Creed II: Rocky’s Legacy Kritik

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Adonis Creed (Michael B. Jordan) ist am Ziel seiner Träume angelangt: der aus einfachsten Verhältnissen stammende Mann hat sich mit Ausdauer und Willenskraft bis ganz nach oben gekämpft. Als Weltmeister ist der damit auch endlich in die Fußstapfen seines Vaters Apollo Creed getreten. Die Tatsache, dass Creed den Weltmeistertitel gegen einen schwachen, in die Jahre gekommenen Gegner gewonnen hat, ruft jedoch einen alten Widersacher von Rocky (Sylvester Stallone) auf den Plan. Kein Geringer als der ehemalige Sowjet-Boxer Ivan Drago (Dolph Lundgren) fordert Creed heraus, gegen seinen Sohn Viktor Drago (Florian Munteanu) zu kämpfen. Creed nimmt die Herausforderung an, worüber Rocky allerdings alles andere als glücklich ist. Er weigert sich zunächst sogar, seinen Schützling weiter zu trainieren. Der Grund liegt in der Vergangenheit: Rocky weiß um die Gefahr, die von den Dragos ausgeht. Schließlich wurde Apollo Creed vor 34 Jahren im Ring von Ivan Drago getötet. Hinzu kommen für den Champion private Sorgen. Creeds gehörlose Freundin ist schwanger und das Baby könnte ebenfalls taub sein.

Vor drei Jahren gelang es Sylvester Stallone und Regisseur Ryan Coogler, die legendäre „Rocky“-Reihe erfolgreich wiederzubeleben. Das Franchise wurde entstaubt, mit einem charismatischen Michael B. Jordan in der Hauptrolle besetzt und damit einer jüngeren Generation zugänglich gemacht. Der Erfolg zeigte sich an der Kasse: „Creed“ spielte 2015 fast 180 Millionen US-Dollar ein, deutlich mehr als der unmittelbare Vorgänger „Rocky Balboa“ von 2006. Nicht mehr Coogler sondern der 30-jährige Steven Caple Jr. saß nun bei „Creed II“ auf dem Regiestuhl. Erstmalige Aufmerksamkeit erregte er 2016 mit seinem Indie-Drama „The Land“, das gerade einmal eine Million Dollar kostete. Für „Creed II“ stand ihm ein Budget von 50 Millionen Dollar zur Verfügung.


Ryan Coogler gelang mit „Creed“ vor wenigen Jahren der vermutlich stärkste Teil der mittlerweile acht Filme umfassenden Reihe, nicht zuletzt dank der eindringlichen, kraftvoll inszenierten Boxkämpfe. Ein hohes Maß an (sportlichem) Realismus und damit die Abkehr von den übertriebenen Hau-drauf-Showkämpfen der Stallone-Ära war mit ausschlaggebend für den kommerziellen wie künstlerischen Erfolg des Films. Der Schwerpunkt in „Creed II“ liegt derweil eindeutig nicht auf den Box- bzw. Kampfszenen. Das merkt man unter anderem daran, dass Caple Jr. dem Innenleben von Creed sowie seinen privaten Sorgen weit mehr Beachtung schenkt als Coogler im Vorgänger. Außerdem zeigt sich dies an der technisch zwar einwandfreien allerdings auch wenig mitreißenden Art und Weise, wie der Hauptkampf zwischen Creed und Drago in Szene gesetzt wird.

Viel zu oft und gerade wenn es spannend wird zoomt Caple Jr. in den entscheidenden Momenten aus dem Ring, schwenkt ins Publikum oder setzt zum Schnitt an. Das ist deshalb schade, da er den Finalkampf so lange und aufwendig – unter anderem durch die etwas ermüdenden Vorbereitungskämpfe zuvor – aufbaut bzw. ankündigt. Aber: Wenn sich Stallone und Lundgren als frühere Erzfeinde Balboa und Drago erstmals nach über 30 Jahren am Boxring wieder direkt in die Augen sehen, dann ist das schon ein beeindruckender, äußerst stimmungsvoller Moment. Einer, der gerade bei den Rocky-Nostalgikern und Fans des kultisch verehrten vierten Teils von 1985 Gänsehaut erzeugen wird.

Überhaupt liefern die Darsteller wie schon in „Creed“ überzeugende Darbietungen. Michael B. Jordan zeigt als erfolgreicher Champion und gereifter Mann (er ist mittlerweile verlobt und hat eine Familie) mit unbändigem Siegeswillen und Mut erneut eine Glanzleistung. Sylvester Stallone verleiht seiner Figur, nicht zuletzt aufgrund der Nachwirkungen der Krebserkrankung, ein hohes Maß an Altersmüdigkeit und Melancholie. Und der grimmig dreinblickende Dolph Lundgren hat sichtlich Spaß dabei, wieder in die Rolle zu schlüpfen, die ihn einst bekannt gemacht hat.

Und einen großen Vorteil hat eben jene Konzentration auf das Seelen- und Familienleben von Creed zweifelsfrei: Dieser Umstand verleiht dem Werk nämlich eine Vielschichtigkeit und komplexe emotionale Ebene, die Kritiker wohl keinem weiteren Film der Reihe zugetraut hätten. Creeds wichtigster Kampf findet so nicht im Ring sondern abseits des sportlichen Treibens an der Seite seiner künftigen Frau statt, die an der Sorge, ihr Kind könnte ebenfalls gehörlos zur Welt kommen, zu zerbrechen droht.

Fazit: Auch wenn „Creed II“ nicht ganz an die unbändige Energie und Dynamik des Vorgängers heranreicht, gelingt Jung-Regisseur Capler Jr. ein sehenswertes, stimmiges Boxer-Drama, das mit zwischenmenschlicher Tiefe und Komplexität überrascht.

Bewertung: 7/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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