Das Schicksal ist ein mieser Verräter FilmkritikHazel Grace Lancaster (Shailene Woodley) ist ein 16-jähriges, kluges Mädchen, das aufgrund ihrer Krebserkrankung bisher keine leichte Jugend hatte. Vor drei Jahren diagnostizierten die Ärzte bei ihr Schilddrüsenkrebs. Dank einer besonderen Medikamentation kann sie aber zumindest einigermaßen ungehindert am Alltagsleben teilzunehmen und viele Dinge tun, die gesunde Teenager auch machen können. Eines Tages überreden sie ihre besorgten Eltern, an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen. Zunächst geht sie nur widerwillig dort hin, aber in dem charmanten Augustus (Ansel Elgort) lernt sie kurz darauf einen sehr interessanten Jungen kennen, der ihr die Besuche bei der Gruppe erträglich macht. Doch Augustus hält sie zunächst bewusst auf Distanz, davon überzeugt, dass ihre Beziehung angesichts der Erkrankung keine Chance hat. Ein Überraschungstrip nach Amsterdam, wo Hazels’ Lieblingsautor lebt, soll ihr beider Leben für immer ändern.

“Das Schicksal ist ein mieser Verräter” ist die Adaption des gleichnamigen Roman-Bestsellers von John Green von 2012, der die Dreharbeiten auch vor Ort in den Vereinigten Staaten und Holland intensiv begleitete. Regie führte der gerade einmal 34-jährige Filmemacher Josh Boone, der vor zwei Jahren mit der hinreißenden Liebes-Komödie “Love Stories” seinen Einstand gab. Die Gefahr, dass Adaptionen von literarischen Werken, die thematisch tödliche Krankheiten behandeln, in allzu pathetische Tränendrüsen- und Kitschgefilde abdriften, ist bekanntlich sehr hoch. Boones Film umschifft jedoch gekonnt diese Fallen, da er sich sehr eng an die großartige Roman-Vorlage hält, die sich trotz des melancholischen und letztlich bitteren Themas durch viel Heiterkeit, Hoffnung und Lebensfreude auszeichnete. Zu einer gelungenen Tragikomödie ohne falsche, aufgesetzte Sentimentalitäten machen den Film vor allem seine beiden jungen Hauptdarsteller.

Regisseur Boone zeichnet sich hier durch den konsequenten Verzicht auf den moralischen Zeigefinger und eine größtmögliche Natürlichkeit sowie Authentizität aus. “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” braucht keine Extra-Portion Hollywood-Kitsch und Blockbuster-Pathos um zu funktionieren, das haben Boone und seine mitwirkenden Autoren und Darsteller verstanden. Die beiden Hauptpersonen Hazel und Gus sind zwei völlig normale, geerdete und sympathische Teenager, die vor allem die Gemeinsamkeit der tödlichen Erkrankung eint – aber nicht nur: die Zwei strotzen trotz ihrer schwierigen Lage und Lebenssituation vor Lebenslust und -freude, sie genießen die gemeinsame Zeit und manchmal scheint es fast so, als wäre alles in bester in Ordnung. Zudem teilen sie das Interesse für Sprache und Literatur.

Großes Lob gebührt den beiden famosen Jung-Darstellern Shailene Woodley und Ansel Elgort, die ihre Figuren wahrhaftig und leidenschaftlich verkörpern, ohne dabei zu viel Tragik und Verzweiflung in ihr Spiel zu legen. Dies führt dazu, dass man stets mit den Protagonisten mitfühlt und hofft, die Krankheit am Ende doch noch irgendwie zu besiegen. Apropos Ende: Löblich ist es, dass Boone sich an den tragischen Schluss der Romanvorlage hält und auch hier auf die oft vorhandene, Hollywood-Glattbügelung und ein zufrieden stellendes Happy-End verzichtet. Konsequent und überzeugend.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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2 Comments so far »

  1.  

    Klaus Mabronisch said

    Juli 9 2014 @ 12:52

    Lange nicht mehr hat ein Film mich so derart intensiv getroffen. In nahezu jeder Familie tritt im Laufe des Lebens früher oder später die schreckliche Erkrankung Krebs auf und somit auch die tragische Erkenntis, dass Nahestehende eines Tages an dieser Krankheit sterben. Obwohl man für diesen Film dringend Taschentücher mitnehmen sollte, er groß- und schlicht einzigartig.

  2.  

    Lok said

    Mai 15 2019 @ 08:43

    Da ist ja selbst die Kritik besser geschrieben als das Buch; )

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