A bigger Splash Kritik

A bigger Splash Kritik

Auf der Suche nach einem ruhigen, abgeschiedenen Ort für ihren Sommerurlaub, reisen die Sängerin Marianne (Tilda Swinton) und ihr Freund Paul (Matthias Schoenaerts) auf die abgeschiedene Vulkaninsel Pantelleria. Dort hoffen sie, den Stress des beruflichen Alltags hinter sich lassen zu können, zumal sich Marianne von einer Stimmbandoperation erholen muss und ohnehin nicht sprechen darf. Mit der Ruhe klappt es zunächst sehr gut, bis eines Tages Mariannes Ex-Produzent – und Ex-Liebhaber – Harry (Ralph Fiennes) vor der Tür steht. Dieser hat auch gleich seine verführerische Tochter Penelope (Dakota Johnson) im Schlepptau, die an dem Leben im Paradies schnell ihren Gefallen findet. Die erste Zeit frönen die Vier dem exzessiven Luxusleben in vollem Ausmaß, doch allmählich kommt es zu Spannungen und emotionalen Konflikten. Harry will Marianne zurück und tut alles, um sie zu umwerben. Dies bleibt Paul natürlich nicht verborgen und er lässt sich auf die Flirtversuche von Penelope ein. Ein Konflikt scheint unausweichlich.

„A bigger Splash“ ist das Remake des Krimidrama-Klassikers „Der Swimmingpool“ von 1969. Der Film – mit den damaligen Weltstars Alain Delon und Romy Schneider in den Hauptrollen – war damals ein Skandal, da man eine derartige Freizügigkeit und gelebte Dekadenz im europäischen Kino bis dahin selten gesehen hatte. Die Neuverfilmung wurde vom Italiener Luca Guadagnino inszeniert, der seinen Film an Originalschauplätzen auf der paradiesischen Mittelmeerinsel Pantelleria drehte. Die weibliche Hauptrolle besetzte er mit Tilda Swinton, mit der er schon bei seinem Durchbruchsfilm „I am love“ (2010) zusammenarbeitete. Ihren weiblichen Gegenpart verkörpert eine der aktuell angesagtesten Schauspielerinnen der Welt, Dakota Johnson („Fifty Shades of Grey“). Die Tochter von Don Johnson wirkte allein im letzten Jahr an vier großen Kinofilm-Produktionen mit.

Traumhafte, betörende Landschaften und Buchten sowie attraktive, anziehende Menschen, die sich den Lastern des Lebens und einem überbordenden hedonistischen Treiben hingeben. Das ist der Ausgangspunkt der emotionalen Tour-de-force, die sich vor der prachtvollen Kulisse Pantellerias immer weiter entfacht und langsam aber sicher die Beteiligten ins Verderben stürzt. Denn ganz ohne Zerwürfnisse und regelrecht idyllisch beginnt alles: Marianne und Paul genießen die Stille ihres Urlaubsortes, sie lieben sich innig im Pool und überhaupt könnte alles so harmonisch sein. Wenn bloß nicht ihr exzentrischer Ex-Lover Harry auftauchen würde. Mit dessen Ankunft ändert sich auch allmählich die Stimmung des Films, denn Harry macht schon nach recht kurzer Zeit kein Geheimnis daraus, dass er die aufgrund einer OP verstummte Marianne zurück haben will.

Ralph Fiennes liefert als lauter, überdrehter und heillos egomanischer Lebemann eine bahnbrechende Leistung und eine ebensolche Leistung war es von Regisseur Guadagnino, den eigentlich eher in ruhigen Charakterrollen gewohnten Fiennes so völlig gegen den Strich und bekannte Sehgewohnheiten zu besetzen. Ihm in (fast) nichts nach steht Tilda Swinton, ohnehin eine der fähigsten Darstellerinnen überhaupt. Obwohl sie kaum ein Wort von sich gibt, vermag sie allein mit ihrer körperlichen Präsenz, ihrem kühl-distanzierten, unnahbaren Charisma sowie der ausdrucksstarken Gestik und Mimik zu glänzen. Ein wenig blass bleibt da hingegen Dakota Johnson, die zwar solide agiert, aber zu keiner Zeit die Sinnlichkeit und kokette Eleganz einer Jane Birkin, die im Original die laszive, halbwüchsige Lolita spielte, an den Tag legt.

Dass der Film mehr ist als oberflächliches, bloßes Ausstattungskino fürs Auge (im Gegensatz etwa zum zuletzt halbgaren „By the sea“ mit Angelina Jolie), liegt an der Tatsache, dass Guadagnino zwei der vier Protagonisten an einer Stelle auf Menschen treffen lässt, die seit Monaten fast tagtäglich die Medien bestimmen: Flüchtlinge. Diese Konfrontation bzw. Gegenüberstellung der unterschiedlichen Bedürfnisse, Lebensstile sowie –umstände – auf der einen Seite der Kampf ums Überleben, auf der anderen überschäumender Reichtum – kommt extrem unerwartet und ist auch deshalb so gelungen. Somit bietet der Film ein gewaltiges Maß an Aktualität und ist eben kein reines eins-zu-eins-Remake.

Fazit: Vor betörender, pittoresker Kulisse angesiedelter, menschlicher Liebes-, Sex- und Gefühls-Vulkan, der dank der famosen Darstellerleistungen jederzeit brodelt und mit einem unerwarteten Aktualitätsbezug aufwartet.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Uli S said

    Mai 18 2016 @ 12:46

    Kein Vergleich zum Original

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