Drag Me To Hell

drag me to hellDank „Spiderman“ katapultierte sich Sam Raimi zwar in die Riege der Regie-Stars, sorgte jedoch unter vielen seiner ehemaligen Fans für Unmut. Zu glatt, zu sehr auf Mainstream gebügelt erschienen ihnen die Superhelden-Verfilmungen rund um den von einer wilden Spinne Gebissenen. Mit der Horror-Groteske „Drag Me To Hell“ feiert er ein Comeback in jenem Genre, das ihn fast drei Jahrzehnte zuvor schlagartig berühmt, wie auch berüchtigt gemacht hatte.
Ob es ihm gelungen oder völlig missglückt ist, soll in der nachfolgenden, ganz und gar nicht höllischen Kritik ergründet werden.

Verflucht höllische Kreditvergabe
Christine Brown (Alison Lohman) führt ein eher unspektakuläres, tristes Leben: Ihrem Freund Clay (Justin Long) gelingt es nicht, sie seinen versnobten Eltern vorzustellen, im Rennen um den Posten des stellvertretenden Filialleiters scheint ihr schleimiger Kollege die Nase vorn zu haben und zu ihrer eigenen Mutter hat sie keinen Kontakt mehr.

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Copyright: © 2008 Universal Studios.

Zu allem Überfluss muss sie sich mit Mrs. Ganush (Lorna Raver) herumplagen, einer im wahrsten Sinne des Wortes alten Kundin, die den fälligen Kredit nicht begleichen kann und deshalb um Aufschub bittet. Nach Rücksprache mit ihrem Boss Mr. Jacks (David Paymer) trifft sie schweren Herzens die Entscheidung, den Aufschub nicht zu gewähren. Trotz flehentlicher Bitten der greisen Dame lässt sie sich nicht erweichen.

Ein schwerer Fehler, denn nach Dienstschluss wird sie von der wütenden Mrs Ganush angegriffen und kann ihre Attacken nur mit viel Mühe abwehren. Schlimmer noch: Sie wird mit einem Fluch belegt, der ihr den Dämon Lamia auf den Hals hetzt. Vom Wahrsager Rham Jas (Dileep Rao) erfährt sie das ganze Ausmaß des Horrors: Nur drei Tage trennen sie vom gewaltsamen Absturz in die Hölle …

Von wegen: „Die Hölle, das sind die anderen“!
1982 war es, da schrieb ein junger Mann eher zufällig Filmgeschichte: Mit einiger Verspätung gelangte „Tanz der Teufel“ in den Status eines Kultfilms, was sich bis heute nicht geändert hat. Die Geschichte rund um vier Jugendliche, die in einer Waldhütte unabsichtlich Dämonen erwecken und von diesen heimgesucht werden, konnte weder auf ein üppiges Budget, noch auf die Unterstützung durch ein Studio zurückgreifen. Dennoch wurde der mit nur wenigen tausend Dollar produzierte Streifen zu einem Erfolg, trotz dürftiger Spezialeffekte und eines extrem simplen Plots.

Dabei waren es weniger die Fontänen an Kunstblut, sondern vielmehr die schwarzhumorigen, originellen Einfälle und ungewöhnlichen Kameraperspektiven, die „Tanz der Teufel“ zu einem der populärsten Horrorfilme der jüngeren Filmgeschichte machten.
Neben den unvermeidlichen Fortsetzungen versuchte sich Raimi an Stoffen unterschiedlicher Genres, wie etwa dem Western „Schneller als die Toten“ oder dem Sportdrama „Aus Liebe zum Spiel“. Den kommerziellen Durchbruch erzielte er aber 2002 mit „Spiderman“.

„Drag Me To Hell“ kann durchaus als Versöhnungsgeste an jene Fans verstanden wissen, die mit dem arachnoiden Superhelden nichts anzufangen wissen. Dabei entdeckt Raimi die Kunst des Geschichtenerzählens für sich neu. Denn während die „Spiderman“-Streifen der Diktion vieler Comicverfilmungen folgen, muss er in seinem aktuellen Leinwandwerk einen gänzlich anderen Stil finden. Und dies gelingt ihm über weite Strecken erstaunlich gut!

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Copyright: © 2008 Universal Studios.

