Die Fliege

Die Fliege FilmktitikGigantische, die Menschheit bedrohende, Insekten gab es vor allem in billigen SciFi-Filmchen der 1950er Jahre zuhauf. Menschen, die sich in Insekten verwandelten, waren im Filmbereich hingegen eher dünn gestreut. Einen der seltenen Vertreter dieser Zelluloidspezies stellte der Film „Die Fliege“ aus 1958 dar. In diesem tauschte Vincent Prince in der wenig originellen Rolle des wahnsinnigen Wissenschaftlers, unfreiwillige einige Körperteile mit dem einer Fliege.

Drei Jahrzehnte später nahm sich David Cronenberg des Stoffes erneut an, modernisierte ihn, setzte ganz bewusst auf Ekeleffekte und mischte das Ganze mit seiner eigenen, unverwechselbaren Handschrift ab. Ob sein Remake gelungen ist oder einen Fall für die Fliegenklatsche darstellt, könnt ihr nachfolgend ergründen.

Summ, summ, summ, Fliegchen summ herum …
Seth Brundle (Jeff Goldblum in einer Paraderolle) ist ein ebenso genialer, wie exzentrischer Wissenschaftler, der an einer revolutionären Transportmöglichkeit arbeitet. Jedenfalls erklärt er dies der hübschen Reporterin Veronica (Geena Davis) und lädt sie zu einer Vorführung in seinem Laboratorium ein. Dort präsentiert ihr der, im Umgang mit anderen Menschen nicht besonders geübte, Seth zwei so genannte Teleportationskammern, die sie zunächst für futuristisch designte Telefonzellen hält.

Doch bei der ersten Testvorführung wird klar, worum es sich handelt: Über eine Distanz von mehreren Metern hinweg teleportiert Seth Veronicas Seidenstrumpf von einer Teleportationskammer in die Nächste. Völlig neue Transportmöglichkeiten zeichnen sich mit dieser genialen Erfindung ab. Theoretisch zumindest, denn ein Problem gibt es noch: Lebewesen können nicht transportiert werden.

Dies ändert sich eines Tages, indem Seth den Computer endlich korrekt zu programmieren versteht, um die Teleportation von Lebewesen zu ermöglichen. Nach einem erfolgreichen Testlauf mit einem Affen – und nachdem er sich Mut angetrunken hat – begibt sich Seth selber in die Teleportationskammer. Er überlebt nicht nur, sondern fühlt sich innerlich gereinigt und verfügt plötzlich über unglaubliche Körperkräfte.

Was er noch nicht ahnt: Seine Gene durchmischten sich während des Teleportationsvorgangs mit jener einer zufällig in der Kammer mit anwesenden Fliege. Die Folgen sind verheerend: Am Rücken wachsen ihm dicke Borsten, er verliert der Reihe nach seine Zähne und eines Morgens landet schließlich sein Ohr im Waschbecken …

Kafkas „Verwandlung“ lässt grüßen
Woran „Die Fliege“ Anleihen nimmt, ist nicht zu übersehen. Franz Kafkas „Die Verwandlung“ stand sichtlich Pate für die erste Verfilmung aus 1958, der auch der Kanadier Cronenberg folgte. Während es Kafka jedoch um die psychologischen und gesellschaftlichen Effekte einer solchen Verwandlung in ein Insekt ging, schreckte Cronenberg vor expliziten Szenen nicht zurück und versetzt den Zuschauer in die Rolle des Voyeurs, der dem sichtbaren Verfall eines Menschen beiwohnt.

Die Effekte sind nach wie vor allererste Sahne, was nicht nur angesichts des Alters des Streifens erstaunt: Nur 15 Millionen kostete das Remake – gut investiertes Geld, denn weltweit spielte der Film ein Mehrfaches der Kosten wieder ein. Außerdem erntete „Die Fliege“ in der Kategorie „Beste Maske“ einen Oscar. Völlig verdient angesichts der großartig ekelhaften Effekte. Beispielsweise muss sich Seth im Laufe der Verwandlung an die geänderte Nahrungsaufnahme gewöhnen. Da er keine Zähne mehr hat, erbricht er Verdauungsflüssigkeit auf seine Nahrung und schlürft diese dann auf, sobald sie sich zersetzt hat. Die Krönung der Spezialeffekte stellt aber der grandiose Schluss dar, der natürlich nicht verraten werden soll.

