Eine offene Rechnung Kritik

Regisseur John Madden erlangte Bekanntheit durch seinen Überraschungshit des Filmjahres 1998, den historischen Liebesfilm „Shakespeare in Love“ mit Gwyneth Paltrow in der Hauptrolle. Der Film gewann sieben Oscars und entwickelte sich zu einem der größten kommerziellen Erfolge des ausgehenden Jahrzehnts. Madden ist kein Regisseur, der seine Filme schnell aus der Hüfte schießt. Seit „Shakespeare in Love” hat er sich immer viel Zeit zwischen seinen Filmen gelassen – teils bis zu vier Jahren. Keiner seiner Filme jedoch konnte seither („Killshot“, „Der Beweis“, „Corellis Mandoline“) auch nur ansatzweise an diesen großen Erfolg anknüpfen. Sein aktueller Film „Eine offene Rechnung“ sollte zumindest thematisch brisant genug sein, um wieder das Interesse von Filmfans wecken.

Madden holte sich für seinen neuesten Streich dabei eine ganze Reihe hochkarätiger Filmschaffender ins Boot. So zeichneten Matthew Vaughn und Jane Goldman für das Drehbuch verantwortlich, die vorher gemeinsam die Drehbücher für „Kick-Ass“ und „Der Sternwanderer“ verfasst hatten und damit Welterfolge landeten. Für diese Filme adaptierten Vaughn und Goldman Comic- und Belletristik-Vorlagen. Auch ihr jüngster Film hat ein Vorbild, handelt es sich bei „Eine offene Rechnung” schließlich um ein Remake des israelischen Films „Ha-Hov“ aus dem Jahr 2007. Dieser lief als „Der Preis der Vergeltung” auch bereits im deutschen Fernsehen. Gemeinsam mit Co-Autor Peter Straughan legte das Autoren-Gespann ein Skript vor, das die Erwartungen eines westlichen Publikums erfüllen, aber ebenso herausfordern soll. Daneben konnte Regisseur Madden mit Helen Mirren und Tom Wilkinson zwei der herausragenden Charakterdarsteller des britischen Kinos für seinen Film gewinnen.

Berlin 1965: Die jungen Mossad-Agenten David (Sam Worthington), Stefan (Marton Csokas) und Rachel (Jessica Chastain) sollen den ehemaligen KZ-Arzt Dieter Vogel (genial böse: Jesper Christensen) entführen, damit man diesem in Israel den Prozess machen kann.
Den drei Agenten gelingt es bald, Vogel aufzuspüren, der mittlerweile völlig unbehelligt als Frauenarzt arbeitet. Doch bei der Verhaftung geht einiges schief und die Situation gerät außer Kontrolle. Trotzdem beschließen David, Stefan und Rachel so zu tun, als wäre alles planmäßig verlaufen und berichten dies auch ihrem Vorgesetzten. 30 Jahre später: David (Ciaran Hinds), Stefan (Tom Wilkinson) und Rachel (Helen Mirren) sind mittlerweile im Rentenalter, lassen sich aufgrund der Ereignisse von damals aber immer noch als Helden feiern. Niemand ahnt, was damals wirklich passiert ist. Doch dann tauchen plötzlich Dokumente auf, die darauf verweisen, dass damals eben doch nicht alles nach Plan verlaufen ist. Die drei Agenten brechen zu einer letzten Mission auf…

Zunächst bleibt festzuhalten: „Eine offene Rechnung“ ist über weite Strecken ein Agentenfilm der alten Schule. Der Film versucht auf ganz klassische Art und Weise für Spannung und Atmosphäre zu sorgen. Dies gelingt Regisseur Madden auch erstaunlich gut, bis er sich mit seinen Zeitsprüngen und den verschiedenen Erzählebenen selbst ein Bein stellt: Bereits zu Beginn des Films präsentiert er dem Zuschauer eine Version der Vergangenheit, nur um kurz darauf dieselbe Geschichte noch einmal in epischer Breite zu erzählen. Das wirkt unnötig langatmig und redundant. Daher wird „Eine offene Rechnung“ schnell zum zähen Geduldsspiel. Dennoch: Der Film besticht durch seine nostalgische Note, die sich in den realistischen Sets und passenden Drehorten manifestiert. In ausführlichen Rückblenden auf die letzten Tage des Jahres 1965 werden die Schritte der drei Agenten nachgezeichnet sowie deren Probleme, Konflikte und emotionale Verwerfungen innerhalb des Teams thematisiert. Nach etwas mehr als der Hälfte des Films kommt es dann zu eben jenem Bruch, ab dem „Eine offene Rechnung“ schlicht ermüdend wird.

„Eine offene Rechnung“ ist ein solider Agenten-Thriller mit guter Besetzung und einer gelungenen ersten Filmhälfte. Im zweiten Teil kommt es dann zum inhaltlichen Bruch, der den Film schließlich allzu langatmig werden lässt und ihm der Spannung und Atmosphäre beraubt.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller:

  • Helen Mirren
  • Tom Wilkinson
  • Ciarán Hinds
  • Romi Aboulafia
  • Tomer Ben David
  • Ohev Ben David
  • Jonathan Uziel
  • Eli Zohar
  • Irén Bordán
  • Jessica Chastain
  • Marton Csokas
  • Sam Worthington

Erscheinungsjahr:
2010

Regie:
John Madden


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