Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden WeltAlien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt” von Regisseur Ridley Scott gilt als Meilenstein des intelligenten Science-Fiction-Horror-Kinos. Im Film wird die Geschichte rund um die Crew des Weltraumfrachters Nostromo erzählt, die von einem blinden Passagier terrorisiert wird. Der ungebetene Gast, ein rasant wachsendes, intelligentes Alien, macht sich an Bord der Nostromo selbständig und beginnt aus den weitläufigen Lüftungsanlagen heraus einen gnadenlosen Vernichtungsfeldzug gegen die Mannschaft …

Im Gefolge des gigantischen „Star Wars“-Erfolgs versuchte praktisch jedes größere Filmstudio auf der Welle der Popularität von Science-Fiction-Filmen mitzusurfen. Wohl kein anderer Film zuvor oder danach übte einen dermaßen ungeheuren Einfluss auf die Konkurrenz aus wie George Lucas’ Geniestreich. Diese Feststellung mag auf den ersten Blick übertrieben erscheinen, lässt sich aber durchaus untermauern, wenn man sich die Situation des Science-Fiction-Films in den späten 1970er Jahren vergegenwärtigt, der mehr oder weniger kaum vorhanden war und von den Kritikern nicht ernst genommen wurde.
Doch nachdem „Star Wars“ sämtliche Kassenrekorde pulverisiert hatte, lag Hollywood im Weltraumfieber. Ein Film nach dem anderen, eine TV-Serie nach der anderen wurden hastig aus dem Boden gestampft. Selbst James Bond durfte zum ersten und einzigen Mal seine Mission außerhalb der Erde erledigen.

Anders als die meisten Konkurrenzprojekte setzte 20th Century Fox auf einen düsteren, horrorlastigen Stoff – ein enormes Risiko, schien es doch, als wären die meisten Kinobesucher eher an harmlosen Unterhaltungsfilmchen mit putzigen Robotern und Laserschlachten interessiert.

Das Risiko lohnte sich: „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (so der etwas sperrige deutsche Titel) wurde nicht nur ein kommerzieller Erfolg, sondern fand auch bei den Filmkritikern Anklang und erhielt 1980 den Oscar für die besten Spezialeffekte.
Auch drei Jahrzehnte später hat „Alien“ nichts an Faszination und Spannung eingebüßt!

Im Weltraum hört dich niemand schreien
In ferner Zukunft: Der riesige Weltraumfrachter „Nostromo“ befindet sich mit 7 im Hyperschlaf befindlichen Crewmitgliedern auf dem Heimflug zu Erde. Ein unbekanntes Funksignal lässt das vollautomatisierte Raumschiff den Kurs ändern – sehr zum Missfallen der aus dem Hyperschlaf erweckten Crew, denn dieser Umweg kostet sie mehrere Monate. Zähneknirschend machen sich die Besatzungsmitglieder daran, dem Signal auf den Grund zu gehen, indem Captain Dallas (Tom Skerrit), Kane (John Hurt) und Lambert (Veronica Cartwright) auf dem Planeten, von dem aus das Funksignal erfolgte, landen. Sie finden ein bizarr geformtes, offensichtlich nicht von Menschenhand gefertigtes Raumschiff und erkunden es. Dabei wird Kane von einer polypenartigen Kreatur angefallen und in ein künstliches Koma versetzt.

Zurück an Bord der „Nostromo“ versuchen Dallas und Ash (Ian Holm) das an Kanes Kopf festgeklammerte Wesen vorsichtig zu lösen, doch erweist sich dies als unmöglich.
Wenig später atmet die Crew erleichtert auf, als das Wesen zunächst spurlos verschwunden ist und Kane aus dem Koma erwacht. Dabei ist dies nur der Beginn eines wahren Alptraums …

Außerirdischer Serienkiller im Weltraum
Natürlich war das Konzept eines außerirdischen Monsters auf Menschenjagd bereits 1979 ein uralter Hut. Doch schaffte es der ehemalige Werbefilmer Ridley Scott mit seinem zweiten großen Regieprojekt einen Film zu produzieren, der sämtliche Genreproduktionen weit in den Schatten stellte.

Tatsächlich handelt es sich bei „Alien“ nicht in erster Linie um einen gewöhnlichen „Monsterfilm“, sondern dem Konzept einer nicht fassbaren Bedrohung durch etwas völlig Unbekanntes. Während normale „Monsterfilme“ mit dem Auftauchen der Bestie ihren Höhepunkt erreicht haben, gelingt es „Alien“, den Spannungsbogen kontinuierlich zu spannen.
Denn: Nicht weniger als dreimal ändert das Monster sein Aussehen und seine Form. Dabei durchläuft es eine bemerkenswerte Verwandlung vom „Embryo“ hin zum riesigen, schier unbesiegbaren Ungeheuer.

