Born to be blue Kritik

Born to be blue Filmkritik

Chet Baker (Ethan Hawke) gehört in den 50er-Jahren zu den gefeiertsten und erfolgreichsten Jazz-Musikern. Er kennt die Größen der Szene, darunter Miles Davis und Bobby Gilliespie, persönlich und wird als Musik-Wunderkind bezeichnet. Dann aber beginnt sein Ruhm zu bröckeln: Baker, der aufgrund seines melancholischen Blicks und sanften Gesangs auch immer ein großer Frauenheld war, stürzt in den Drogensumpf. Das Heroin treibt ihn zunächst zwar an und sorgt für Kreativitätsschübe, die Depression nach dem Rausch aber ist umso heftiger. Als ihm nach einer Schlägerei auch noch der Kiefer zertrümmert wird und Baker alle Vorderzähne verliert, droht das endgültige Karriereende. Doch die Schauspielerin Jane (Carmen Ejogo), in die sich Baker verliebt, treibt ihn an und gibt ihm Mut. Allmählich kämpft sich Baker wieder ins Rampenlicht. Bis sich seine Drogensucht zurückmeldet.

Er gilt bis heute als einer der besten Trompeter aller Zeiten und gehörte bis Mitte der 60er-Jahre zu den ganz Großen des Jazz: Chet Baker. Das Musiker-Drama „Born to be blue“ widmet sich einem Ausschnitt aus dem Leben des „James Dean des Jazz“, wie der charismatische Künstler einst genannt wurde. Inszeniert wurde der Film von Robert Budreau, der 2006 mit dem Mystery-Drama „That beautiful somewhere“ einem breiteren Publikum bekannt wurde. „Born to be blue“ erlebte seine Weltpremiere auf dem Toronto Filmfest 2015 und kostete rund 10 Millionen Dollar. Die Hauptrolle übernahm Ethan Hawke, der zuletzt in „Die glorreichen Sieben“ (2016) auf der Leinwand zu sehen war. Hawke lernte für seine Rolle extra Trompete spielen.


In „Born to be blue“ zeigt Ethan Hawke zweifelsfrei eine seiner besten Karriereleistungen bisher. So fragil und emotional hat man Hawke zuletzt höchstens noch in „Before the devil knows you’re dead“ (2007) gesehen. Mit enormer Leinwandpräsenz, der typischen Baker-Diktion und einer Gestik und Mimik, die dem Original verblüffend nahe kommt, erweckt er den großen Jazz-Trompeter in „Born to be blue“ zum Leben. Hawke überzeugt dabei auch und gerade in den Momenten, die ihn beim Musizieren zeigen: an der Trompete und beim Singen. Das war vorher nicht unbedingt zu erwarten, galt Hawke doch nicht gerade als der geborene Sänger. Doch für die Rolle des Chet Baker, eignete er sich auch einen zarten, zerbrechlich-melancholischen Gesang an. Genau so, wie für Baker typisch.

Die stärksten Szenen des Films zeigen Hawke als Baker in den verrauchten, atmosphärischen Jazzclubs wie etwa dem „Haig“ in Los Angeles oder dem New Yorker „Birdland“, benannt nach dem legendären Saxophonisten Charlie Parker. Wenn Baker (bzw. Hawke) seinem Instrument die zugleich wildesten und erhabensten Töne entlockt und ganz bei sich ist, scheint die Welt in Ordnung. Dann vergisst Baker, der spätestens ab den mittleren 60er-Jahren immer tiefer in den Drogensumpf rutschte, den Rubel um seine Person. Denn in den 50er- und frühen 60er-Jahren schien sein Stern ungemein hell: er wurde als „Prince of cool“ gefeiert, spielte Seite an Seite mit dem Saxophon-Virtuosen Gerry Mulligan und landete mit seiner Version der Ballade „My funny valentine“ einen großen Hit.

Hawke trumpft aber auch in den melancholischen und tragischen Momenten und Szenen auf, etwa in jener, die weitreichende Folgen für Baker und seine Karriere haben wird. Bei einer Schlägerei im Sommer 1966, verlor der Musiker einen Großteil seiner (Vorder-)Zähne, was für einen Trompeter der Super-Gau ist. Denn ohne Vorderzähne, hat das Instrument keinen Halt. Fortan musste Baker in mühevoller Kleinarbeit wieder das Spielen erlernen.

Regisseur Budreau nutzt in „Born to be blue“ immer wieder stilvolle, anmutig gefilmte Schwarz-Weiß-Sequenzen, die als Rückblick in die Vergangenheit dienen. Als Rahmen hierfür dient ein Film über das Leben des Musikers, den es so in der Realität aber nie gab. Der Ansatz mit dem fiktiven Film-im-Film ist zwar durchaus interessant und bringt Schwung in die Inszenierung. Allerdings zeigt er auch ein Problem der Produktion auf, das anderer Stelle weitaus deutlicher zum Vorschein kommt: bei der Figur der Schauspielerin Jane und allen mit ihr einhergehenden Ereignissen im Film. Denn auch an dieser Stelle wird das Werk rein fiktional. Das Fiktionale überragt hier nochmals das Reale, da Jane im Film eine so tragende Rolle spielt und ihr viel Leinwandzeit zukommt.

Denn Jane, die weibliche Hauptfigur in „Born to be blue“, hat nie existiert, sie dient rein dramaturgischen Gesichtspunkten. Insofern kann der Film auch nicht als Biopic angesehen werden, da der Anteil der erfundenen Elemente und Inhalte zu hoch ist. Zu häufig kommt es zu einer deutlichen, unglücklichen Vermengung von Realität und Fiktion, die demjenigen Zuschauer, der nicht mit Bakers Leben bzw. Biographie vertraut ist, den Anschein vermittelt, alles im Film Gezeigte hätte tatsächlich so stattgefunden. Und jegliche Personen hätte es genauso in der Realität gegeben.

Fazit: Herausragend gespieltes, in stilvolle Bilder gekleidetes Musiker-Drama, dessen fiktionale Anteile leider überwiegen. Dadurch fällt es schwer, sich dem realen Charakter zu nähern.

Bewertung 3/5

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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