Das Boot Kritik

Mit „Das Boot“ schuf Wolfgang Petersen einen Klassiker des U-Boot-Kriegsfilms und einen der bekanntesten deutschen Filme überhaupt. In den Jahren zuvor in erster Linie durch die Regie einiger „Tatort“-Episoden in Erscheinung getreten, gelang auch Petersen mit dem Film der ganz große Durchbruch. Fast sechs Millionen Besucher stürmten in die deutschen Kinos, auch international wurde das klaustrophobische Kriegs-Epos gefeiert und ein Publikumsrenner. Die logische Konsequenz: „Das Boot“ wurde mit Preisen überhäuft (Bayerischer Filmpreis, Deutscher Filmpreis u.a.) und heimste sogar sechs Oscar-Nominierungen ein. Als Vorlage diente der gleichnamige Roman des Fotografen und Autors Lothar-Günther Buchheim, der 1973 sein Buch „Das Boot“ veröffentlichte, das auf seinen Erfahrungen und Erlebnissen als Marinesoldat und Kriegsberichterstatter auf dem U-Boot U96 während des zweiten Weltkriegs beruhte. Petersen gelang es eindrucksvoll und auf bis heute unerreichte Weise, die angespannte Stimmung, beängstigende Enge und nackte Todesangst an Bord eines U-Bootes auf die große Leinwand zu bringen.

Petersen legte von Beginn an größtmöglichen Wert auf Authentizität, weshalb teils auch an Originalschauplätzen wie etwa an der französischen Atlantikküste (La Rochelle) gedreht wurde. Auch am Bodensee (Außenszenen) und in der Nordsee (Sturmszenen) fanden Dreharbeiten statt. Besonders beeindruckend gelang der Crew der Nachbau der U96: Auf einer Länge von 55 Metern wurde das Innere des U-Boots originalgetreu nachgebaut. In den engen Gängen und Räumlichkeiten tummelte sich 1981 eine ganze Reihe von jungen Schauspielern, von denen einige in den nachfolgenden Jahren zu den bekanntesten deutschen Schauspielern aufsteigen sollten: Von Jan Fedder und Ralf Richer über Klaus Wennemann, Martin Semmelrogge und Heinz Hoenig bis hin zu Uwe Ochsenknecht und Claude-Oliver Rudolph. Jürgen Prochnow und Otto Sander waren bereits vor Beginn der Dreharbeiten bekannte deutsche Gesichter, die damals bereits auf eine jahrelange Schauspiellaufbahn zurückblicken konnten. Als Kriegsberichterstatter überzeugte ein junger Schauspieler und Sänger, ebenfalls ein bis dahin unbekanntes Gesicht: Herbert Grönemeyer.

Zur Story: Zweiter Weltkrieg, 1941: Die Besatzung des U-Bootes U96 feiert ein letztes Mal im französischen Hafen La Rochelle, bevor sie am nächsten Tag wieder in See stechen muss. Mit an Bord ist auch der Kriegsberichterstatter Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer), der die künftigen Geschehnisse an Bord aus seiner Perspektive schildert. Die Besatzung soll die von Alliierten beherrschte Meerenge von Gibraltar durchqueren und einen sicheren Hafen im besetzten Frankreich anlaufen. Trotz zahlreicher interner Spannungen und bedrohlicher Feindkontakte gelingt der riskante Durchbruch durch die Meerenge, aber am Ziel erwartet die erschöpfte Mannschaft ein vernichtendes Bombardement…

Auch 30 Jahre nach Erscheinen, fesselt „Das Boot“ noch immer. Das ist in erster Linie der bedrückenden und beklemmenden Atmosphäre geschuldet, in die Petersen seinen mehrstündigen, ungemein packenden Überlebenskampf einbettet. Der Zuschauer fühlt in jeder Sekunde die Gefahr, in der sich die U96 befindet, spürt die hohe Anspannung der Besatzung und kann nachempfinden, dass die Stimmung unter den Männern jederzeit kippen kann. Das Grauen, das an Bord allgegenwärtig ist und die Besatzung bis in die engen Kojen verfolgt, serviert Petersen auch dem Betrachter und packt ihn damit emotional. Er erzeugt diese Empfindungen beim Zuschauer mit eindringlichen, zu gleichen Teilen realistischen wie auch düsteren Bildern, unterfüttert mit der bedrückenden Musik von Klaus Doldinger. Doldinger sollte drei Jahre später erneut mit Petersen bei „Die unendliche Geschichte“ zusammenarbeiten. Überhaupt, „Das Boot“ zeichnet sich (neben des perfekt harmonisierenden Ensembles) auch und vor allem durch exzellente Einzelleistungen aus: Petersens Regie, Doldingers Score, die Kamera von Jost Vacano („Die unendliche Geschichte“, „RoboCop“). Die schauspielerischen Leistungen allen voran von Prochnow als wortkarger, verbitterter Kapitän und Grönemeyer als naiver Kriegsberichterstatter stehen dem in nichts nach.

Die hohe Authentizität sowie die äußerst beklemmende Atmosphäre und fast unerträgliche Spannung machen Petersens Kriegs-Drama zu einem der Besten seiner Art. Die Darstellerriege liest sich wie das Who’s Who des deutschen Nachkriegsfilms.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller:

  • Jürgen Prochnow
  • Herbert Grönemeyer
  • Klaus Wennemann
  • Hubertus Bengsch
  • Martin Semmelrogge
  • Bernd Tauber
  • Erwin Leder
  • Martin May
  • Heinz Hoenig
  • Uwe Ochsenknecht
  • Claude-Oliver Rudolph
  • Jan Fedder

Erscheinungsjahr:
1981 / Deutschland

Regie:
Wolfgang Petersen

Das Boot Trailer




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