Blade Runner 2049 Kritik

Blade Runner 2049 Kritik

L.A., 2049: LAPD-Officer K (Ryan Gosling) ist ein Blade Runner und damit auf die Jagd und Eliminierung von Replikanten spezialisiert. Und er ist einer der besten. Damit steht er in einer Reihe mit dem legendären Blade Runner Rick Deckard (Harrison Ford), der allerdings seit genau 30 Jahren verschollen ist. Eines Tages kommt K einem lange gehüteten Geheimnis auf die Spur und seine Vorgesetzte (Robin Wright) will dafür sorgen, dass dieses gewahrt bleibt. Doch ist sie nicht die Einzige, die Wind von K’s Entdeckung bekommt. Es dauert nicht lange und der schwerreiche Großindustrielle Wallace (Jared Leto) hetzt seine brutale Killerin (Sylvia Hoeks) auf K. Der Cop muss fliehen. Außerdem beschließt er jene Person zu suchen, die ihm Antworten geben kann: Rick Deckard. Nach seiner Flucht durch das vermüllte San Diego und das radioaktiv durchsetzte Las Vegas, trifft K schließlich auf den legendären Blade Runner.

35 Jahre nach dem zum Kult-Film gewordenen „Blade Runner“ von Ridley Scott, erscheint mit „Blade Runner 2049“ das offizielle Sequel. Ursprünglich wollte Scott auch hier Regie führen, war aufgrund eines anderen Projekts („Alien: Covenant“) zu Beginn der Dreharbeiten jedoch unpässlich. Schließlich fungierte er als ausführender Produzent und ließ Denis Villeneuve, der „Blade Runner 2049“ inszenierte, freie Hand bei der Ausgestaltung seiner künstlerischen Ideen. Gedreht wurde u.a. auf Island, in Spanien sowie Ungarn. Das Original entstand Anfang der 80er-Jahre noch in den USA und in England. Villeneuve („Sicario“, „Enemy“) gilt neben Darren Aronofsky („Mother!“) als der gegenwärtig gefragteste Filmemacher der Welt. Durch sein Sci-Fi-Drama „Arrival“ (2016) war er bereits mit einigen wesentlichen Elementen sowie Stimmungen des Genres, vertraut. Gerüchten zufolge wird er das nächste Bond-Abenteuer verantworten.


Meister-Regisseur Denis Villeneuve gebührt Respekt, da er aufgrund des fast unerreichbaren Kult-Status des Originals und der hohen Erwartungen an ihn und den Film, nicht in Schockstarre verfiel. Stattdessen denkt der Kanadier viele Sujets und Inhalte des Erstlings hier konsequent weiter, stellt neue Bezüge her und führt Erzählstränge sowie Andeutungen aus „Blade Runner“ auf gelungene Art zusammen. So bringt er seine ganz eigene, individuelle Vision vom Leben in einem futuristischen L.A., auf die Leinwand. Eine Vision, die sich auch optisch doch recht deutlich von der Visualität des Originals absetzt.

Denn die Tatsache, dass mittlerweile 30 Jahre seit den Geschehnissen von damals vergangen sind, hat gerade auf den visuellen Stil von „Blade Runner 2049“ Einfluss. 30 Jahre der fortschreitenden technischen Entwicklung, die sich u.a. in Form hochmoderner, technologisch aufgerüsteter fliegender Fortbewegungsmittel zeigt. Hinzu kommt die gestiegene Bedeutung von Hologrammen und der Digitalisierung. Dieser Umstand hat nicht zuletzt Einflüsse auf das Stadtbild: es wimmelt nur so vor holografischer Reklame und neonfarbenen, hell erleuchteten Werbetafeln, die die dunklen, düsteren Straßenzüge erleuchten. Die Hologramme haben darüber hinaus Einzug in das Privatleben der Menschen gehalten: dreidimensionale Kopien humaner Vorbilder, mit denen die Bewohner sogar (Liebes-) Beziehungen eingehen. Darunter auch der von Ryan Gosling mit stoischer Miene und angenehmem, unaufdringlichem Gestus verkörperte Blade Runner.

Ansonsten aber kommt das L.A. des Jahres 2049 als triste, überbevölkerte und verdreckte Riesen-Metropole daher, in der sich die Androiden (die Replikanten) vermehrt unter die Menschen gemischt haben. Die Städte erscheinen noch trostloser und weit weniger lebenswert als vor 30 Jahren. Die aufwendigen, futuristischen Kulissen und unheilvollen Schauplätze werden von Villeneuve in bestechenden Bildern und selten gesehener Plastizität eingefangen. Überhaupt die Optik und der visuelle Reichtum des Films: sie sind ein Ereignis und gehen Hand in Hand mit den zwar wenigen, aber großartig choreografierten Action- und Kampfszenen (eine der dringlichsten gleich zu Beginn zwischen Gosling und Bond-Bösewicht Dave Bautista) und den vielschichtigen, intensiven Darsteller-Leistungen. Und: sie sind perfekt in den Handlungsverlauf und die Dramaturgie eingebunden.

Die Schauwerte erscheinen daher – zu Recht – als eigener Hauptdarsteller im Film, unabhängig vom Schauplatz. Denn nicht nur bei der Ausarbeitung eines dystopischen L.A. sondern auch beim Blick in die künftigen Megacities San Diego und Las Vegas, gaben sich die Kulissenbauer und Produktionsdesigner alle Mühe. Einen starken Kontrast zu den lauten, schrillen Tönen und der Reizüberflutung in L.A., bildet das verstrahlte Las Vegas: menschenleer, verlassen, dem Tode geweiht.

Zu den stärksten Szenen des Films gehören jene, in denen Harrison Ford und Ryan Gosling als alter und neuer Blade Runner gemeinsam zu sehen sind. In diesen Momenten zollt Villeneuve dem Original seinen Tribut, wenn Ford als Deckard auf Augenhöhe mit K zeigen kann, was noch in ihm steckt. Und wenn er auf diese Art die Handlung gleichberechtigt vorantreibt und so nicht nur zum Stichwortgeber eines jungen, frischen Blade Runner, verkommt. Auch wenn es lange dauert, bis Ford in Erscheinung tritt (bis zum letzten Drittel des Films), was aber nur die Spannung bis zu diesem Moment erhöht. Das Ende des Films passt von der Stimmung zur vorherigen Atmosphäre: emotional, getragen und zutiefst melancholisch.

Fazit: Dank einer berauschenden Optik, der perfekt in ihre Rolle passenden Darsteller und einer konsequenten Weiterentwicklung bereits im Original thematisierter Gedankengänge und Ansätze, steht „Blade Runner 2049“ auf einer Stufe mit dem Erstling.

Bewertung 9/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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