Die drei Musketiere Kritik

die-drei-musketiere-HauptplakatDie Geschichte um den jungen D’Artagnan, der sich im Frankreich des Jahres 1625 den drei Musketieren anschließt und einem fiesen Kardinal in den Weg stellt, diente als Vorlage unzähliger TV- und Kinoadaptionen. Kaum ein anderer literarischer Stoff wurde bis heute so oft verfilmt wie der Roman von Alexandre Dumas. Bereits in den 1920er-Jahren entstanden die ersten Verfilmungen für die große Leinwand. 1948 nahm sich der amerikanische Regisseur und Filmproduzent George Sidney des Stoffes an und schuf einen der bis heute bekanntesten und gelungensten „Musketier“-Filme, in dem Gene Kelly in die Rolle des D’Artagnan schlüpfte. Auch in der jüngeren Vergangenheit stellten „Die drei Musketiere“ durch weltweite Kassenschlager und Kino-Hits sowie erfolgreiche TV-Ausstrahlungen ihren nach wie vor hohen Beliebtheitsgrad unter Beweis. So kämpften 1993 Charlie Sheen, Kiefer Sutherland und Oliver Platt in trauter Eintracht als Musketiere für das Gute und gegen das Böse, getreu dem Musketier-Motto „Einer für alle, alle für einen“ – eine der kommerziell erfolgreichsten Verfilmungen bis heute. 2011 nun bekommen wir es erneut mit einem Film über Athos, Aramis, Porthos und D’Artagnan zu tun, diesmal von Popcorn-Ästhet Paul W.S. Anderson („Resident Evil“, Alien vs. Predator“) in Szene gesetzt.

die-drei-musketiere-Szenenbild_08

D'Artagnan und die drei Musketiere im Kampf gegen Rocheforts Männer © 2011 Constantin Film Verleih GmbH

Frankreich, 17. Jahrhundert: Der junge und draufgängerische D’Artagnan (Logan Lerman) legt sich gleich an seinem ersten Tag in Paris mit den legendären Musketieren Athos (Matthew MacFadyen), Porthos (Ray Stevenson) und Aramis (Luke Evans) an. Diese sind mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen und eingerostet, von Fechten, Frauen und Wein verstehen sich aber nach wie vor etwas. Beeindruckt von D’Artagnans Tapferkeit im Kampf gegen die Truppen von Fiesling Rochefort (grandios böse: Mads Mikkelsen), unterstützen die drei Helden D’Artagnan bei seinem Feldzug gegen den machthungrigen und gewieften Kardinal Richelieu („Ich bin Frankreich!“), dessen getreue, hörige Truppen und die teuflische M’lady de Winter (unfreiwillig komisch: Milla Jovovich), die ihre ganz eigenen Pläne verfolgt…

Regisseur Anderson hat den Auftrag, mit seiner modernen Version des klassischen Stoffes von Dumas den Erfolg des 1993er-Films zu toppen. Da Andersons Filme ihren Reiz seit jeher eher aus den visuellen und optischen Schauwerten denn aus einem inszenatorischen Feingefühl für Figuren und Geschichte beziehen, war von Beginn an klar: Anderson sollte dem Stoff (der in der Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal erschien), einen hochmodernen, neuartigen Anstrich verleihen und sich hinsichtlich Inszenierung und Optik am Gegenwartskino des Jahres 2011 orientieren. Dafür stellte Constantin Film Anderson ein Riesenbudget von rund 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung und konnte eine ganze Heerschar an Hollywood-Stars verpflichten: Von Orlando Bloom, Matthew MacFadyen und Milla Jovovich über Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen und „Percy Jackson“-Star Logan Lerman bis hin zu Luke Evans („Kampf der Titanen“) und Oscar-Gewinner Christoph Waltz. Sogar Til Schweiger gibt sich mit einem schnellen Auf- und noch schnellerem Abtreten die Ehre. Jedoch: All der großen Namen und der durchgestylten Hochglanzoptik zum Trotz, ist Andersons Version von „Die drei Musketiere“ nicht mehr als ein leidlich spannender, stellenweise unfreiwillig komischer und letztlich enttäuschender Mainstream-Blockbuster ohne Gespür für seine Charaktere und die Story.

Natürlich hat der Film auch seine starken Momente, die sich in den digitalen Effekten und den spektakulären CGI-Animationen manifestieren. Der bombastische Luftschiff-Kampf gegen Ende des Films ist großartig und kann es sogar mit den epischen „Fluch der Karibik“-Schlachten aufnehmen. Anderson macht kein Geheimnis daraus, dass die filmgewordenen Zuckerguss-Spektakel um Captain Jack Sparrow für seinen Film ebenso Pate standen wie die „Indiana Jones“- und „Mission:Impossible“-Filme. Anderson plündert ohne Rücksicht die Mottenkiste einiger der erfolgreichsten Popcorn-Movies der letzten Jahre und mixt sich daraus seinen eigenen Abenteuer-Action-Mantel-und-Degen-Cocktail, der jedoch fad und unausgegoren schmeckt. Neben den bereits erwähnten Effekten und Computeranimationen bilden die opulenten und prächtigen Drehorte in Bayern (u.a. Bamberg, Würzburg Burghausen) das einzige echte Highlight des Films.

die-drei-musketiere-Szenenbild_41

Christoph Waltz in der Rolle des Kardinal Richelieu mit Milla Jovovich als M'lady de Winter © 2011 Constantin Film Verleih GmbH

Das größte Problem des Films bleibt wohl schlicht und ergreifend der Regisseur: Paul W.S. Anderson mag ein fähiger Filmemacher im Bereich anspruchsloser, mit Videospiel-Ästehtik ausgestatteter Actionfilme sein. Er scheitert jedoch kläglich bei dem Versuch, den Geist der Romanvorlage sowie früherer, äußerst gelungener Verfilmungen zu bewahren. Seine ausufernden, überzogenen Zeitlupensequenzen und Actionszenen sind in einem Mantel-und-Degen-Film genauso fehl am Platze wie eine hinterlistige Milla Jovovich, die in einer albernen Einbruchsszene scheinbar spielend leicht ein undurchdringliches Hindernis überwindet („Verlockende Falle“ lässt hier grüßen). Mit dem Original hat Andersons Version daher nicht mehr viel gemein. Auch die Darsteller vermögen nicht zu überzeugen, da diese oftmals eher apathisch und hölzern denn glaubwürdig und „echt“ daherkommen. Orlando Bloom liefert als Herzog von Buckingham eine seiner schwächsten Leistungen der letzten Jahre ab. Seine Figur bleibt blass, ausdruckslos und letztlich völlig belanglos, die Föhn-Frisur ist dabei noch das gelungenste. Christoph Waltz bleibt deutlich hinter seinen Möglichkeiten, hat diesen Umstand aber in erster Linie dem abstrusen Drehbuch zu verdanken.

Außen hui, innen pfui: „Die drei Musketiere“ beeindruckt mit imposanten Kulissen und gelungener Optik. Dahinter verbirgt sich jedoch ein aalglatter und fader Action-Abenteuer-Mix, der sein Augenmerk mehr auf die hektische Inszenierung und glattgebügelte Dialoge denn auf Personen und Story legt.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller:

  • Milla Jovovich
  • Logan Lerman
  • Orlando Bloom
  • Juno Temple
  • Luke Evans
  • Ray Stevenson
  • Christoph Waltz
  • Matthew Macfadyen
  • Mads Mikkelsen
  • Til Schweiger
  • James Corden
  • Freddie Fox

Erscheinungsjahr:
2011

Regie:
Paul W.S. Anderson

Trailer:


Weitere Filme/Informationen:

Leave a comment

Name: (Required)

eMail: (Required)

Website:

Comment: