Der Gott des Gemetzels Kritik

Ein Jahr nach seinem Film „Der Ghostwriter“ meldet sich Star-Regisseur Roman Polanski nun mit einem ganz speziellen Film zurück. Das Drehbuch für seinen neuen Film „Der Gott des Gemetzels“ basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück der französischen Schriftstellerin und Bühnenautorin Yasmina Reza. Reza gilt als eine der meistgespielten Autorinnen des Gegenwartstheaters. Ihr Stück „Der Gott des Gemetzels“ wurde 2006 in Zürich uraufgeführt und hat sich seitdem weltweit zu einem Riesenerfolg entwickelt. Das Stück zählte schon zwei Jahre nach der Premiere zu den erfolgreichsten Theaterstücken der letzten Jahrzehnte. Roman Polanski nahm sich nun des Stoffes an und verfasste gemeinsam mit Reza das Skript für die Verfilmung.

Polanski gelingt mit „Der Gott des Gemetzels“ eine in allen Belangen gelungene Gesellschaftssatire, deren größte Stärken die giftigen Dialoge und die schauspielerischen Darbietungen sind. Mit Kate Winslet, Jodie Foster und Christoph Waltz geben sich hier gleich drei Oscar-Gewinner die Ehre, John C. Reilly stand immerhin schon mehrfach kurz davor, den Goldjungen zu gewinnen. Der Film ist in seiner reduzierten Handlung und den wenigen Handlungsorten ganz auf das Spiel seiner vier Protagonisten zugeschnitten (fast der gesamte Film spielt im Wohnzimmer eines New Yorker Appartements). Polanskis Film spielt zwar in Brooklyn, wurde aber in Paris gedreht, dem Originalschauplatz des Theaterstückes. Der Regisseur darf aufgrund eines offenen Haftbefehls noch immer nicht in die USA einreisen.

Zur Story: Eine Gruppe von Jugendlichen befindet sich in einem Park in New York. Einer von ihnen hat einen Stock, es kommt zu einer Streiterei und im darauffolgenden Handgemenge wird ein anderer Junge verletzt. Die Eltern der beiden Jungen wollen die Angelegenheit unter sich klären und lernen sich bei Kaffee und Kuchen näher kennen. Das Treffen verläuft in den ersten Minuten freundlich und die Paare verstehen sich gut. Da sind der gut betuchte Anwalt Alan (Christoph Waltz) und seine Frau Nancy (Kate Winslet), eine erfolgreiche Investmentbankerin, auf der einen Seiten. Ihnen gegenüber stehen die gebildete Penelope (Jodie Foster), eine angehende Schriftstellerin, und ihr Mann Michael (John C. Reilly), ein gutherziger und freundlicher Eisenwarenhändler. Schnell wird deutlich, dass der arrogante Alan mehr mit seinem aktuellen Fall und somit seinem Handy als mit der Lösung des Problems beschäftigt ist. Vor allem die psychisch labile Penelope reagiert gereizt auf die ständigen Unterbrechungen durch Alan. Schnell erhitzen sich die Gemüter und der Ton wird immer schärfer. Als dann dummerweise auch noch Penelopes geliebte Kunstkataloge Schaden nehmen und Michael den Alkohol fließen lässt, eskaliert die Situation…

Penelope (Jodie Foster) und Michael (John C. Reilly) empfangen Alan (Christoph Waltz) und Nancy (Kate Winslet) in ihrer Wohnung (v.l.n.r.) © 2011 Constantin Film Verleih GmbH


„Der Gott des Gemetzels“ ist ein Film für Menschen, die gerne ins Theater gehen und ihre Freude an satirisch überzeichneten Tragödien haben. Ein Film zudem, der für Freunde gehobener Schauspielkunst ein Muss ist. Polanskis Werk ist mehr Theater als Film. Der Unterschied ist, dass hier die Protagonisten nicht auf einer Bühne, sondern auf der großen Leinwand agieren. Dass sich das giftige Kammerspiel mit seinen nicht einmal 80 Minuten Spielzeit dennoch für eine Leinwandverfilmung eignet, ist den vier Darstellern zu verdanken, die sich um Kopf und Kragen spielen. Waltz brilliert als nerviger Anwalts-Kotzbrocken, der mit seinen ständigen Telefonaten auch dem Zuschauer schnell auf die Nerven geht. Kate Winslet hält sich als seine Frau zunächst gemächlich im Hintergrund bis sie plötzlichen in einer irrwitzigen Szene die Grenzen der Gutbürgerlichkeit durchbricht und sich auf den Couchtisch übergibt – das heimliche Highlight des Films. John C. Reilly als – nur vordergründig – braver und verständnisvoller Ehemann und Jodie Foster als psychisches Wrack mit einem Hang zu emotionalen Ausbrüchen stehen ihnen gegenüber und liefern eine ebensolche Gala-Vorstellung ab.

© 2011 Constantin Film Verleih GmbH

Daneben besticht „Der Gott des Gemetzels“ mit messerscharfen, pointierten Dialogen, die im sekundentakt abgefeuert werden. Sarkasmus, Ironie und schwarzer Humor bestimmen die Szenerie. Allmählich lassen die vier Hauptpersonen ihre Masken fallen und es ist eine Freude, ihnen bei diesem Treiben zuzusehen. Der Zuschauer als Voyeur. Er wird Zeuge, wie anfängliche Anerkennung, Freundlichkeit und Achtung in Gehässigkeit, Rachsucht und Feindschaft umschlagen und kann sich genüsslich in seinen Kinosessel kuscheln, während auf der Leinwand ein Krieg tobt.

FAZIT: „Der Gott des Gemetzels“ ist eine überragend gespielte, bissige Gesellschaftssatire, die zudem als pointenreiches Dialogfeuerwerk punktet.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller:

  • Kate Winslet
  • Christoph Waltz
  • Jodie Foster
  • John C. Reilly

Regie:
Roman Polanski

Erscheinungsjahr:
2011

Der Gott des Gemetzels Trailer


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