BFG – Big Friendly Giant Kritik

BFG - Big Friendly Giant Filmkritik

Die zehnjährige Waise Sophie (Ruby Barnhill) lebt in einem Kinderheim und ist anders als die anderen Bewohner des Heims. So ist sie nicht nur aufgeweckter und emotionaler, sie ahnt auch, dass nachts in den Straßen Londons Abenteuer und bizarre Gestalten, wie z.B. der Schattenmann, lauern. Eine solche bizarre Gestalt trifft sie dann bei einer ihrer nächtlichen Streifzüge – auch wenn es nicht der Schattenmann ist. Sie beobachtet einen fast acht Meter großen Riesen (Mark Rylance) dabei, wie er eine umgeworfene Mülltonne wieder aufhebt. Zum Glück ist der Riese aber alles andere als gefährlich, weshalb er Sophie auf eine spannende, abenteuerliche Reise ins Reich der Riesen mitnimmt. Dort jagen die Beiden Träumen hinterher oder pusten sie ins Schlafzimmer von Menschen. Gefahr geht aber von einigen anderen, noch viel größeren Riesen aus, die Menschen – und damit auch Sophie – einfach zum Fressen gern haben.

„BFG“ beruht auf einem Roman von Kinderbuchautor Roald Dahl („Charlie und die Schokoladenfabrik“), der 1982 erschien. Der deutsche Titel des Buchs lautete „Sophiechen und der Riese“. Für Regisseur Steven Spielberg ist es der Film nach seinem großen Erfolg „Bridge of Spies“ (2015), für den Darsteller Mark Rylance den Oscar als bester Nebendarsteller erhielt. Rylance arbeitete nun auch wieder bei „BFG“ mit Spielberg zusammen. Für Darstellerin Ruby Barnhill – die Spielberg während der „Bridge of Spies“-Drehpausen unter Hunderten von Kindern castete – ist es das Leinwanddebüt. Einige Parallelen zu Spielbergs Meisterwerk „E.T.“ sind beachtlich: die Buchvorlage wurde im selben Jahr veröffentlicht wie Spielbergs Film über den Außerirdischen. Und für die Drehbücher beider Filme zeichnete die mittlerweile verstorbene Melissa Mathison verantwortlich – noch bevor klar war, dass Spielberg die Regie bei „BFG“ übernehmen würde.

Die Geschichte von der kleinen Sophie und dem Riesen ist wie gemacht für den Kino-Visionär Steven Spielberg. Seit jeher sind immer wieder Kinder die Helden seiner Filme („E.T.“, „Hook“ u.a.) und nicht selten geht es bei ihm um ungewöhnliche Freundschaften, oft zwischen Menschen und exotischen, märchenhaften Gestalten, Außerirdischen oder Roboterwesen (z.B. „A.I.“). Spielberg bekräftigte in Interviews, auch schon zu Beginn seiner Karriere vor über 40 Jahren, wie wichtig Träume sind und wie groß ihre Macht, z.B. für die Fantasie der Kinder, ist. Optisch brillante, außergewöhnliche und fantasievolle Bilderwelten auf der großen Leinwand: wahrgewordene Trauminhalte, das war immer das Ziel von Spielberg und das schafft er mit „BFG“ wieder auf unnachahmliche und visuell berauschende Weise. Dabei sind es nicht nur die Animationen, die kaum einen Zweifel an dem Realitätsgehalt und der Echtheit von Figuren und Kulissen lassen, so plastisch, gestochen scharf und edel sind diese gestaltet.

Auch bei der Kameraarbeit und den nicht immer einfach zu bewerkstelligenden Perspektivwechseln (eine sehr kleine, eine riesige Hauptfigur), leisteten die Macher Außergewöhnliches. Die Kamerafahrten sind rasant aber nicht zu hektisch. Zudem sind das Timing und der Ablauf der auf Spannung abzielenden Spielereien mit Licht- und Schattenmomente bzw. Schattierungen schlicht perfekt. Perfekt und vor allem abwechslungsreich sind auch die unzähligen kreativen Einfälle, Ideen, Begriffe und Gimmicks, die „BFG“ säumen: da wird in der Fantasiesprache „Gobblefunk“ kommuniziert, es gibt skurrile Traum-Mixer und sogar Möglichkeiten, Träume durch Brauen selbst herzustellen. Eine sympathische und naheliegende Idee ist auch die Anspielung auf „E.T.“ in einer Szene des Films, die sich im Kinderheim abspielt.

Natürlich werden Kritiker „BFG“ wieder wegen seines hohen Kitsch-Anteils und des Versuchs von Spielberg verteufeln, die Wichtigkeit von Träumen philosophisch zu erklären. Diese Kritiker hatten aber evtl. auch schon ihre Schwierigkeiten mit Spielberg-Märchen- bzw. Fantasy-Meisterwerken wie „E.T.“ oder „Unheimliche Begegnung der dritten Art“. Noch ein Wort zu den Darstellern: die junge Ruby Barnhill spielt als Sophie enorm selbstsicher und glaubwürdig auf. Und Mark Rylance legt seinen Riesen gekonnt als Mischung aus traurigem, von seiner Umwelt verstoßenen Exoten und intelligentem, liebenswertem Ungetüm an, dass den Menschen im Schlaf wunderbare Träume schenkt.

Fazit: Märchenhafte Roald-Dahl-Verfilmung mit magischen Effekten und traumhaften CGI-Bilderwelten. Die nuanciert agierenden Darsteller und die vielen witzigen, kreativen Einfälle, runden das Paket ab und machen „BFG“ zu einem der besten Fantasy-Märchenfilme der jüngsten Zeit.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Sabsi said

    August 21 2016 @ 00:42

    Ich finds toll, dass Steven S wieder zu alten Themen und alter Stärke gefunden hat mit diesem Film. Es liegt ihm einfach am meisten: die kindliche Fantasie und das Spielerisch-Phantastische

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