Nicht zuletzt liegt dies an Hauptdarstellerin Alison Lohman, die bislang keine großen Rollen verkörperte. Ihre Christine ist im Grunde ihres Herzens ein großzügiger, unsicherer Mensch, der sich nur nach Liebe und Anerkennung sehnt. Statt ihren schleimigen Kollegen knallhart auszubooten, frisst sie allen (berechtigten) Ärger in sich hinein. Im Laufe des Filmes mutiert sie zwar nicht zur „Superheldin“, entdeckt aber dunkle Seiten an sich, die bei vielen Zuschauern für Befremden und Entsetzen sorgen dürften.
Und das ist auch gut so, denn erfreulicherweise legt Raimi mit „Drag Me To Hell“ sein Mainstream-Mäntelchen ab und macht das, was er am besten kann: Eine Geschichte auf originelle Weise zu erzählen!

Freilich: Der Basisplot ist nicht der Neueste. Unheilvolle Flüche wurden zigfach in Filmen, TV-Serien oder Büchern mal mehr, mal weniger gelungen bemüht. Dass es sich beim Urheber des Fluches um eine Zigeunerin handelt, ist natürlich ein Klischee, welches für das eine oder andere Augenrollen sorgen dürfte. Und trotzdem: Die Geschichte funktioniert über weite Strecken ganz hervorragend, wenngleich sie mit fortschreitender Laufzeit an Konventionalität zunimmt: Der allwissende Wahrsager, die unheilvolle Séance, von Geistern verschobene Möbelstücke und zu Boden geschmissene Teetassen, das unvermeidliche Gewitter beim Showdown und vieles mehr, sind dem geschulten Betrachter nur allzu vertraut.

Fast perfektes Comeback
Trotzdem kann man von einem geglückten Comeback Raimis sprechen, der seit mehreren Jahren fast nur noch mit der „Spiderman“-Welt beschäftigt war. Der Spaß, den er beim Schreiben des Drehbuchs wohl hatte, wird auch beim fertigen Produkt ersichtlich: Jede Menge rabenschwarzer Humor, einige Schockelemente und eine stringente Handlung garantieren etwas mehr als anderthalb Stunden Geisterbahnfahrt.

Da sieht man denn doch großmütig über einige Schwächen hinweg. Neben den vielen Klischees sind da etwa die zu ausführlich geratene Einführung, die kaum vorhandenen Charakterisierungen und kleinere Ungereimtheiten. So ist zwar der (unerwartete) Angriff von Mrs. Ganush eine köstliche Abfolge makabrer Szenen, die mehr als nur einmal die Lachmuskeln reizen. Doch die Standfestigkeit der alten Dame, die selbst einem „Terminator“ alle Ehre machte, erscheint befremdlich.

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Copyright: © 2008 Universal Studios.

Auch die Schlusspointe mag nicht jedem schmecken, da sie zugegebenermaßen vorhersehbar ist. Trotzdem macht es Spaß mitzuverfolgen, wie Raimi mit den Erwartungen der Zuschauer spielt, diese oft erfüllt, mitunter jedoch gänzlich ins Gegenteil verkehrt. Verlernt hat er sein Handwerk über all die Jahre hinweg nicht. Und somit lässt sich feststellen, dass zwar das Budget für „Drag Me To Hell“ ungleich höher ist als jenes seiner früheren Werke, ihm der Spaß am Filmgeschäft aber offenbar nicht abhanden kam. Die Spezialeffekte sind überzeugend und runden den insgesamt betrachtet sehenswerten Genrebeitrag ab.

Damit ragt Raimis aktueller Film aus der Masse uninspirierter Remakes, Sequels und Adaptierungen asiatischer Steifen für den westlichen Markt eindeutig hervor. Der französischen Referenz „Martyrs“ kann „Drag Me To Hell“ bei weitem nicht das Wasser reichen. Wer nur rund 100 Minuten anspruchslose Unterhaltung mit Ekeleffekten und tiefschwarzem Humor genießen möchte, ist mit diesem Film bestens beraten. Gleichzeitig macht Raimi Lust auf mehr, sodass man auf seine nächsten Projekte abseits des spinnenden Superhelden gespannt sein kann.


Darsteller

  • Alison Lohman … Christine Brown
  • Justin Long … Clay Dalton
  • Dileep Rao … Rham Jas
  • Lorna Raver … Mrs. Ganush
  • David Paymer … Mr. Jacks
  • Adriana Barraza … Shaun San Dena
  • Reggie Lee … Stu Rubin
  • Chelcie Ross … Leonard Dalton
  • Molly Cheek … Trudy Dalton

Regie
Sam Raimi

Produktionsland, Jahr
USA, 2009

Drag Me To Hell Trailer


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