen Weg ins Wettbewerbs-Finale begleitet.

Mit „First Position“ gelingt Filmemacherin Kargman – selbst jahrelang als Tänzerin an der Bostoner „Ballett Scholl“ aktiv – eine der stärksten Tanz-Dokumentationen der letzten Jahre, die es problemlos mit Wenders grandiosem Film „Pina“, über die Tänzerin und Choreografin Pina Bausch, aufnehmen kann. Ebenso wie „Pina“ eine gefühlvolle Würdigung der großen Tänzerin war, kommt „First Position“ als zärtliche Hommage an den Traum von der großen Tanz-Karriere daher, den so viele junge Menschen träumen. Der Film zeigt große Gefühle und begeisternde Tanz-Einlagen, spart darüber hinaus aber auch ernste Momente und den tagtäglichen Kampf der Tänzer um Anerkennung und Bestleistung nicht aus. Neben der Begeisterung für das Thema vermittelt der Film also auch die damit verbundenen schmerzhaften Erfahrungen und Entbehrungen der jungen Tänzer.

Die erfolgreiche Tanz-Karriere auf den Bühnen dieser Welt beinhaltet nicht nur triumphale, gefeierte Tanz-Momente und Einlagen, sondern mindestens ebenso einen eisernen Willen, Disziplin und tägliches stundenlanges, schweißtreibendes Training. Genau diese zwei Aspekte, diese zwei Seiten, bringt „First Position“ zusammen. Im Blickfeld stehen die Qualen des Trainings und der Proben, die Verletzungen sowie die Ängste und Sorgen der Familienmitglieder ebenso wie das ständige Lampenfieber vor den Auftritten, das Zittern vor der harten Konkurrenz und die von den Eltern gebrachten, harten (finanziellen) Opfer. Somit verdeutlicht „First Position“, dass selbst die große Tanz-Karriere – trotz des Ruhmes und weltweiter Anerkennung – immer zwei Seiten hat.

Diesen Umstand dekliniert Kargman anhand der sechs jungen Menschen durch, die sie für ihren Film auf dem Weg ins Finale des „Youth America Grand Prix“ begleitete. Da wäre z.B. die 14-jährige, aus Sierra Leone stammende Michaela, die aufgrund ihrer Hautfarbe und Herkunft mit etlichen Vorurteilen zu kämpfen hat. Als Kleinkind wurde die Kriegswaise von einem amerikanischen Paar adoptiert, das Michaelas tänzerische Ambitionen früh förderte und unterstützte. Oder die 17 Jahre alte, aus reichem Hause stammende Rebecca, eine mit dem Spitznamen „Barbie“ ausgestattete blonde Tanzprinzessin, mit der es das Schicksal weitaus besser meinte als mit Michaela. Als geschickt erweist sich auch Kargmans Schachzug, auf eine erklärende Off-Stimme zu verzichten, was dem Film und seiner künstlerischen Wirkung enorm gut tut. Dadurch wird der Erzählfluss nicht gestört oder unterbrochen. Lediglich kurz eingeblendete Text-Schnipsel versorgen den Zuschauer mit den wichtigsten Informationen und das ist völlig ausreichend.

Fazit: Spannende, facettenreiche Dokumentation über den großen Traum von der Ballett-Karriere und welche Entbehrungen damit verbunden sind.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider


Regie:
Bess Kargman


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Klaus Hofmann said

    Juli 11 2013 @ 21:35

    Ich habe schon lange nicht mehr eine dermaßen gelungene / packende Doku gesehen. Unbedingt ansehen!!

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