Alien: Covenant Kritik

Alien: Covenant Kritik

Jahre bevor das Kolonisationsschiff Covenant den angesteuerten Planeten erreicht, kommt es zu heftigen Turbulenzen. Walter (Michael Fassbender), der Android an Bord, entscheidet sich dazu, die Crewmitglieder aus ihrem Kälteschaf zu holen. Das Schiff hat einiges abbekommen, und daher versucht die Crew um den kurz zuvor zum Kapitän ernannten Oram (Billy Crudip) und die 2. Offizierin Daniels (Katherine Waterston), die Schäden zu reparieren. Nachdem dies gelang, erreicht die Covenant ein Notsignal. Das Signal, bei dem eine menschliche Stimme zu hören ist, stammt von einem relativ nahegelegenen Planeten. Nachdem Scans zeigten, dass dieser Planet allem Anschein nach bessere Lebensbedingungen für eine menschliche Zivilisation bietet als der angestammte Zielplanet, fällt Oram eine schwerwiegende Entscheidung: er lässt die Covenant an dem unbekannten Ort landen. Doch in der scheinbar friedlichen Welt erwarten sie Tod und Verderben.

„Alien: Covenant“ spielt zehn Jahre nach den Ereignissen in „Prometheus“, Ridley Scotts erstem Teil seiner Prequel-Reihe. In dieser erzählt der Kult-Regisseur („Blade Runner“, „Thelma & Louise“), wie es zur Entstehung der Aliens kam. „Alien: Covenant“, der über 110 Millionen Dollar an Produktionskosten verschlang, wurde überwiegend in Neuseeland und Australien gedreht. Die Hauptrollen spielen Michael Fassbender, der schon in „Prometheus“ mitwirkte, und Katherine Waterston als Offizierin Daniels. Waterston wurde 2014 durch ihre Rolle in der Tragikomödie „Inherent Vice“ einem breitem Publikum bekannt. Ähnlich wie die von Sigourney Weaver gespielte, legendäre Ellen Ripley aus dem ersten „Alien“-Film, ist Daniels als starke und selbstbewusste Frauenfigur angelegt.




„Alien: Covenant“ ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen wird es viele Liebhaber der ersten beiden Filme wohl zunächst einmal zufriedenstellen. Das liegt letztlich daran, da sich der zweite Teil der Reihe, die die Vorgeschichte zum unvergänglichen Science-Fiction-Horror-Klassiker von 1979 erzählt, mit wesentlich mehr Action-Elementen als „Prometheus“ daherkommt. Fans könnten sich auch immer wieder an die Intensität der Action-Szenen des zweiten Teils („Aliens“ von 1986) erinnert fühlen. In „Alien: Covenant“ sind diese Szenen aber an die heutigen Sehgewohnheiten angepasst, sprich: eingefangen wurden sie mit wackeliger Handkamera (was für eine dringliche Unmittelbarkeit sorgt), sie sind rasant inszeniert und so montiert, dass die Spannungsschraube konstant angezogen wird.

Diesbezüglich bleiben in erster Linie zwei Sequenzen in Erinnerung. Die eine setzt bereits kurz nach Betreten des fremden Planeten ein. Wenn die ahnungslosen Mitglieder erstmals mit einem Xenomorph in Kontakt treten und dessen ungeahnte Brutalität am eigenen (bald nicht mehr vollständigen) Leib erfahren, dann beweist Scott sein Händchen für das Inszenieren atemloser, spektakulärer Kampfszenen. Die zweite großartige Sequenz spielt auf einem sich in der Luft befindlichen Raumschiff, wenn Offizier Daniels in einen höllisch gut gefilmten und inszenierten Zweikampf mit einem Alien tritt. Luft zum Atem bleibt für den Zuschauer hier keine.

„Alien: Covenant“ ist auch wesentlich blutiger als alle bisher gedrehten Teile des Franchise. Ob man sich mit den entsprechenden, fast in Richtung Splatter tendierenden Momenten im Film anfreunden kann, ist letztlich vor allem Geschmackssache. Regisseur Scott scheint auf seine alten Tage (der Filmemacher wird in diesem Jahr 80) in jedem Fall seine diebische Freude daran zu haben, Blutfontänen gen Himmel spritzen und Körperteile durch die Luft fliegen zu lassen. In Sachen Splatter-Faktor hebt sich eine Szene gegen Ende des Films positiv von den oft sehr gleichartig aussehenden, exzessiven Splatter-Einlagen ab: wenn Scott ein Alien beim Liebesakt zwischen einem Pärchen unter der Dusche, „mitmischen“ lässt. Auch die Optik und visuellen Effekte des Werks sind atemberaubend, daran besteht kein Zweifel. Von den ungemein plastisch und detailreich animierten Raumschiffen über die Agilität und Beweglichkeit der Aliens bis hin zu den prachtvollen Landschaften des fremden Planeten und der düsteren „Pracht“ der Tempelanlage, in der fast die komplette zweite Hälfte spielt: die Set-Designer und Effekte-Künstler leisteten ganze Arbeit.

Dass der Film aber leider nicht völlig überzeugt, liegt allen voran an zwei Dingen: das Handlungselement, ein Notsignal zu empfangen, im Anschluss daran auf einem fremden Planeten zu landen und dort die Bekanntschaft mit den Aliens zu machen, hat sich mittlerweile nun endgültig erschöpft. Nicht nur dass diese Ereignisse Mittel zum Zweck sind, um die Geschichte in angestrebte Bahnen lenken zu können. Sie sind auch schlicht unglaubwürdig und zu abgedroschen – vor allem die Entscheidung, eine fremde, völlig unbekannte Welt zu betreten, ohne ausreichend Bewaffnung und ohne zu wissen, was einen dort erwartet.

Weitaus mehr ins Gewicht fällt aber die Tatsache, dass einem die Protagonisten hier leider ziemlich egal sind. Mehr noch als in den vorherigen Filmen. Man fiebert nicht mit ihnen, ist kaum an ihrem Schicksal interessiert. Denn auch die Figuren handeln – wie so oft vor allem in den jüngeren Teilen der Reihe – unmotiviert und schwer nachvollziehbar. Hauptsächlich in den ersten Minuten nach Betreten des geheimnisvollen Planeten. Und Hauptdarstellerin Katherine Waterston kommt zu keiner Sekunde auch nur annähernd an die Leinwandpräsenz einer Sigourney Weaver heran, nicht zuletzt weil sie die meiste Zeit über wie ein begossener Pudel dreinschaut.

Fazit: Trotz berauschender Effekte, eines tollen Set-Designs und einiger intensiver, blutiger Action-Momente ist „Alien: Covenant“ längst nicht vollends gelungen. Der Grund dafür sind eindimensionale Charaktere, eine fehlbesetzte Hauptdarstellerin und zu oft gesehene, abgenutzte Handlungselemente.

Bewertung: 3/5

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Weitere Filme/Informationen:

Leave a comment

Name: (Required)

eMail: (Required)

Website:

Comment: