Creep Kritik

Deutsche Horrorfilme sind oft nicht als solche beabsichtigt gewesen, siehe etwa „Daniel – Der Zauberer“, der seit Jahren erfolgreich Deutschlands Beitrag in den „Bottom 100“ von IMDB darstellt. Durchaus beabsichtigt war hingegen der Horror im 2004 produzierten „Creep“ einer deutsch-britischen Produktion mit Franka Potente in der Hauptrolle, die somit vier Jahre nach dem Kinohit „Anatomie“ erneut in filmische Bedrängnis geriet. Auch wenn der erhoffte Erfolg ausblieb: Horrorfans oder jene, die auf dem Weg dorthin sind, kommen an diesem Streifen kaum vorbei.

Ob der fast zur Gänze in der Londoner Metro spielende Slasher-Film tatsächlich creepy ist oder mehr verspricht, als er letztendlich halten kann, erfahrt ihr in nachfolgender Kritik.

Wer zu spät aufwacht, den bestraft das Leben
Für den routinierten Kanalarbeiter Arthur (Ken Campbell) ist der Gang in die Unterwelt nichts Neues. Ganz im Gegensatz zu seinem unfreiwilligen neuen Mitarbeiter George (Vas Blackwood), der wegen Drogenhandels eine Zeitlang mitarbeiten muss, was diesem natürlich mindestens genauso sehr stinkt, wie es in der Kanalisation riecht. Doch gleich sein erster Arbeitstag erweist sich als aufregender, als er sich dies vorstellte: Arthur wird von einem unbekannten Angreifer getötet. Und irgendjemand – oder irgendetwas? – schleicht sich in den engen Kanälen an George heran …

Derweil hat Kate (Franka Potente) ganz andere Probleme. Nach dem Besuch einer Londoner Schickimicki-Party, bei der sie als Modelagentin Fuß zu fassen hoffte, ist sie fix und fertig und möchte nur nach Hause ins Bett. Um sich die Wartezeit auf die nächste U-Bahn zu verkürzen, trinkt sie ein Fläschchen Wodka. Keine gute Idee: Die Wirkung des Alkohols lässt die Übermüdete rasch einschlummern. Sie versäumt nicht nur die letzte Bahn, sondern wird sogar in der Metro eingeschlossen. Zu ihrer Erleichterung trifft schließlich doch noch eine Bahn ein, in die sie sogleich einsteigt. Aber diese hält unvermittelt nach kurzer Fahrt.

Kate bemerkt, dass sie nicht die einzige Passagierin ist. Der völlig zugekokste Guy (Jeremy Sheffield), den sie auf der Party abgewimmelt hat, ist ebenfalls zugegen und möchte sich für die Schmach rächen. Sein Vergewaltigungsversuch endet jedoch abrupt: Die Tür öffnet sich und Guy wird von jemandem aus dem Waggon gezerrt und schwer verwundet. Für Kate ist dies erst der Anfang für eine wahre Horrortour. Denn ihr wird rasch bewusst, dass sie im unterirdischen Labyrinth mit einem kaltblütigen Mörder eingeschlossen ist. Da hilft nur noch eins: Beine in die Hand und schneller laufen, als der Irre …

Letzte Station: Schlachthof!
Das Konzept eines irren Killers in der U-Bahn klingt ebenso vertraut wie die Fahrt mit einem Waggon, der plötzlich in einer unbekannten Station stehen bleibt, sowie einem Passagier, der die letzte Bahn verschläft? Dies sollte nicht weiter verwundern, hatte doch schon zwei Jahrzehnte zuvor der britische Horrorautor Clive Barker mit seiner Kurzgeschichte „Der Mitternachtsfleischzug“, auf dem der 2008 entstandene Film „The Midnight Meat Train“ basiert, den Blick unter die Oberfläche der gewohnte Alltagswelt der Häuser, Straßen und Einkaufspassagen riskiert. Und wie weiland Clive Barker, fördert auch Regisseur Christopher Smith ziemlich Blutiges zu Tage.

Allerdings wäre es im höchsten Maße unfair, „Creep“ mit der Kurzgeschichte „Der Mitternachtsfleischzug“ zu vergleichen. Während Barkers Schlächter methodisch vorgeht, ist Smiths Psychopath kaum mehr als ein ganz gewöhnlicher Irrer. Darin liegt denn auch eine der Schwächen des ansonsten kurzweiligen Slasher-Films. Der gezwungen wirkende, halbherzige „Erklärungsversuch“ der Herkunft des „Creep“ vermag weder zu überzeugen, noch ergibt dieser selbst im Kontext eines nicht unbedingt nach realistischen Maßstäben zu messenden Horrorfilms kaum Sinn.

Sei’s drum: Weitaus wichtiger sind eine spannende Handlung und gelungene Ekeleffekte. In diesen Punkten liefert „Creep“ zwar kein Glanzstück ab, weiß aber auf bescheidenem Niveau zu unterhalten. Die stärksten Momente bietet der Film, wenn er sich auf das Wesentliche konzentriert und Kate sowie ihre unfreiwilligen Mitstreiter auf dem Weg durch das verwirrende Tunnelsystem begleitet. Szenenweise schleichen sich gar Erinnerungen an die Kameraführung in Wolfgang Petersens Meisterwerk „Das Boot“ ein: Klaustrophobische Enge und das Gefühl des äußeren Mächten Ausgeliefertseins treiben das Adrenalin des Zusehers in die gewünschte Höhe.

Die Effekte sind äußerst solide umgesetzt und reichen von düsteren Schauplätzen bis hin zu spitzen Gegenständen (Stilettos, Haken, etc.) in diversen Körperstellen. Wo genau, spielt eigentlich keine Rolle: Weh tut es überall!

Solider Horrorstreifen

Natürlich könnte man einige logische Unzulänglichkeiten bemängeln. Ein Fahrgast, der auf der Bank einschläft, wird mit Sicherheit in keinem U-Bahnsystem der Welt einfach „vergessen“ und eingeschlossen. Ebenso schleierhaft bleibt die Frage, ob sich Guy absichtlich einschließen ließ, um sich an Kate vergehen zu können. An die Superkräfte und übersinnlichen Fähigkeiten psychopathischer Killer hat man sich längst gewöhnt; ebenso an das Klischee, dass dieser unzählige Anschläge auf sein Leben überlebt. Und wer hielt es eigentlich für eine tolle Idee, Franka Potente ein Kleid tragen zu lassen, das höchstens als Tischdecke beim Kindergeburtstag tauglich wäre?

„Creep“ ist ein Film, auf den man sich einlassen können muss, ohne bei jeder Unstimmigkeit den Realismusgehalt zu hinterfragen. Schafft man dies, wird man mit einem 90-minütigen Horrorstreifen der soliden Art belohnt.

Fazit: Kein Meisterwerk, nicht unbedingt logisch nachvollziehbare Handlungen; dafür spannende Unterhaltung für Zwischendurch.


Darsteller

  • Franka Potente … Kate
  • Vas Blackwood … George
  • Jeremy Sheffield … Guy
  • Paul Rattray … Jimmy
  • Kelly Scott … Mandy
  • Ken Campbell … Arthur
  • Sean Harris … Craig
  • Kathryn Gilfeather … Mädchen
  • Grant Ibbs … Mann
  • Joe Anderson … Model
  • Sean De Vrind … Freund
  • Ian Duncan … Freund
  • Debora Weston … Mya
  • Emily Gilchrist … Karen
  • Craig Fackrell … Obdachloser

Regie
Christopher Smith

Produktionsland, Jahr
GB/Deutschland, 2004

Creep Trailer




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