Don’t Breathe Kritik

Don't Breathe Filmkritik

Mit Gelegenheits-Diebstählen bessern sich Alex (Dylan Minnette), Rocky (Jane Levy) und Money (Daniel Zovatto) ihr Konto auf, denn alle drei leiden unter akuter Finanznot. Dem draufgängerischen Alex kommt zugute, dass sein Vater ein Sicherheitsgeschäft hat – und er aufgrund dessen alle Tricks kennt, die Sicherheits- und Überwachungssysteme der Villen auszuhebeln. Ihr neustes Opfer scheint ein leichtes Ziel zu sein: ein Kriegsveteranen (Stephen Lang) soll nach dem Unfalltod seines Kindes eine hohe Summe Schmerzensgeld zugesprochen bekommen haben und das Geld im Haus verstecken. Was den Coup so einfach erscheinen lässt: ihr potenzielles Opfer ist blind und daher scheinbar schutzlos den Einbrechern ausgeliefert. Doch nachdem die Drei tatsächlich ins Haus des Mannes eingestiegen sind, wird ihnen schnell klar, dass dieser alles andere als wehr- und harmlos ist. Ein brutaler Kampf ums Überleben beginnt, bei dem der blinde Mann seine geschärften Sinne einsetzt.

Das Team hinter dem spannungsgeladenen Suspense-Thriller „Don’t breathe“ kennt sich durch die Zusammenarbeit an einem der gelungensten Horror-Remakes der jüngeren Vergangenheit: 2013 war es, als der aus Uruguay stammende Regisseur Fede Alvarez gemeinsam mit Produzent Sam Raimi und Darstellerin Jane Levy den Horrorklassiker „Tanz der Teufel“ neu verfilmte. Mit „Evil Dead“ gelang ihnen ein ebenso zeitgemäßes wie blutrünstiges und schockierendes Remake, dass Publikum und Kritik überzeugen konnte. Dasselbe Team zeichnet nun auch für „Don’t breathe“ verantwortlich, der zweite Spielfilm von Filmemacher Fede Alvarez. Der Film sollte zunächst den Titel „A Man in the Dark“ tragen. Seine Premiere feierte das Werk, der nicht einmal zehn Millionen Dollar kostete, im Frühjahr 2016 auf dem South-by-Southwest-Filmfestival.

„Don’t breathe“ zählt zu den stärksten Home-Invasion- und Horrorthrillern bis jetzt in diesem Jahr und hebt sich konsequent und überdeutlich von seiner oft ähnlich gelagerten Konkurrenz (z.B. „You’re next“) ab. Dies liegt an zwei Aspekten: zu einem sorgt die Tatsache, dass das Opfer hier blind ist, für ganz neue Möglichkeiten in Inszenierung und Dramaturgie. Denn hier gibt es eben nicht die sich ständigen wiederholenden Verfolgungsjagden durch die Zimmer oder Kämpfe zwischen Opfer und Einbrecher im Haus, im Gegenteil: nicht allzu oft treffen der blinde Mann, der im ganzen Film übrigens namenlos bleibt, und die drei Einbrecher aufeinander. Wenn dies aber der Fall ist, wird es radikal und äußerst intensiv, zumal diesen Zusammenstößen stets Minuten der knisternden, kaum auszuhaltenden Spannung vorausgehen.

Eine der besten Szenen gibt es im untersten Stockwerk des Hauses, im Keller, wenn die Einbrecher ganz plötzlich in derselben Situation sind wie der Kriegsveteran und sie allesamt das gleiche sehen: nichts, nur die reine Dunkelheit. „Jetzt seht ihr, was ich sehe“, kündigt der Mann die unheilvollen Minuten im Keller an. Zwischendurch hat auch immer wieder mal dessen Hund einen Kurzauftritt. Diese Auftritte sorgen zumeist für gehörige Schockmomente, so z.B. schon vor dem Einbruch beim Inspizieren des Hauses von außen. Ab und an scheint man fast ein wenig Mitleid mit den drei Einbrechern zu haben, die von Tätern zu Opfern werden. Hierbei handelt es sich um den zweiten großen Clou des Films, der astrein funktioniert.

Die Tatsache, dass die Geschehnisse aus Sicht der drei jungen Einbrecher geschildert werden sowie die Einführung der Drei, die klar macht, dass diese tatsächlich unter schwer zu bewältigenden Geldproblemen leiden, lässt den Zuschauer mit ihnen mitfühlen. Vor allem für Rocky kommen Mitgefühl und Verständnis auf, bei der zu den Geldsorgen noch das schwierige Verhältnis zu den Eltern kommt. Andererseits: sollte man mit jemandem Mitgefühl oder gar Mitleid haben, der in das Haus eines Blinden einbricht? Diese Frage stellt man sich und sie sorgt für Gewissensbisse beim Zuschauer sowie die Frage, auf welcher Seite man eigentlich steht. Dieser Umstand verleiht dem Film eine enorme psychologische Tiefe bzw. Komponente, die vielen anderen Filmen des Genres abgeht. Und die Idee, einen solchen Film ausnahmsweise mal aus der Sicht der (vermeintlich) Bösen zu zeigen, ist zudem mutig und – aufgrund eben jener emotionalen Ambivalenz beim Zuschauen – extrem gut gelungen.

Über jeden Zweifel erhaben sind – neben den vielen atmosphärischen Kamerafahrten – auch die darstellerischen Leistungen, vor allem von Jane Levy, die die schweißtreibende Tour-de-Force besonders glaubwürdig und mit viel Hingabe spielt sowie von Stephen Lang. Als angsteinflößender, unterdurchschaubarer Blinder, sorgt allein dessen körperliche Präsenz für Schaudern.

Fazit: Schnörkel- und kompromissloser Suspense-Thriller, der das Genre aufgrund mutiger Regie- und Drehbucheinfälle sowie einer spannenden Grundkonstellation, in jedem Fall bereichert.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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2 Comments so far »

  1.  

    Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (12-09-16) said

    September 12 2016 @ 17:53

    […] „Don’t Breath“ ziemlich bejubelt. Wo man hinschaut, nur zufriedene Gesichter. So auch bei Björn Schneider von Film Welt und MrDepad von Die drei Muscheln. Dass die Kollegen von Komm&Sieh da mal wieder […]

  2.  

    Sabsi said

    September 20 2016 @ 13:27

    Fand ihn durchwachsen. Aber besser als “You`re next” mit seiner vor allem am Ende unfreiwilligen Komik allemal

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