Archive for September, 2020

Enfant Terrible Kritik

Rainer Werner Fassbinder (Oliver Masucci) ist der wohl wichtigste deutsche Filmemacher der Nachkriegszeit. Und dass, obwohl er bereits kurz nach seinem 37. Geburtstag verstarb.  Zu verdanken hat er dies einer bis heute unerreichten Schaffenskraft und Kreativität: In nur 13 Jahre als Regisseur inszenierte er rund 40 Spielfilme und mehrere TV-Serien. Der perfektionistische, arbeitswütige und ruhelose Fassbinder lebte ein Leben am Limit: Wenig Schlaf, Alkohol, Drogen, unzählige parallel realisierte Filmprojekte, wechselnde Liebschaften mit Männern und Frauen. Nach seiner Zeit am Theater in den späten 60er-Jahren, entwickelte er sich spätestens ab den mittleren 70ern zum führenden deutschen Autorenfilmer. Seine Klassiker „Effi Briest“, „Angst essen Seele auf“, „Berlin Alexanderplatz“ oder auch „Lili Marleen“ gehören heute zu den wichtigsten Arbeiten des Neuen Deutschen Films.

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Tenet Kritik

Nach einem lebensgefährlichen Terror-Einsatz in der Kiewer Oper wird einem namenlosen Geheimdienstagenten (John David Washington) offenbart, dass er Teil eines Tests war – den er bestanden hat. Künftig soll er mit seinem Kollegen Neil (Robert Pattinson) an einer streng geheimen Operation arbeiten, die nichts weniger zum Ziel hat als den Dritten Weltkrieg zu verhindern. Als einzigen Hinweis erhält er eine seltsame Wortschöpfung (Tenet) sowie eine Einweisung in die Welt der Inversion. Der Zeitumkehrung. Diese macht sich der schwerreiche Oligarch Sator (Kenneth Branagh) zu Nutze, um Personen und Gegenstände durch die Zeit zu schicken. Sein Ziel: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu seinen Gunsten zu verändern. Gelingt es, den mächtigen Gegenspieler rechtzeitig auszuschalten?

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Corpus Christi Kritik

Der 20-jährige Kriminelle Daniel (Bartosz Bielenia) sitzt im Gefängnis. Obwohl er im Knast bekannt ist für seine aggressive Art, sich oft prügelt und alles andere als gottesfürchtig wirkt, nimmt er an den Gottesdiensten teil – die ihn allmählich bekehren. So macht Daniel schließlich eine Art spirituelle Wandlung zum gläubigen Christen durch und nimmt sich fest vor, sich nach seiner Entlassung zum Priester ausbilden zu lassen. Das Problem: Als verurteilter Straftäter darf er keine offiziellen Priesterlehrgänge besuchen. Doch das Glück scheint es nach seiner Zeit im Gefängnis zunächst gut mit ihm zu meinen. Durch Zufall gelangt er in einen kleinen Ort, in dem man einen glaubwürdigen, vertrauenswürdigen Geistlichen gut gebrauchen kann, da die Pfarrersstelle aktuell unbesetzt ist. Prompt gibt sich Daniel als Geistlicher aus und wird bald zu einem festen Bestandteil des Dorflebens. Die Situation ändert sich allmählich, als Daniel immer öfter in Streit mit dem örtlichen Bürgermeister gerät, der zu seinen Dorfbewohnern nicht immer ehrlich ist.

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