Captain America Kritik

Pünktlich zum 70. Geburtstag verpasst Marvel nun auch einem seiner letzten großen Superhelden des eigenen Comic-Universums eine filmische Frischzellenkur: Captain America. In seinem farblich der US-amerikanischen Nationalflagge nachempfundenen Kostüm und mit unzerstörbarer Wurfwaffe ausgestattet, kämpfte der patriotische, junge Amerikaner Steve Rogers alias Captain America ab 1941 gegen das verhasste nationalsozialistische Regime, dessen Grausamkeit und Stärke sich in dem Nazi-Superschurken Johann Schmidt manifestierte.

Die Comiczeichner Jack Kirby und Joe Simon kreierten den Superhelden 1941, in dem Jahr also, in welchem die Vereinigten Staaten aktiv in das Krieggeschehen eingriffen. Kirby und Simon wollten einen Helden mit menschlichem Antlitz und ebensolchen Schwächen als Identifikationsfigur schaffen, der sich durch Mut, Stärke und aufopfernden Einsatz für das Vaterland auszeichnet und damit bestens zu propagandistischen Zwecke eingesetzt werden konnte. Die USA hatten nun ihren eigenen Superhelden, ihren eigenen Nationalhelden. Hit-Regisseur Joe Johnston („Jumanji“, „Wolfman“) bringt mit „Captain America – The First Avenger“ nun die Geschichte vom schmächtigen Jungen, der zum Supersoldaten umfunktioniert wird, in modernem und aufpoliertem Gewand in die Kinos.

Der junge Amerikaner Steve Rogers (Chris Evans) möchte unbedingt als Soldat für sein Heimatland im Zweiten Weltkrieg dienen und gegen die Nazis und deren Saboteure kämpfen. Das Problem: Rogers ist dünn, schmächtig, klein und damit nicht für den Kriegseinsatz geeignet. Folglich wird er mehrfach ausgemustert und vom Militär als „nicht tauglich“ eingestuft. Doch der Zufall meint es gut mit ihm: Der aus Deutschland emigrierte Wissenschaftler Abraham Erskine (Stanley Tucci) wird auf Rogers aufmerksam und erkennt dessen wahren Mut und Charakter. Der optimale Kandidat für ein streng geheimes militärisches Experiment: Im Auftrag des Militärs erprobt Erskine ein von ihm entwickeltes revolutionäres Serum an Rogers. Der Testversuch gelingt: Das Serum verwandelt den schmächtigen Jüngling in einen mit unglaublichen Kräften ausgestatteten Super-Soldaten. Zuerst nur für PR- und Propagandazwecke genutzt und eingesetzt, muss Captain America bald seine ganze Stärke beweisen, als sich der größenwahnsinnige Nazi Johann Schmidt nach einem Selbstversuch mit einer Vorstufe von Erskines Serum in den dämonischen Superschurken Red Skull verwandelt und die Weltherrschaft anstrebt…

Regisseur Johnston gelingt es, den angestaubten und in die Jahre gekommenen Helden „Captain America“ im Superhelden-Kino der Gegenwart zu platzieren. Die wohl größte Stärke des Films ist dabei sein angenehm altmodischer Erzählton, der sich nicht in überzogener und allzu überladener Effekthascherei verliert (wozu moderne Comic-Verfilmungen mit hohem Budget nicht selten neigen), sondern sich viel Zeit und Raum für die Entwicklung seiner Hauptperson nimmt. Behutsam zeichnet der Film die Entwicklung und Verwandlung von Steve Rogers in den Ur-amerikanischen Supersoldaten „Captain America“ nach und verdeutlicht dessen Motivation, Beweggründe und Überzeugungen. Der Film konzentriert sich in erster Linie auf Story und Charaktere. Action und Effekte müssen sich (zunächst) unterordnen. Dieser Umstand hebt „Captain America“ positiv von Konkurrenzprodukten ab, die eher auf Optik und CGI denn auf Charakterzeichnung und Plot setzen. Demzufolge überzeugt die erste Hälfte des Films auf ganzer Linie.

In der zweiten Hälfte und nach der Verwandlung in „Captain America“ zieht Johnston die Action-Schraube dann merklich an und auch die optischen Schauwerte entwickeln sich in Form von Computeranimationen und Hochglanz-Optik nun zu einem zentralen Bestandteil. Getreu dem Motto: Weniger Story, mehr Action. Dadurch verliert der Film jedoch zunehmend an Substanz und verspielt den zuvor erworbenen filmischen Anspruch. Die in epischer Breite dargestellten, ermüdend langen Action-Szenen verlangen dem Zuschauer Durchhaltevermögen und Geduld ab. Ärgerlich ist auch das pathetische Ende, in dem nochmals der Stereotyp des Superhelden als der Welt letzte Rettung bemüht wird. Die Darsteller (insbesondere Chris Evans in der Hauptrolle und Hugo Weaving als Nazi-Scherge Schmidt) liefern solide aber letztlich doch eher harmlose Leistungen ab, die jederzeit austauschbar erscheinen.

„Captain America“ bietet eine großartig unterhaltende erste Filmhälfte, die sich Zeit für die Story und deren Charaktere nimmt. In der zweiten Hälfte verliert sich der Film jedoch in seinen ermüdenden Action-Sequenzen und enttäuscht mit einem affektierten Ende.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller:

  • Chris Evans
  • Hugo Weaving
  • Stanley Tucci
  • Tommy Lee Jones
  • Richard Armitage
  • Natalie Dormer
  • Dominic Cooper
  • Hayley Atwell
  • Sebastian Stan
  • Toby Jones
  • Neal McDonough
  • Derek Luke

Regie:
Joe Johnston

Herstellungsland/Erscheinungsjahr:
USA/2011

Captain America Trailer


Weitere Filme/Informationen:

3 Comments so far »

  1.  

    Martin said

    September 5 2011 @ 14:45

    Sehr informativer Artikel. Die angespochenen Punkte sind mehr als zutreffend. Habe mir den Film letze Woche angeschaut und war leider ziemlich enttäuscht. Die Vorschau hatte mehr Spannung als der ganze Film. Ich empfand es ebenfalls so, dass die erste Hälfte garnicht so schlecht war. Aber danach nahm die Qualität des Films einfach nur noch ab. Das Ende war sowas von langweilig…3D kann man das ebenfalls nicht nennen, da die Effekte mehr als ernüchternd waren. Naja nächstes mal mach ich mich vorher erst über Kritiken schlau, bevor ich 11 € für soetwas ausgebe…-_-

  2.  

    Lennard said

    April 24 2014 @ 13:15

    Hallo,

    kann nur bestätigen, dass es ein sehr informativer Artikel ist. Obwohl der Film schon etwas älter ist, habe ich mir ihn letztens angeschaut und fand ihn grundsätzlich gar nicht so schlecht.

    Ich kann ihn weiterempfehlen, allerdings finde ich die Geschichte sehr fad und langwierig. Da könnte man sich etwas kürzer fassen.

  3.  

    Sandrina said

    Februar 19 2016 @ 12:00

    Der Film ist ein Traum. Die Beschreibung ist passend, allerdings für mich ein wenig zu langatmig. Ich langweile mich einfach extrem schnell, muss ich leider zugeben.

Comment RSS · TrackBack URI

Leave a comment

Name: (Required)

eMail: (Required)

Website:

Comment: