Der rosarote Panther 2

der rosarote panther 2Als Peter Sellers 1980 mit nur 55 Jahren starb, nahm er die unvergleichliche Figur des liebenswerten Schussels Inspektor Clouseau mit in sein Grab. Jedenfalls sollte man das annehmen, denn trotz seines viel zu frühen Ablebens trieb der wandelnde französische Fettnäpfchentreter auch weiterhin sein Unwesen. 2008 erblickte der mittlerweile bereits elfte Film der Reihe das grelle Licht der Leinwand, diesmal mit Steve Martin in der Hauptrolle, die er sich als Drehbuchautor selber auf den Leib schrieb.
Rosige oder doch düstere Aussichten für Fans der pinkfarbenen Raubkatze?

In Paris läuft vieles schief

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Vorbei sind Inspektor Clouseaus (Steve Martin) ruhmreiche Zeiten: Sein ihm alles andere als wohlgesonnener Chef Dreyfus (John Cleese) hat ihn zum „Park-Sheriff“ degradiert. Dessen ungeachtet versieht der Gedemütigte seinen Dienst mit aller ihm zur Verfügung stehenden Contenance.

Dennoch erhält er unvermutet die Chance zur Rehabilitation, als ein frecher Dieb, der Visitenkarten mit dem Namen „Tornado“ am Ort des Verbrechens zurücklässt, die kostbarsten europäischen Kunstgüter, wie etwa das Turiner Grabtuch stiehlt. Die ratlose Polizei beruft ein internationales Team der vorgeblich brillantesten Kriminologen ein.

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Vorgeblich deshalb, da neben genialen Köpfen wie dem Italiener Vicenzo (Andy Garcia) oder der schönen Inderin Sonia (Aishwarya Rai Bachchan) auch Clouseau zum Team stößt.

Dieser hat schon bald mehr Sorgen, als nur dem Meisterdieb das Handwerk zu legen. Denn seine geliebte Nicole (Emily Mortimer) fühlt sich von ihm zu wenig beachtet und wird vom heißblütigen Vicenzo heftig umworben …

Der Vergleich macht sicher
Wer sich in die Fußstapfen einer der berühmtesten und beliebtesten Filmfiguren überhaupt wagt, muss natürlich einen direkten Vergleich erdulden. Zum zweiten Mal nach 2006 schlüpft Steve Martin in die Rolle des trotteligen, aber stets sympathischen Jacques Clouseau. Zwar kann der einstige Starkomiker keine Sekunde lang diese Fußstapfen ausfüllen, doch kann man dem gebürtigen Texaner immerhin allergrößtes Bemühen attestieren. Alleine: Es reicht einfach nicht, um seine Interpretation auch nur in die Nähe der überragenden Darstellung Peter Sellers rücken zu können.

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Vor allem jüngere Zuschauer, die vielleicht die Originalreihe rund um den nicht nur beruflich, sondern auch privat umtriebigen Engländer Sellers nicht kennen, dürften kein Problem damit haben. Kenner und vor allem Liebhaber der „Pink Panther“-Reihe werden jedoch unentwegt Vergleiche anstellen und solcherart die neue Reihe mit Steve Martin kaum unbefangen genießen können.

Schade eigentlich, denn Steve Martin ist ein Ausnahmekönner, wie er vor allem in den 1980er und frühen 1990er Jahren ein ums andere Mal bewiesen hatte. Nur scheint er in der Wahl seiner Rollen kaum noch – der Kalauer sei gestattet – wählerisch zu sein, und mit der Inkarnation des französischen Oberschussels erwies er seinem Ruf keinen großen Gefallen. „Der Mann mit den zwei Gehirnen“, „Tote tragen keine Karos“, „Roxanne“, und viele weitere Filme beweisen, dass er zu den größten Komikern der jüngeren Filmgeschichte zählt. Aber eines war all diesen Filmen gemeinsam: Es handelte sich um originäre Stoffe und Filmfiguren, die – etwa in „Roxanne“ – an berühmte Vorbilder angelehnt sein mochten (Cyrano de Bergerac), doch stand jeder Streifen für sich selbst, was sich im konkreten Fall natürlich anders verhält.

