Enfant Terrible Kritik

Rainer Werner Fassbinder (Oliver Masucci) ist der wohl wichtigste deutsche Filmemacher der Nachkriegszeit. Und dass, obwohl er bereits kurz nach seinem 37. Geburtstag verstarb.  Zu verdanken hat er dies einer bis heute unerreichten Schaffenskraft und Kreativität: In nur 13 Jahre als Regisseur inszenierte er rund 40 Spielfilme und mehrere TV-Serien. Der perfektionistische, arbeitswütige und ruhelose Fassbinder lebte ein Leben am Limit: Wenig Schlaf, Alkohol, Drogen, unzählige parallel realisierte Filmprojekte, wechselnde Liebschaften mit Männern und Frauen. Nach seiner Zeit am Theater in den späten 60er-Jahren, entwickelte er sich spätestens ab den mittleren 70ern zum führenden deutschen Autorenfilmer. Seine Klassiker „Effi Briest“, „Angst essen Seele auf“, „Berlin Alexanderplatz“ oder auch „Lili Marleen“ gehören heute zu den wichtigsten Arbeiten des Neuen Deutschen Films.

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Tenet Kritik

Nach einem lebensgefährlichen Terror-Einsatz in der Kiewer Oper wird einem namenlosen Geheimdienstagenten (John David Washington) offenbart, dass er Teil eines Tests war – den er bestanden hat. Künftig soll er mit seinem Kollegen Neil (Robert Pattinson) an einer streng geheimen Operation arbeiten, die nichts weniger zum Ziel hat als den Dritten Weltkrieg zu verhindern. Als einzigen Hinweis erhält er eine seltsame Wortschöpfung (Tenet) sowie eine Einweisung in die Welt der Inversion. Der Zeitumkehrung. Diese macht sich der schwerreiche Oligarch Sator (Kenneth Branagh) zu Nutze, um Personen und Gegenstände durch die Zeit zu schicken. Sein Ziel: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu seinen Gunsten zu verändern. Gelingt es, den mächtigen Gegenspieler rechtzeitig auszuschalten?

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Corpus Christi Kritik

Der 20-jährige Kriminelle Daniel (Bartosz Bielenia) sitzt im Gefängnis. Obwohl er im Knast bekannt ist für seine aggressive Art, sich oft prügelt und alles andere als gottesfürchtig wirkt, nimmt er an den Gottesdiensten teil – die ihn allmählich bekehren. So macht Daniel schließlich eine Art spirituelle Wandlung zum gläubigen Christen durch und nimmt sich fest vor, sich nach seiner Entlassung zum Priester ausbilden zu lassen. Das Problem: Als verurteilter Straftäter darf er keine offiziellen Priesterlehrgänge besuchen. Doch das Glück scheint es nach seiner Zeit im Gefängnis zunächst gut mit ihm zu meinen. Durch Zufall gelangt er in einen kleinen Ort, in dem man einen glaubwürdigen, vertrauenswürdigen Geistlichen gut gebrauchen kann, da die Pfarrersstelle aktuell unbesetzt ist. Prompt gibt sich Daniel als Geistlicher aus und wird bald zu einem festen Bestandteil des Dorflebens. Die Situation ändert sich allmählich, als Daniel immer öfter in Streit mit dem örtlichen Bürgermeister gerät, der zu seinen Dorfbewohnern nicht immer ehrlich ist.

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Tesla Kritik

Der aus Kroatien stammende, hochmotivierte Ingenieur Nikola Tesla (Ethan Hawke) beginnt eine Anstellung in der Firma des großen Erfinders Thomas Edison (Kyle MacLachlan). Tesla ist intelligent und fleißig, nimmt sich selbst jedoch zu wichtig und tritt mit der Zeit  übertrieben ehrgeizig auf, weshalb es zwischen ihm und Edison zum Bruch kommt. Und so wendet sich der Immigrant bald darauf an Edisons Konkurrenten, den Großindustriellen George Westinghouse (Jim Gaffigan), der Tesla dabei unterstützt, sein eigenes Stromsystem zu realisieren. Und auch mit Privatbankier J. P. Morgan unterhält Tesla geschäftliche Beziehungen. Als er dessen Tochter kennenlernt, ist er hin und weg: Anne Morgan (Eve Hewson) ist die Liebe seines Lebens. Doch der stets auf Leistung und Erfolg getrimmte Tesla ist geprägt von Zweifeln: Wenn er eine Beziehung eingeht, könnten seine Arbeit und die Karriere leiden.

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The witch next door Kritik

The witch next door

Der Jugendliche Ben (John-Paul Howard) wird als Strafmaßnahme zu seinem Vater (Jamison Jones) in ein abgeschiedenes Küstenstädtchen geschickt, nachdem er beim Stehlen von Medikamenten ertappt wurde. Dummerweise hat sich Ben, dessen Eltern sich vor kurzem Zeit getrennt haben, bei dem versuchten Diebstahl auch noch den Arm gebrochen. Bei seinem Vater soll er, weit weg vom gewohnten Umfeld, jeglichem Ärger fernbleiben und wieder auf den „Pfad der Tugend“ zurückgeführt werden. Am Yachthafen arbeitet er für den väterlichen Bootsverleih und findet immer mehr Gefallen an seinem Aufenthalt, was vor allem an seiner flirtwilligen Kollegin Mallory (Piper Curda) liegt. Doch in den dunklen Wäldern vor der Stadt ist ein uraltes, bedrohliches Wesen heimisch, das schon bald im Haus von Bens und Liams Nachbarn sein (blutiges) Unwesen treibt. Ben versucht seinen Vater zu warnen, doch da dieser ihm nicht glaubt, muss der Teenager auf eigene Faust ermitteln.

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Wir beide Kritik

Für Außenstehende sind Madeleine (Martine Chevallier) und Nina (Barbara Sukowa) lediglich unscheinbare Nachbarn, die sich gut verstehen, aber die keine tiefe Freundschaft oder ähnliches verbindet. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Seit vielen Jahren führen die zwei Frauen eine geheime Liebesbeziehung und wünschen sich nichts sehnlicher, als gemeinsam ein neues Leben in Italien zu beginnen. Madeleine aber schafft es nicht, ihren Kindern zu sagen, dass sie lesbisch ist. Und so bleibt es zunächst dabei, dass ihre Liebe nur im Stillen, im Verborgenen, gelebt werden und stattfinden kann. Noch komplizierter und tragischer wird es, als Madeleine einen schweren Schlaganfall erleidet. Nun kümmern sich andere Menschen rund um die Uhr um Madeleine: die Tochter, Ärzte, eine Pflegerin. Und Nina? Die muss fortan noch härter kämpfen um zu ihrer Lebensliebe durchzudringen.

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Viele einflussreiche Hip-Hopper und Rap-Musiker der vergangenen Jahrzehnte, von den Beginnern über Freundeskreis bis hin zu Marteria, wurden von ihr entscheidend beeinflusst: der Bochumer Deutschrap-Formation RAG (Ruhrpott AG). Vier Freunde aus dem Ruhrgebiet, die mit Liedern wie „Kopf Stein Pflaster“ und „Unter Tage“ ab 1995/96 im Underground für Furore sorgten. Bis zur Auflösung 2003 blieb RAG der große Durchbruch jedoch verwehrt und heute ist die Band nur noch Insidern und Hardcore-Genre-Fans ein Begriff. Die Regisseure Julian Brimmers und Benjamin Westermann erzählen die Geschichte dieser frühen, in ihrer Musik sehr tiefgründigen Hip-Hop-Gruppe, die in den 1990er-Jahren zwei prägende Alben veröffentlichte.

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Marie Curie – Elemente des Lebens

Sie gilt als eine der prägenden Wissenschaftlerinnen aller Zeiten und hat mit ihren Forschungen wie keine andere Frau Geschichte geschrieben: die polnische Chemikerin und Physikern Marie Curie. Zu ihren größten Leistungen gehören die Entdeckung neuartiger Elemente (Radium, Polonium), der Nachweis von Radioaktivität sowie ihre Arbeit auf dem Gebiet der Krebsforschung. Sowohl beruflich als auch privat immer an ihrer Seite stand ihr Ehemann und Forschungspartner Pierre (Sam Riley). Sein Tod im Jahre 1906 bedeutete für Marie Curie einen herben, kaum verwundbaren Verlust. Dennoch setzte sie ihre Arbeit fort und erhielt wenige Jahre später ihren zweiten Nobelpreis. Bei all ihren wissenschaftlichen Leistungen war Curie aber ebenso eine Frau ihrer Zeit, die mit Fremdenfeindlichkeit (sie lebte in Paris) und Sexismus konfrontiert war.

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Harriet Kritik

Harriet Tubman (Cynthia Erivo) quält sich Mitte des 19. Jahrhunderts wie so viele andere Afroamerikaner auf einer Baumwollplantage mit schwerer, zermürbender Arbeit. Mit ihrem Schicksal, für immer als Sklavin ihren Dienst tun zu müssen, will sie sich nicht abfinden. Sie entschließt sich zur Flucht. 1000 Meilen trennen sie von den rettenden Nordstaaten, zwischen ihr und der Freiheit liegen schier unüberwindliche Hindernisse wie Berge und reißende Flüsse. Letztlich gelingt ihr die beschwerliche Reise nach Philadelphia. Doch mit ihrer neu gewonnenen Freiheit will sich Harriet nicht zufriedengeben. Zumal es in den Südstaaten noch so viele Sklaven gibt (darunter auch ihr Ehemann). Und so tritt sie schließlich der Anti-Sklaverei-Organisation „Underground Railroad“ bei und begibt sich zurück in den Süden, um anderen Sklaven bei der Flucht zu helfen.

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Jean-Paul Gaultier: Freak and Chic Kritik

Seit über 40 Jahren gehört Jean-Paul Gaultier zu den gefragtesten, populärsten Modeschöpfern und Designern der Welt. Seine erste eigene Modekollektion entwarf er Mitte der 70er, spätestens ab den frühen 80er-Jahren etablierte er sich als exzentrischer Künstler, der mit Vorliebe übergewichtige und tätowierte Models auf den Laufsteg schickte. Es dauerte nicht lange und die Presse bezeichnete den 1952 in der Nähe von Paris geborenen Gaultier als „Enfant terrible der Modeszene“. Ab den 90er-Jahren fand Gaultier endgültig Eingang in die Popkultur, als er provokante Bühnenoutfits für Künstlerinnen wie Kylie Minogue und Madonna (unvergessen: die Outfits für die „Blonde Ambition“-Tour) realisierte und wenig später auch Kostüme für Filme entwarf. Darunter Werke, die heute als Klassiker ihres Genres gelten: Etwa die „Stadt der verlorenen Kinder“ (1995) oder „Das 5. Element“ (1998).

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