Closet Monster Kritik

Closet Monster KritikOscar (Jack Fulton/Connor Jessup) ist ein sensibler, intelligenter Teenager, der vor allem an Malerei und Fantasy-Filmen interessiert ist. Diese Filme sind es auch, die ihn zu seinen Zeichnungen inspirieren. Gemeinsam mit seinem Vater (Aaron Abrams) lebt er in einer kleinen, abgeschiedenen Stadt im kanadischen Neufundland, doch die Enge des Kleinstadt-Lebens will er schnellstmöglich hinter sich lassen. Nebenher jobbt er im örtlichen Baumarkt, in dem es eines Tages zu einer schicksalhaften Begegnung kommt: er lernt den aufmüpfigen Wilder (Aliocha Schneider) kennen, in den er sich verliebt. Doch in dem alles andere als liberalen kleinen Städtchen ist es nicht leicht, sich zu seiner Sexualität zu bekennen. Zudem liegt ein traumatisches Erlebnis aus der Vergangenheit, wie ein Schatten über Oscars Dasein.

Regisseur und Drehbuchautor Stephen Dunn begab sich für diesen Film zurück in seine Heimat St. John‘s in Neufundland, die im äußersten Osten Kanadas liegt. Dort fanden die Dreharbeiten für den Film statt, der auf zahlreichen internationalen Festivals mit Preisen ausgezeichnet wurde. So erhielt er z.B. auf dem Toronto Film Festival 2015, die Auszeichnung als bester kanadischer Film. „Closet Monster“ ist der erste Langfilm des gerade einmal 27-jährigen Dunn, der zuvor etliche Kurzfilme drehte. Neben den talentierten aber weitgehend unbekannten Jungdarstellern sind hier auch einige bekannte Namen zu sehen (bzw. zu hören), so z.B. Serien-Darsteller Aaron Abrams („Hannibal“) oder auch die Italienerin Isabella Rossellini („Blue Velvet“).

Filme über Teenager, die sich und ihre Sexualität nur schwer akzeptieren können und sie beim Kampf gegen die intolerante Umwelt zeigen, gibt es etliche. Viele dieser Filme folgen demselben inhaltlichen und dramaturgischen Muster. Dazu gehört „Closet Monster“, der sich nur schwer einem Genre zuordnen lässt, ganz sicher nicht. Am ehesten ist er vielleicht noch als unkonventioneller Mix aus Familien- und Selbstfindungs-Drama, Coming-of-Age sowie surrealem, nicht selten an David Lynch erinnernden Bilderrausch, zu beschreiben. Dabei sind es vor allem die außergewöhnliche, betörende Optik und die vielen gelungenen – visuellen und akustischen – Einfälle, die „Closer Monster“ so besonders machen. Auch bei David Lynch ist der Soundtrack seit jeher ein wichtiges Stilmittel, um den Gefühlen der Figuren Ausdruck zu verleihen und auch bei Lynch verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit oft zu surrealen, bizarren Bilderwelten. Auch bei „Closet Monster“ ist das so.

Exemplarisch hierfür steht eine traumwandlerische, sinnliche Szene auf einer Party, in der Traum und Realität zu verschwimmen scheinen, und Regisseur Dunn u.a. mit unscharfen Bildern und einem betörenden, düster-stilisierten Sounddesign arbeitet. Sound und Musik stellen ohnehin einen weiteren großen Reiz des Films dar. Von elektro- und synthie-poppigen Klängen und Tönen durchzogen, faszinieren auch die längeren Musikstücke des Soundtracks mit ihrer stets hypnotischen, fiebrigen Atmosphäre. Die Lieder, u.a. von der Singer-Songwriterin Allie x und der argentinischen Indie-Pop-Künstlerin Tei Shi, spiegeln immer wieder auch den aktuellen Gefühlszustand von Hauptfigur Oscar wider.

Das ein oder andere Klischee kann sich der Film zwar nicht verkneifen (etwa die lüstern-verstohlenen Blicke in der Umkleide oder die Homophobie des Vaters), diese bilden aber die Ausnahme und sind problemlos zu verschmerzen. Schmerzhaft sind vielmehr die Szenen, die sich bei Oscar eingebrannt haben, als er – vor einigen Jahren und kurz nach der Scheidung der Eltern – ein abscheuliches Verbrechen an einem schwulen Jungen beobachtete. Dieses Erlebnis hinterließ bei ihm tiefen Spuren und tritt im Laufe der Handlung – in Form teils heftiger, blutiger Bilder – immer wieder zu Tage.
Ablenkung von diesen Gewaltausbrüchen verschaffen dann wieder einige skurrile und abseitige Einfälle, wie z.B. ein sprechender Hamster, mit dem Oscar seine Ängste und Emotionen teilt. Im Original spricht diesen die Italienerin Isabella Rossellini, einstige Muse und Lebensgefährtin von, und damit schließt sich der Kreis, David Lynch.

Fazit: Was nach einem gängigen Coming-Out-Film nach bekannter Rezeptur klingt, erweist sich als unkonventioneller, höchst atmosphärischer Genre-Mix. Vor allem die hypnotische Bildsprache, der fiebrig-flirrende Soundtrack und die vielen bizarren, effektiven Einfälle sind es, die den Film so sehenswert machen.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Harry said

    Oktober 30 2016 @ 18:50

    den Film muss man unbedingt sehen. Danke für Info darüber!

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