Die unendliche Geschichte Kritik

Dem Schriftsteller Michael Ende gelingt 1979 mit seinem Roman „Die unendliche Geschichte“ einer der großen der Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Bis heute in über 40 Sprachen übersetzt, beträgt die weltweite Gesamtauflage des Buches etwa zehn Millionen Exemplare. „Die unendliche Geschichte“ gilt aufgrund seiner komplexen Erzählweise, der vielen phantastischen und eigentümlichen Figuren sowie der unterschiedlichen Deutungs- und Interpretationsmöglichkeiten jahrelang als unverfilmbar. Bis sich der deutsche Produzent Bernd Eichinger des Projektes annimmt. Eichinger, zu diesem Zeitpunkt ein im Ausland noch wenig bekannter Filmproduzent und Drehbuchautor, träumt von einem internationalen Kassenschlager und legt das Riesenprojekt 1984 als deutsch-amerikanische Co-Produktion mit einem Budget von etwa 60 Millionen Mark an. Als Regisseur gewinnt er Wolfgang Petersen, der wenige Jahre zuvor mit „Das Boot“ einen Welterfolg landete.

Mitte der 80er-Jahre stecken die digitale Tricktechnik sowie die Möglichkeiten der computergenerierten Effekte noch in den Kinderschuhen und ganz am Anfang ihrer Entwicklung. Petersen und sein Team sind zu Beginn der Dreharbeiten also gezwungen, die Fabel- und Phantasiewesen der Romanvorlage wirklich zu bauen. Entwurf und Kreation der Figuren gestalten sich dabei als äußerst aufwendig und kompliziert. Am Ende entstehen dennoch eine ganze Reihe atemberaubend realistisch wirkender, aus Gips modellierte Schaumstofffiguren, die teilweise von bis zu 15 Puppenspielern gleichzeitig bewegt werden müssen. Die liebevolle (und mit über 25 Jahren Abstand nostalgisch wirkende) Gestaltung der Handlungsorte, Figuren und Wesen stellt dabei eine der großen Stärken eines märchenhaften und mit phantastischen Elementen ausgestatteten Abenteuerfilms dar, der bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat.

Zur Story: Der kleine Bastian (Barret Oliver) hat es nicht leicht: Von seinen Mitschülern ständig schikaniert und verprügelt, stellen seine Bücher für ihn die Flucht in andere, mystische Welten dar, in denen er die Probleme des Alltags zumindest für kurze Zeit vergessen kann. Als er eines Tages wieder einmal von seinen Klassenkameraden verfolgt wird, gelingt ihm die Flucht in einen alten Buchladen. Dort fällt ihm ein Buch auf, vor dem ihn jedoch der Buchhändler eindringlich warnt. Bastian kann nicht widerstehen und „leiht“ sich das Buch mit dem Titel „Die unendliche Geschichte“ aus. Er schließt sich auf dem Dachboden seiner Schule ein und vertieft sich in das geheimnisvolle Buch. Noch ahnt er nicht, dass ihn das Buch in eine ihm fremde Welt führen wird, bevölkert von Winzlingen, Rennschnecken, Felsenbeißer und Glücksdrachen, die ohne seine Hilfe verloren scheint…

Was „Die unendliche Geschichte“ heute so besonders macht, ist der Umstand, dass der Film in seiner Machart und Umsetzung ohne die heute gängigen Computeranimationen und visuellen Effekte durch einen derart hohen Nostalgie-Faktor besticht, dass man auch im Jahr 2011 noch seine helle Freude an ihm hat. Figuren wie etwa der Glücksdrache Fuchur oder der Felsenbeißer strahlen (trotz oder gerade wegen ihrer der Mechanik geschuldeten hölzernen Bewegungen) Wärme und Charme aus und bereichern die phantasievoll gestaltete Optik des Films. Auch die Besetzung überzeugt: Barret Oliver als Bastian, Noah Hathaway als Krieger Atréju und Tami Stronach als kindliche Kaiserin spielen ihre Rollen äußerst glaubwürdig und mit emotionaler Tiefe – man leidet, hofft und bangt mit ihnen. Von den Jungdarstellern sollten bis heute leider keine weiteren beachtenswerten Filme folgen. Als wenig beachtenswert empfand im Übrigen auch der Autor der Romanvorlage, Michael Ende, den Film, von dem er sich im Nachhinein distanzierte und seinen Namen aus dem Vorspann streichen ließ. Für ihn sollte der Film anstelle des Namens „Die unendliche Geschichte“ den Titel „Die unsägliche Geschichte“ tragen, wie er einige Jahre in einem Interview sagte. Ende geht mit den Machern, insbesondere mit Regisseur Petersen und Produzent Eichinger, jedoch deutlich zu hart ins Gericht. „Die unendliche Geschichte“ lässt den Zuschauer für 90 Minuten an einem mitreißenden Abenteuer teilhaben, dass in erster Linie optisch zu überzeugen weiß. Dies muss man sich stets vor Augen halten, vor allem vor dem Hintergrund der zur Zeit der Entstehung begrenzten technischen Möglichkeiten.

„Die unendliche Geschichte“ entführt in eine märchenhafte Welt voll liebevoll gestalteter Figuren, brillanter Kulissen und phantasievoller Ausstattung. Lässt man sich als Zuschauer darauf ein, erlebt man einen rundum gelungenen Fantasyfilm, der auch heute noch Spaß macht.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller

  • Noah Hathaway
  • Barret Oliver
  • Moses Gunn
  • Patricia Hayes
  • Sydney Bromley
  • Gerald McRaney
  • Drum Garrett
  • Darryl Cooksey
  • Nicholas Gilbert
  • Thomas Hill
  • Deep Roy
  • Tilo Prückner

Erscheinungsjahr
1984 / Deutschland

Regie
Wolfgang Petersen

Die unendliche Geschichte Trailer

 


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