Below her mouth Kritik

Jasmine (Natalie Krill) führt ein glückliches, ausgeglichenes Leben, das in geordneten Bahnen verläuft. In ihrem Beruf als Modejournalistin ist sie erfolgreich und mit ihrem zukünftigen Angetrauten Rile (Sebastian Pigott), einem smarten Geschäftsmann, läuft es auch sehr gut. Ihr Leben gerät jedoch völlig aus den Fugen, als sie auf einer Party die rebellische, lesbische Dallas (Erika Linder) kennenlernt. Die Dachdeckerin umwirbt Jasmine aktiv und hält mit ihrer Zuneigung zu der hübschen Frau nicht hinterm Berg. Jasmine gibt den Avancen der androgynen Dallas nicht nach, kriegt sie aber auch nicht mehr aus dem Kopf. Kurz danach lässt sie sich auf eine heiße Affäre mit der selbstbewussten Dallas ein. Jasmine genießt die leidenschaftliche Erotik, die sie durch Dallas erfährt, will sich aber auch nicht überstürzt von ihrem Verlobten trennen. Bald treten die ersten Konflikte auf.

„Below her mouth“ ist der neue Film der kanadischen Regisseurin und Schauspielerin April Mullen, die in den letzten Jahren vor allem an der Produktion von B-Movies (z.B. „Dead Before Dawn“) beteiligt war. Mit „Below her mouth“ versucht sie sich nun an einem lesbischen Arthouse-Drama, das international bereits viele Preise gewann und vor allem aufgrund einer Besonderheit für Aufsehen sorgte: nahezu der komplette Stab bestand aus Frauen. Die Schauspieler – mit Ausnahme von Sebastian Pigott – sind durchweg weiblich, ebenso die technische Crew (Schnitt, Kamera, Ton etc.) und die Drehbuchautoren. Hauptdarstellerin Erika Linder sorgte in den vergangenen Jahren als androgynes Model in der (optischen) Tradition von Musikern wie Boy George oder Pete Burns („Dead or alive“), für Furore.


„Below her mouth“ ist ein poetisch und sinnlich inszeniertes Liebes-Drama voller prickelnder Erotik, dem es jedoch leider an dramaturgischem Gehalt fehlt. Und: es handelt sich um ein Queer-Drama, das letztlich doch das ein oder andere Klischee zu viel bedient. Das beginnt schon bei der – in vielen Filmen dieser Art oft bemühten – Prämisse von der eigentlich glücklichen, heterosexuellen Frau, die mit sich und ihrem Dasein im Reinen zu sein scheint. Ebenso mit ihrer Sexualität bzw. Liebesleben. Eine Zufallsbekanntschaft in einer Disko aber ändert ihr Leben von Grund auf und wirft dieses im weiteren Verlauf komplett aus der Bahn. Durch die Affäre mit der draufgängerischen, selbstsicheren Dallas, entdeckt die brave Jasmine die Vorzüge der lesbischen Erotik.

Im Laufe der Zeit beginnt sie an der Wahrhaftig- und Richtigkeit ihres bisherigen Lebens zu zweifeln. Es handelt sich hierbei um einen Grundkonflikt bzw. eine Grundkonstellation, die man einfach schon zu oft im queeren Film gesehen hat, als dass sie noch sonderlich überraschend oder packend wirken könnte. An dieser Stelle fehlt es an dramaturgischer Brisanz und dem nötigen Konfliktpotential. Für einen Abend vor dem TV könnte das genügen, für ein Leinwand-Drama aber ist es nicht ausreichend. Und ein weiteres Klischee: die Mär von der verbotenen, gefährlichen Affäre, die von den Beteiligten aber umso leidenschaftlicher und hemmungsloser geführt wird.

Apropos Leidenschaft und Hemmungslosigkeit: darauf bezogen spielt der Film mit seinen expliziten, dringlichen Sex- und Liebesszenen einen Trumpf aus. Regisseurin Mullen inszeniert den weiblichen Körper als Sinnbild für erhabene Ästhetik und hemmungslose, begehrliche Lust. Für diese nachdrücklichen, enorm freizügigen Szenen gebührt der Crew Respekt, zumal die Momente nie aufgesetzt oder gekünstelt wirken. Stattdessen gehen die Darsteller in diesen Szenen voll auf und scheinen die Kamera um sie herum während des Drehs, tatsächlich völlig vergessen zu haben. Jedenfalls wirkt es so, wenn man das Geschehen auf der Leinwand verfolgt.

Auch abseits der erotischen Sequenzen, enttäuschen die beiden Hauptdarstellerinnen nicht. Sowohl Linder als auch Krill sind keine gelernten Schauspielerinnen, was man aber nur Krill gelegentlich in Anflüge anmerkt, gerade in den Dialog-Szenen. Die meisten Szenen gehören ohnehin der charismatischen, enorm leidenschaftlich und regelrecht stürmisch aufspielenden Erika Linder. Auf intensive Weise spielt sie die selbstgefällige, insgeheim verletzliche Dallas, die nur schwer akzeptieren kann, dass Jasmine ihre Beziehung zu Rile nicht so einfach aufgeben will.

Fazit: Stellenweise zu formelhaft geratenes und mit ungenügend Konfliktpotenzial ausgestattetes Liebes-Drama, das diese Schwächen aber durch betörende erotische Momente und solide Darsteller-Leistungen wieder ausgleicht.

Bewertung: 3/5 Sternen

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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