Doctor Sleeps Erwachen Kritik

Mehrere Jahrzehnte sind vergangen, seit Danny Torrance (Ewan McGregor) im Overlook-Hotel Zeuge des Wahnsinns wurde und den blutigen Amoklauf seines Vaters miterleben musste. Genau wie dieser ist auch Danny im Laufe der Jahre dem Alkohol verfallen. Einerseits um das Geschehene zu vergessen, andererseits um jene Fähigkeit zu unterdrücken, die ihn von den meisten anderen Menschen unterscheidet: das Shining. Nach dem Umzug in eine Kleinstadt und dem Antritt einer Stelle in einem Hospiz erhält Danny eines Tages die Möglichkeit auf einen Neuanfang. Und er scheint diese zu nutzen, zumal er mittlerweile auch dem Alkohol abgeschworen hat. Alles ändert sich, als die ebenfalls übersinnlich begabte Teenagerin Abra (Kyliegh Curran) Danny um Hilfe bittet. Angeblich treibt eine geheimnisvolle Sekte ihr Unwesen, deren Anführerin (Rebecca Ferguson) es auf all jene abgesehen hat, die über das Shining verfügen.

Der Film beruht auf dem gleichnamigen, 2013 veröffentlichten Roman von Stephen King. Darin erzählt er die Geschichte des traumatisierten Jungen aus „The Shining“ (1977 erschien der Roman, drei Jahre später der Film) weiter. Regie führte Mike Flanagan, der sich mit düsteren Stoffen und Stephen-King-Verfilmungen auskennt: 2018 drehte er alle zehn Episoden der Horror-Serie „Spuk in Hill House“, im Jahr davor adaptierte er den King-Roman „Das Spiel“ für den Streaming-Anbieter Netflix.

Im Gegensatz zu Stanley Kubricks meisterhafter (und von Stephen King unverständ-licherweise verhasster) Verfilmung von 1980, handelt es sich bei „Doctor Sleeps Erwachen“ mitnichten um einen echten Horrorfilm. Zwar setzt Regisseur Flanagan gerade in der zweiten Hälfte auf ein wiederholt einsetzendes Gefühl des Unbehagens, doch letztlich erscheint der Mix aus Drama, Fantasy und Thriller zu wenig gruselig und unheilvoll, um als Horrorfilm durchzugehen. Überraschende Schreckmomente fehlen ebenso wie durchdringende Schockeffekte. Vielmehr wirkt „Doctor Sleeps Erwachen“ stellenweise wie ein klassisches Charakterdrama, in dem das Wesen und die inneren Befindlichkeiten der Hauptfigur sorgsam herausgearbeitet werden.

Und tatsächlich handelt beinahe die komplette erste Stunde von Dannys persönlicher Leidens- und Lebensgeschichte, seinem Alltag und dem Versuch des Neustarts. Diese sehr ausführliche Etablierung und Zeichnung des Charakters ist ambitioniert und profitiert von der leidenschaftlichen Performance eines Ewan McGregor. Dennoch wirkt das Geschehen auf der Leinwand dadurch ziemlich zäh und behäbig. Folglich gerät der Erzählfluss häufig ins Stocken und so dauert es am Ende fast ganze zwei Stunden, bis der Höhepunkt eingeleitet wird: die Rückkehr ins sagenumwobene Overlook-Hotel.

Diese gestaltet Flanagan mit viel Liebe zum Detail und Sorgfalt. Sobald das ikonografische Hotelgebäude die Leinwand ausfüllt, die legendäre Filmmusik ertönt und Flanagan mit bekannten Einstellungen sowie rasanten Kamerafahrten durch die Flure dem Original ebenso ehrfurchts- wie respektvoll Tribut zollt, ist Gänsehaut garantiert.  Allerdings drängt sich auf diese Weise eben auch der direkte Vergleich mit dem überlebensgroßen Meisterwerk Kubricks auf, das letztlich eben doch wesentlich mysteriöser, virtuoser und hintersinniger war.

Fazit: Inhaltlich etwas überfrachtetes, dennoch  hingebungsvoll gespieltes „Shining“-Sequel mit gelungenen Reminiszenzen an das Original, das letztlich aber zu spät Fahrt aufnimmt und sich in Nebensächlichkeiten verliert.

Bewertung: 6/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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