Film Stars don’t die in Liverpool Kritik

Liverpool, 1978: in der englischen Großstadt verliebt sich der ambitionierte Jung-Schauspieler Peter Turner (Jamie Bell) in die fast 30 Jahre ältere ehemalige Hollywood-Diva Gloria Grahame. Grahame erlebte ihre erfolgreichste Zeit in den späten 40er- und frühen 50er-Jahren, für ihre Leistung im Drama „Stadt der Illusionen“ (1952) gewann sie einen Oscar. Nachdem anfänglich alles nach einem harmlosen Flirt zwischen dem Jungen aus der Arbeiterklasse und dem US-Superstar aussieht, entwickelt zwischen den beiden Künstlern allmählich eine ernstzunehmende Beziehung. Nach einer leidenschaftlichen gemeinsamen Zeit zerbricht diese jedoch irgendwann und Peter zieht zurück nach Liverpool. Bis eines Tages sein Telefon klingelt: er soll seine ehemalige große Liebe aus dem Krankenhaus abholen. Im Haus von Peters Eltern, die große Fans der Filme von Grahame sind, soll sich der Filmstar erholen. Was niemand ahnt: sie ist unheilbar an Krebs erkrankt.

„Film Stars don’t die in Liverpool“ beruht auf den Memoiren von Peter Turner, in dessen Elternhaus Gloria Grahame 1981 nach langer Krankheit starb. Turners Biographie erschien 1987 und machte die Beziehung, die mit kurzen Unterbrechungen von 1978 bis 1981 dauerte, öffentlich. Der Film wurde u.a. in London, Liverpool und New York City gedreht und von Paul McGuigan inszeniert. Der Brite wurde 2006 mit dem Thriller „Lucky Number Slevin“ bekannt, später inszenierte er einige Episoden der TV-Serie „Sherlock“. „Film Stars don’t die in Liverpool“ ist sein erstes Werk seit „Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ (2015).


„Film Stars don’t die in Liverpool“ ist das Paradebeispiel eines Ensemble-Films, der ganz auf die emotionalen Darbietungen und einnehmende Präsenz seiner Darsteller zugeschnitten ist. Was hätte der Film für ein Desaster werden können, wenn die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern nicht gepasst hätte. Doch zum Glück wirkt in den gemeinsamen Szenen zwischen Bell und Bening – die im wahren Leben tatsächlich fast 30 Jahre trennen – nichts gekünstelt oder aufgesetzt. Von der magischen ersten Begegnung in einem Hotel über die regelrecht rauschhaften Momente während der gemeinsamen Urlaubstrips bis hin zum tragischen Tod der Oscar-Gewinnerin: Bell und Bening vermitteln ihren Gefühls-Reigen jederzeit glaubhaft. Und: sie können sich voll und ganz aufeinander einlassen.

Dabei durchleben die Beiden über die Jahre das Auf und Ab einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung. Und dazu gehören auch negative Stimmungen und aufgewühlte Emotionen, die sich schon mal am Partner entladen. Wenn „Film Stars don’t die…“ den ehemaligen Hollywood-Superstar ungeschminkt, ob der ausbleibenden großen Filmrollen tief verzweifelt oder in einem zermürbenden Stimmungstief zeigt, dann wird die Schauspielerin aber auch greifbar. Es zeigt sich der Mensch hinter der scheinbar unantastbaren Leinwand-Ikone, der sich so zur Identifikation für den Zuschauer eignet. Annette Benig ist in der Lage, Grahame nicht zuletzt in jenen tragischen Augenblicken – wenn der Filmstar fragil, geschwächt und leidend erscheint – überzeugend zu verkörpern.

Besonders eindringlich geraten die Szenen, in denen Grahame die Verzweiflung über den verblassten Ruhm ins Gesicht geschrieben steht. Und sie sich (insgeheim) den großen Erfolg längst vergangener Zeiten zurückwünscht. Dies zeigt sich z.B. in Szenen, in denen sie vor dem Spiegel posiert, in frühere Kostüme schlüpft oder sich die eigenen alten Schwarz-Weiß-Schinken anschaut. Dann schleicht sich in den Film ebenso eine gewaltige Portion Schwermut ein sowie die schmerzhafte Erkenntnis, dass alles vergänglich ist. Und alles im Leben seine Zeit hat. An dieser Stelle fungiert der Film zudem als Hommage an die goldene Ära Hollywoods, an den Glanz der alten Traumfabrik. Dennoch verliert die Diva hier nie ihre Würde, Regisseur McGuigan inszeniert sie jederzeit als stilvolle, elegante und charismatische Künstlerin. Eine Künstlerin aber auch, die sich ihres nahenden Todes bewusst ist, daraus macht „Film Stars don’t…“ keinen Hehl.

Schade ist, dass McGuigan die Wechsel zwischen Vergangenheit (die Zeit der Liebesbeziehung) und filmischer Gegenwart (die Zeit der Erkrankung bzw. dem nahenden Tod) nicht immer stimmig und harmonisch gelingen. Hier und da wirken die Überblendungen in die andere Zeitebene ein wenig gehetzt und berauben den Film seiner ansonsten ausgewogenen, schwelgerischen Grundstimmung.

Fazit: Brillant gespieltes, schwermütiges Liebes-Drama und nostalgischer Abgesang auf das alte Hollywood, das lediglich an seinen unsauberen, gehetzten Sprüngen in den Zeit- und Handlungsebenen krankt.

Bewertung 7/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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