Für das Design der außerirdischen Kreatur zeichnete der bekannte Schweizer Avantgarde-Künstler H. R. Giger verantwortlich, dessen alptraumhafte Visionen völlig zu Recht mit dem Oscar ausgezeichnet wurden. Sein „Alien“ unterscheidet sich komplett von den meist plumpen Monsterdarstellungen: Zwar bewegt es sich auf zwei Beinen fort und verfügt über zwei Arme. Doch damit endet die Ähnlichkeit mit terranischen Lebensformen.
Als besonderer Geniestrich entpuppte sich Gigers Einfall, das „Alien“ augenlos zu gestalten. Schließlich assoziieren wir mit den Augen die Spiegel der Seele und empfinden beim Fehlen von Sehorganen instinktiv einen Schauder.
Nicht weniger ungewöhnlich sind die körperlichen und intellektuellen Fähigkeiten des Wesens. Es kann sich nicht nur jeglichen atmosphärischen Bedingungen anpassen, sondern offenbart auch ein hohes Maß an Intelligenz, wie später vor allem in James Camerons actionreicher Fortsetzung „Aliens“ ersichtlich wird.
Somit stellt die „Alien“-Kreatur kein Monster niedriger Intelligenz dar, das mit einfachen Mitteln in eine tödliche Falle gelockt werden kann, sondern ist den menschlichen Opfern geistig zumindest ebenbürtig.

Trucker in Space
Auch in anderer Hinsicht betritt „Alien“ Neuland. Statt von Licht überflutete, steril saubere Gänge und Räumlichkeiten bietet die „Nostromo“ einen heruntergekommenen Eindruck. Spärlich beleuchtete Gänge, schmutzige Kabinen, kaum funktionsfähige Elektronik.
Dazu passt die Crew, die alles andere als Weltraumhelden darstellt, sondern wie „Space-Trucker“ wirkt: Ein bunt zusammengewürfelter Haufen völlig durchschnittlicher Frauen und Männer, die keine wichtige Mission erfüllen, sondern lediglich ihren lausig entlohnten Job erfüllen und nur möglichst rasch nach Hause wollen.

Die erste Action-Heldin
Ein weiterer Verdienst, der Ridley Scott gebührt, ist jener, erstmals eine wirklich starke Frauenrolle im SF-Genre konzipiert zu haben. Waren Frauen bis dahin in Action- oder Horrorfilmen auf die Rolle der hilflos kreischenden Opfer reduziert worden, stellt sich in „Alien“ eine Frau dem Monster. Die damals unbekannte Sigourney Weaver erlangte mit ihrer Figur der Ellen Ripley Kultstatus und schlüpfte nicht weniger als viermal in diese Rolle, wobei sie in „Aliens“ szenenweise wie eine weibliche „Rambo“-Ausgabe wirkt.

Dabei war diese Rolle ursprünglich für einen Mann vorgesehen gewesen. Doch Ridley Scott bewies wieder einmal die richtige Nase, änderte „Allen“ in „Ellen“ Ripley um und erschuf somit eine Kultfigur.

Über die tadellose Darbietung Sigourney Weavers dürfen nicht die anderen Darsteller vergessen werden, die ihre Rollen ebenfalls völlig glaubwürdig ausfüllen und bereits zum Produktionszeitpunkt über viel Leinwanderfahrung verfügten.
Übrigens: Veronica Cartwright, die als Lambert die zweite Frau an Bord gibt, ist in zwei weiteren Horrorklassikern zu bewundern. Zum einen in dem ein Jahr zuvor erschienenen „Die Körperfresser kommen“, als auch in Hitchcocks „Die Vögel“.

„Alien“ lässt den Begriff „Kultfilm“ zu keiner hohlen Phrase verkommen, die mit jeglichem Mist gefüllt werden kann, sondern erweist sich selbst nach all den Jahren als Meilenstein intelligenten SF-Horror-Kinos. Visuell berauschend, wie man es von Ridley Scott mittlerweile gewöhnt ist, extrem spannend und mit glaubwürdigen Charakteren versehen.
Mögen Fans der Reihe sich darüber streiten, welcher der vier (oder sechs, falls man die „Alien vs. Predator“-Filme dazuzählen möchte) „Alien“-Filme der beste sei: Scotts Film war es, der den Grundstein legte, die Kreatur und ein eigenes „Alien“-Universum erschuf.
Und alleine dafür gebührt ihm höchster Respekt.

Darsteller

  • Sigourney Weaver … Ellen Ripley
  • Tom Skerritt … Captain Dallas
  • Ian Holm … Ash
  • Harry Dean Stanton … Brett
  • John Hurt … Kane
  • Veronica Cartwright … Lambert
  • Yaphet Kotto … Parker

Regie
Ridley Scott

Produktionsland, Jahr
GB, 1979


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