Enemy Kritik

Enemy FilmkritikDer Geschichtsprofessor Adam (Jake Gyllenhaal) führt ein höhepunktarmes, bedeutungsloses Leben, das außer täglichen Vorlesungen und langweiligem Sex mit Freundin Mary (Mélanie Laurent) nicht sonderlich viel bietet. Sein Leben erfährt eine plötzliche Wendung, als er eines Tages in einem Film eine bemerkenswerte Entdeckung macht: er sieht auf dem Bildschirm einen Schauspieler, der ihm bis aufs Haar gleicht. Die folgenden Tage kann er seinen Doppelgänger nicht vergessen, weshalb er sich entschließt, ihn aufzuspüren und herauszufinden, was hinter der ganzen Geschichte steckt. Immer häufiger beobachtet er den mysteriösen Doppelgänger und weiß bald eine ganze Menge über ihn: er heißt Anthony, spielt in Indie-Filmen mit und selbst seine Stimme klingt exakt wie die von Adam. Schließlich nimmt Adam Kontakt zu seinem Doppelgänger auf. Nachdem Anthony anfangs wenig erfreut reagiert, lässt er sich irgendwann doch auf ein Treffen mit dem Professor ein. Die Situation gerät langsam außer Kontrolle…

“Enemy” ist das englischsprachige Debüt von Regisseur Denis Villeneuve, das noch vor dem Film “Prisoners” entstand, mit dem Villeneuve im vergangen Jahr bei Publikum und Kritik für Aufsehen sorgte. Nach dem immensen Erfolg des Films, rissen sich die deutschen Verleiher förmlich um “Enemy”, der als Genre-Hybrid irgendwo zwischen David-Lynch-Surrealismus, Drama, Thriller und einem Hauch David Cronenberg (“Die Fliege“, “Dead Zone”, “Spider”) daherkommt und auf José Saramagos Bestseller-Roman “Der Doppelgänger” basiert. Wer bei Filmen auf klare Verhältnisse, Logik und klärende Antworten Wert legt, ist hier definitiv falsch. Ähnlich wie in Christopher Nolans vertracktem Meisterstück “Inception” ist hier nichts so wie es scheint und der Zuschauer muss sich am Ende eine eigene Erklärung herleiten.

Regisseur Villeneuve fährt allerlei dramaturgische und erzählerische Geschütze auf, um den Zuschauer nachhaltig zu verwirren. Nichts ist so, wie es den Anscheint hat in seinem mysteriösen Thriller-Drama, das den Kino-Surrealisten Lynch und Cronenberg (die unheilvollen Traumsequenzen!) sicher gut gefallen hätte. Wähnt man sich auf der richtigen Spur und ist sich sicher, dem Geheimnis der Geschichte auf der Schliche zu sein, lässt Villeneuve Hinweise und Andeutungen folgen, die auch gegenteilig gedeutet werden könnten. Als extrem gelungen erweisen sich die (alp)traumhaften, körnigen und in gelb-braunen Farbtönen gehaltenen Bilder, für die Kameramann Nicolas Bolduc extra spezielle Farbfilter verwendete.

Das große Highlight des vor Literatur- und Filmklassiker-Querverweisen nur so strotzenden Films ist jedoch Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal, der hier vermutlich seine größte Leistung seit “Brokeback Mountain” zeigt. Egal in welche Rolle Gyllenhaal gerade schlüpft – ob als unsicherer, bemitleidenswerter Adam oder als selbstbewusster, draufgängerischer Anthony, dem im Beruf nicht allzu viel zu gelingen scheint: Gyllenhaal ist in jeder Rolle voll in seinem Element und lotet meisterhaft die (Un)Tiefen der menschlichen Seele aus. Wer Gefallen an Filmen wie “Mulholland Drive” oder “Lost Highway” fand, sollte sich “Enemy” nicht entgehen lassen.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Rüdi Wolff said

    Juni 7 2014 @ 01:27

    Ein irritierender Anfang und ein noch irritiernderes Ende machen diesen Film, der sich an sich durch eine interessante Story auszeichnet, handwerklich gut verarbeitet und schauspielerisch mit Jake Gillenhaal hervorragend besetzt ist, leider zu einem Flop,

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