Das Wunder von Marseille Kritik

Nura (Mizanur Rahaman) und sein Sohn Fahim (Ahmed Assad) verlassen ihre Heimat Bangladesch in Richtung Frankreich. In Paris hofft Nura, dass er schnell eine Bleibe und Arbeit findet, um die in der Heimat zurückgelassenen Familienmitglieder schnell nachzuholen. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam und auch ein Job findet sich nicht so schnell. Außerdem droht – ohne Arbeit und Asylstatus –  jederzeit die Abschiebung. Von alledem zunächst ungerührt bleibt der schachbegabte Fahim, der nur ein Ziel vor Augen hat: Er will ein großer Schachmeister werden. Auf Fahims Fähigkeiten wird eines Tages Sylvain (Gérard Depardieu), einer der bekanntesten Schachspieler des Landes, aufmerksam. Er erklärt sich bereit, Fahim unter seine Fittiche zu nehmen. Unterdessen gleitet Nura immer mehr in die Illegalität ab und es bleibt nur eine Möglichkeit, seine Abschiebung zu verhindern: Fahim muss das bald anstehende Schachturnier gewinnen.

„Das Wunder von Marseille“ beruht auf dem Bestseller-Roman „Spiel um dein Leben, Fahim!“ der Autoren Fahim Mohammad und Xavier Parmentier. Fahim Mohammad, der 2013 Schachweltmeister in seiner Altersklasse wurde, ist heute 18 Jahre alt. Für Hauptdarsteller Depardieu ist „Das Wunder von Marseille“ bereits der dritte Film in diesem Jahr. Depardieu gehört seit Jahrzehnten nicht nur zu den beliebtesten sondern auch zu den umtriebigsten Schauspielern Frankreichs. Seit 2015 war er in 15 (Fernseh- oder Kino-) Filmen zu sehen.

Pierre François Martin-Laval hat sich für die Verfilmung einer Geschichte entschieden, die wahrhaft märchenhaft und schier unglaublich anmutet – und sich deshalb für eine Verfilmung regelrecht anbietet, wenn nicht sogar aufzwingt. Leider entscheidet sich der Filmemacher letztlich aber für eine allzu rührselige und pathetische Inszenierung sowie abgenutzte Plattitüden, die den Gesamteindruck merklich trüben. Obwohl Martin-Laval – gerade im ersten Drittel – viel richtig macht.

Da ist zum einen positiv hervorzuheben, dass er auf die bürokratischen Hürden sowie die schwierige Lage der Schutz- und Asylsuchenden speziell in Frankreich aufmerksam macht. Und ebenso das Zusammenspiel zwischen Mizanur Rahaman und Jungdarsteller Ahmed Assad, der erstmals vor einer Kamera stand, funktioniert ausgesprochen gut. Ab der Begegnung mit dem schroffen, groben Sylvain (Paraderolle für den brummigen Depardieu) verlaufen sowohl die zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso wie die weitere Handlung allerdings nach Schema F. Obwohl man zugeben muss, dass der mit einer martialischen („Schach ist Krieg“) und metaphorischen Ausdrucksweise auftretende Sylvain durchaus seine Momente hat.

Dennoch gestaltet sich die Beziehung zwischen ihm und Fahim nach altbekannten, wenig überraschenden Mustern (anfänglichem Misstrauen und Unbehagen folgt die tiefe Freundschaft). Auch die bemüht wirkende, dramatische Wendung um den in die Obdachlosigkeit abgleitenden, auf der Flucht befindlichen Vater ist vorhersehbar. Dazu gesellen sich viele äußerst schmalzige Szenen (Stichwort: Schnee), die die ohnehin gefühlsselige Story endgültig im Kitsch ertränken. Die überzogen traurigen (oder zumindest hochmelancholischen) Gesichtsausdrücke der Figuren passen sich dem wunderbar an.

Fazit: Das vom jungen Schachmeister Fahim Mohammad erzählende Drama „Das Wunder von Marseille“ ist die arg sentimentale, süßliche Verfilmung einer unglaublichen Geschichte, die nur in Anflügen und dank der Leistungen des jungen Hauptdarstellers und des Urgesteins Depardieu halbwegs funktioniert.

Bewertung: 4/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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