Demontage eines Mythos

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Die Adaption der feinsinnigen Komik eines Peter Sellers gelingt Steve Martin naturgemäß nicht. Oberflächlich betrachtet mögen sich die Katastrophen und Peinlichkeiten, die der „alte“ Clouseau auslöste nicht von denen seines „Nachfolgers“ unterscheiden. Aber alleine ein verzweifelter Blick des Briten reizte mehr zum Lachen, als sämtliche Slapstick-Einlagen Steve Martins zusammen.

Der Verdacht, lediglich auf den zugkräftigen Namen des Originals zu setzen, liegt nahe und bestätigt sich wieder einmal. Während im ersten Teil der neuen „Pink Panther“-Reihe wenigstens noch der Versuch erkennbar war, dem Original einen Hauch an Respekt zu erweisen, artet die Fortsetzung in völlig banaler Aneinanderreihung altbekannter oder misslungener Gags aus, die mit der Figur des Inspektor Clouseau rein gar nichts mehr zu tun haben.

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Unmotiviert stolpert die schauspielerische Prominenz über den Parcours bestenfalls leidlich geglückter Witzigkeiten. Wie gedankenlos es bei der Fortsetzung zuging, lässt sich bereits daran ermessen, dass ausgerechnet John Cleese – der mittlerweile auch schon sämtliche Rollen annimmt, die sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten – Chefinspektor Dreyfus zum „Besten“ gibt. Bei aller angebrachten Bewunderung für jenen Mann, der Mitglied der unvergleichlichen „Monty Python“-Truppe war und mit der TV-Serie „Fawlty Towers“ sowie einigen Filmprojekten höchst erfolgreich auf Solopfaden wandelte: Es ist geradezu erschreckend, wie unmotiviert und blass der einstige Vorzeigekomödiant in „Der rosarote Panther 2“ wirkt! Wie schon wenige Monate zuvor in „Der Tag, an dem die Erde still stand“ erinnert nichts an seine einst große Schauspielkunst.

Einen nicht weniger unnötigen Gastauftritt absolviert Lily Tomlin, die bereits in „Solo für 2“ an Steve Martins Seite agierte. Ihre Rolle der Mrs. Berenger als Benimmdame (?) für den unsensiblen Clouseau wirkt wie nachträglich als kleiner Freundschaftsdienst in den Film hineingepresst.

Dem Tierchen das Fell über die Ohren gezogen

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Eine routinierte, flüssige Regie und der zwar zum Stichwortgeber degradierte, dennoch wie immer sehenswerte Jean Reno, können nicht über die belanglosen Scherze hinwegtäuschen, von denen viele wenig mehr als aufgewärmte Standardware darstellen. Selbst die Reminiszenzen an Blake Edwards Geniestreiche – die mit Kindern, statt mit dem asiatischen Diener Cato ausgefochtenen, für das Interieur der Clouseau’schen Wohnung verheerenden Karate-Kämpfe, Visitenkarte am Ort des Diebstahls – reißen diesen mehr als dürftigen Streifen (dessen Nettospiellänge übrigens nur knapp 75 Minuten beträgt!) auch nicht heraus.
Im Gegenteil: Eine alte Filmregel besagt, man solle das Publikum niemals an weitaus bessere Filme erinnern, was hier in groblässigem Maße missachtet wird.

Um dem Streifen auch etwas Positives abgewinnen zu können: Trotz aller Schwächen ist er Lichtjahre von unterirdisch schlechtem Müll wie „Meine Frau, die Spartaner und ich“ entfernt. Allein: Fans der Originalreihe werden sich davon kaum getröstet fühlen, sondern eher auf den Kopf geschlagen, als hätte Cato aus dem Hinterhalt zugeschlagen …


Darsteller

  • Steve Martin … Insp. Jacques Clouseau
  • Jean Reno … Ponton
  • Emily Mortimer … Nicole
  • Andy Garcia … Vicenzo
  • John Cleese … Chief Inspector Dreyfus
  • Jeremy Irons … Avellaneda
  • Lily Tomlin … Mrs. Berenger
  • Aishwarya Rai … Sonia

Regie
Harald Zwart

Produktionsland, Jahr
USA, 2008

Der rosarote Panther 2 Trailer


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