„Die Fliege“ ist zwar ein typischer Cronenberg-Streifen, dürfte aber dennoch seine bislang deutlichste Annäherung an den Mainstream sein. Über weite Strecken hinweg folgt der Film klassischen Erzählsträngen: Genialer Wissenschaftler fällt eigener Erfindung zum Opfer, seine Freundin schwebt ebenfalls in Gefahr, ein Dritter im Bunde macht sich daran, die Frau zu beschützen. Trotzdem findet er Mittel und Wege, mit Konventionen zu brechen und den Zuschauer ein ums andere Mal zu überraschen. Der liebenswerte Charakter des schusseligen Erfindergeistes etwa bleibt stets erhalten, sodass der Zuschauer seinen körperlichen Verfall bedauert und sich gleichzeitig vor dem fürchtet, was der Körper am Ende beherbergen wird. Denn jede Metamorphose ist eine Wandlung, und „Die Fliege“ macht von dieser Regel keine Ausnahme …

Macht kaputt, was euch kaputtmacht!
Wie in den meisten seiner Filme nimmt Cronenberg eine kritische Haltung zur Technologisierung ein, ohne sie jedoch einseitig zu verdammen, wie etwa James Camerons „Avatar“. Letztendlich, spekuliert der Kanadier, wird der Mensch zu dem, was er begehrt. Folgerichtig vermischen sich in vielen seiner Werke Schöpfer und Erschaffenes zu einem Hybridwesen der Neuzeit. Mit bekannten Konsequenzen, denn der körperliche Verfall des Wissenschaftlers erinnert nicht zufällig an die Folgen radioaktiver Verstrahlung.

Nicht nur der Plot und die Spezialeffekte, auch die Schauspieler überzeugen völlig. Jeff Goldblum ist wie immer großartig und darf in einer Szene seine (echten!) Klavierspielkünste zeigen. Dabei harmoniert er mit Geena Davis an seiner Seite. Wenig verwunderlich: Während des Drehs verliebten sich die beiden ineinander. David Cronenberg selbst ist übrigens in einem kurzen Auftritt als Gynäkologe zu sehen.

Apropos „sehen“: Auf Grund der ziemlich blutigen Effekte sollte man beim Angucken des Filmes einen ziemlich starken Magen besitzen. Wenn beispielsweise ein Affe buchstäblich von Innen nach Außen gekehrt wird, könnten zart besaitete Seelen genug Stoff für zahlreiche Alpträume erhalten …

Der Film erhielt natürlich – Überraschung! – 1989 eine Fortsetzung mit dem wenig originellen Titel „Die Fliege 2“. Weder Jeff Goldblum, noch Geena Davis wirkten in diesem Sequel mit. Obwohl es deutlich schlimmere Fortsetzungen gibt, kommt auch diese in keiner Weise an das Original heran.

Logisch: Niemand nimmt gelassener den Verlust diverser Körperteile hin, als Sympathieträger Jeff Goldblum …


Darsteller

  • Jeff Goldblum … Seth Brundle
  • Geena Davis … Veronica Quaife
  • John Getz … Stathis Borans
  • Joy Boushel … Tawny
  • Leslie Carlson … Dr. Cheevers
  • George Chuvalo … Marky
  • Michael Copeman … Markys Kumpel
  • David Cronenberg … Gynäkologe
  • Carol Lazare … Krankenschwester

Regie
David Cronenberg

Produktionsland, Jahr
USA / Kanada, 1986

Die Fliege Trailer


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Arno Nym said

    März 9 2015 @ 17:52

    Vincent Price spielt im Originalen nicht den Wissenschaftler, sondern dessen Bruder.

    Und wahnsinnig ist der Wissenschaftler auch nicht! 😉

    Film gesehen? Nein, oder? 😉

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